Razzia in Kalkarer Galerie, Fälschungen von Werken von Markus Lüpertz vermutet

rd | 14. Februar 2020, 14:06 | 3 Kommentare
Kalkarer Galeristen unter Fälschungsverdacht. Die Blumen von Gerhard Fonck waren echt, so viel ist sicher (Bild von der Eröffnung der Galerie 2013, Foto: Stadt Kalkar)

Ein neuer Fälschungsskandal erschüttert die deutsche Kunstszene – und im Zentrum des Geschehens befindet sich eine Galerie aus Kalkar! Am Vormittag gaben die Staatsanwaltschaft Kleve und die Polizei Kleve eine gemeinsame Presseerklärung heraus. Darin hieß es: „Seit 8 Uhr heute Morgen durchsuchen Beamte der Kreispolizeibehörde und der Staatsanwaltschaft Kleve eine Kunstgalerie und zwei Ateliers in Kalkar sowie Wohnungen in Goch und Mühlheim. Gegen die Betreiber der Galerie besteht der Verdacht des gewerbsmäßigen Betruges und der Urheberrechtsverletzung. Sie sollen im großen Stil gefälschte Werke eines bekannten Künstlers aus Berlin an eine Galerie in Süddeutschland verkauft haben. Aufgeflogen waren die Taten dadurch, dass der Künstler die gefälschten Exponate in der süddeutschen Galerie entdeckt hatte. Nach Angaben der geschädigten Galeriebetreiberin beläuft sich die Schadenssumme auf rund 100.000 Euro. Die heutigen Maßnahmen dienen der Auffindung von Beweisen sowie Vermögenswerten, um die aus den Straftaten erlangten Gewinne wieder zu entziehen.“

Nach Informationen von kleveblog war es Markus Lüpertz, einer der bekanntesten zeitgenössischen deutschen Maler und Bildhauer überhaupt, der den Fall ins Rollen brachte. Der Künstler hatte eine Galerie in Dachau bei München besucht und dort eine Grafik entdeckt, von der er sicher war, dass er es nicht erstellt hatte. Er meldete diese Beobachtung der Betreiberin der Galerie, die daraufhin zunächst einmal die Verkäufer kontaktierte. Als sie dort nicht weiter kam, informierte sie die Behörden.

Von Lüpertz gibt es Gemälde, Zeichnungen, Radierungen und Skulpturen. Die Preise für seine Werke erreichen schnell auch einmal sechsstellige Bereiche. Von 1988-2009 war Lüpertz Rektor an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf; er hat einen Hang zum dandyhaften, leicht exzentrischen Auftritt. Sein Markenzeichen ist ein weißer Gehstock mit einem Knauf in Form eines Totenkopfes. Der nunmehr 78 Jahre alte Künstler lebt seit 2017 mit seiner Frau Dunja wieder in seiner Heimatstadt Mönchengladbach-Rheydt.

Die Ermittler vermuten, dass neben den Werken von Lüpertz auch die Künstler Rene Magritte und Amedeo Modigliani gefälscht wurden. Insgesamt geht es nach derzeitigen Schätzungen der Ermittler um hundert bis zweihundert Drucke, deren Urheberschaft nun untersucht werden muss. Neben den Druckgrafiken geht es in einem Fall auch um – geringwertigere – Poster, bei denen eine Grafik aus einem anderen Lüpertz-Werk herauskopiert und auf diese Weise ohne Genehmigung vervielfältigt wurde.

Als die beiden Betreiber der Galerie in Kalkar ihr Geschäft im Frühjahr 2013 eröffneten, gratulierte der damalige Bürgermeister Gerhard Fonck den beiden Kunstunternehmern mit ein paar Orchideen. In der ersten Ausstellung wurden Druckgrafiken unter anderem von Markus Lüpertz, aber auch von A. R. Penck und Salvador Dali gezeigt. Wer eine Ausgabe der Rheinischen Post mitbrachte, bekam zehn Prozent Rabatt auf die verkauften Kunstwerke. Bereits im Sommer 2014 expandierte der Betrieb, in der Monrestraße wurde eine weitere, 200 Quadratmeter große Halle angemietet.

Auf der Website der Galerie heißt es: „Unsere [Galerie] präsentiert mit wechselnden Ausstellungen Kunstwerke aus den Bereichen Malerei, Grafik, Fotografie und Skulptur, die Welt der klassischen Moderne, sowie der zeitgenössischen Kunst. Unsere Leidenschaft: Präsentieren, Vermitteln, Unterstützen der Kunst und ein enger Kontakt zu Ihnen, den Kunstinteressierten und Sammlern und natürlich zu den Künstlern, hat für uns höchste Priorität.“

Es scheint, als ob damit noch nicht alles gesagt ist. Derzeit ist die Galerie geschlossen. „Wir machen eine Ausstellungspause und renovieren für Sie“, so der Text auf der Website.

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3 Kommentare - Sortierung: Neuester oben / Ältester oben
  1. 3. No-Name-Originalist

    Wer Kunst als Kunst genießen möchte und nicht als Anlageobjekt benutzen will, kann Original-Kunst zu relativ günstigen Preisen erwerben. Meine sogenannten „Luftbilder“ sind schon für ein paar Euro zu haben. Bei der Luftbilder-Technik wird mit Luft gemalt. Das funktioniert mit Papier, Pappe, Holz oder was auch immer. Ein Echtheitszertifikat ist natürlich dabei.

     
  2. 2. Guenther Hoffmann

    Kunst , 😁 mag ich auch 👍🏼 . Ich liebe z.B K. Kujau der mit Adolfs Tagebüchern eine riesige intellektuelle Experten Blase vom feinsten gef…. hat. 🤫 🙄 . Sorry, das ist für mich Kunst 👏🏼👏🏼 😂 .. 🍻

     
  3. 1. jean baptiste

    Wie titelte die Berliner Morgenpost am 13.12. 2015 doch so schön ?
    30 Prozent aller Kunstwerke auf dem Markt sind gefälscht.
    Und das ist nur eine vorsichtige Schätzung.
    Namen wie Beltracchi, Kujau und van Meegeren sind bekannte Namen, die mit dem Titel Meisterfälscher belegt sind, die Liste lässt sich aber beliebig fortsetzen.
    Aber das Problem Fälschung ist nicht neu, auch im 17. , 18. und 19. Jahrhundert wurden schon Werke aus früheren Epochen gefertigt, um Gewinn zu erzielen.
    Selbst ganze Staaten, wie die DDR , Nordkorea und viele andere sahen es als einfache Geldbeschaffung.
    Solange in manchen Branchen so viel Geld verdient wird, dass Leute es nicht mehr für ihren Lebensunterhalt benötigen, wird es genügend Nachfrage nach Kunst geben.
    Da auch massenhaft Fälschungen mit renommierten Namen in Museen hängen, wundert es nicht, dass sich da ein ganzer Markt bildet, in dem viele Anbieter nicht einmal wissen möchten, wie echt ihre angebotene Ware eigentlich ist, bis hin zu denen, die bewusst fälschen (lassen).
    Das FBI spricht von jährlich Milliarden Dollar, die so umgesetzt werden.
    https://www.nzz.ch/feuilleton/modigliani-ld.1354715
    https://www.donaukurier.de/nachrichten/bayern/Kriminalitaet-Kunst-OBERBAYERN-Bayern-Werke-von-Picasso-Warhol-Magritte-Alles-gefaelscht;art155371,3914929
    https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.faelscherprozess-giacometti-plagiate-sind-weiterhin-zu-haben.119e645d-4073-479e-b6c0-b86fa117150c.html