Puddingbande: „Ein gutes Leben führen, arbeiten gehen, irgendwas im Friseurbereich“

rd | 10. April 2018, 13:44 | keine Kommentare
Time not my north side: Schwanenturm

Rentner mit Pudding betäubt: Urteil in der Schwanenburg

„Suche liebe Frau mit Auto“. Diese Zeitungsannonce löste ein verbrecherisches Geschehen aus, das einige Zeit später mit der gierig hingeworfenen Frage „Haste? Haste?“ endete – damit wollte der im Auto wartende Komplize in Erfahrung bringen, ob seine Mittäterin das Geld hatte.

Das war ihr in der Tat gelungen, mit mehr als 12.000 Euro sowie tschechischen Kronen in bar und einer EC-Karte samt dazugehöriger Geheimzahl, mit der tags darauf weitere 2000 Euro abgehoben werden konnten, war der Raubzug von Denise L. aus Kleve bei dem 93 Jahre alten Rentner aus dem Emmericher Ortsteil Praest aus Sicht der Täter erst einmal ein voller Erfolg. Doch es dauerte nicht lange, bis die Polizei die Räuber ermitteln konnte.

An zwei Verhandlungstagen arbeitete die 2. große Strafkammer des Landgerichts Kleve unter Vorsitz von Richter Gerhard von Gemmeren das Verbrechen auf – am Montag fielen die Urteile gegen zwei der drei Mitglieder der Puddingbande.

Denise L., die Frau, die in der Wohnung das Geld einsammelte, wurde wegen schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung zu einer Haftstrafe von fünf Jahren und zehn Monaten verurteilt. Elf Monate davon muss sie absitzen, danach wechselt sie in den Maßregelvollzug, um eine Drogentherapie zu beginnen, deren Aussichten der psychiatrische Sachverständige Dr. Jack Kreutz positiv beurteilte. Der zweite Täter, Peter B., ebenfalls drogenabhängig, muss für drei Jahre und drei Monate hinter Gittern.

Das Verfahren gegen die dritte Mittäterin wurde abgetrennt und wird voraussichtlich im November neu verhandelt, nachdem die Frau am Ende des vorletzten Verhandlungstags eine Panikattacke erlitten hatte und sich in ärztliche Behandlung begeben musste.

Das Geld war knapp bei allen drei Klevern, so dass die Idee, den alten Mann um seine Ersparnisse zu erleichtern, äußerst verlockend erschien. Doch die dritte Frau hatte das Vertrauen des Rentners aus Emmerich bereits verspielt, nachdem sie ihm einige hundert Euro für angebliche Autoreparaturen aus dem Kreuz geleiert hatte.

Also entwickelten sie und ihr Bekannter B. gemeinsam mit Denise L. einen perfiden Plan. Die dem Rentner bisher unbekannte Frau sollte sich auf die Annonce melden, obwohl sie weder über einen Führerschein noch über ein Auto verfügte. Dafür sollte sie dem Greis seinen geliebten Vanillepudding mit Frucht-Topping mitbringen. Das Glas, das dem Rentner serviert wurde, hatten die Täter zuvor mit Valium und anderen Beruhigungsmitteln versetzt.

Das Vorgehen lief wie geplant, das Opfer wurde schlagartig müde und legte sich schlafen. L. gelang es, seine im Gästezimmer unter einer Matratze in einer Ledertasche versteckten Ersparnisse sowie sein Portemonnaie an sich zu bringen. Zurück in Kleve wurde die Beute geteilt, für ihren Anteil kaufte sich L., wie Quittungen dokumentieren, bei Saturn ein Notebook sowie in einem Handygeschäft ein Mobiltelefon.

Zwei Monate nach der Tat wurde sie allerdings von der Reue gepackt. Sie schrieb einen Brief an das Opfer: „Ich möchte mich aufrichtig für das Leid, dass ich Ihnen angetan habe, entschuldigen. Frau (…) gab mir den Pudding mit. Ich wusste nicht, dass dem Pudding etwas beigemischt war.“ Sie versprach Wiedergutmachung; 200 Euro wurden im Februar angezahlt.

Die Kammer glaubte allerdings nicht, dass von dem Trio jemand ahnungslos handelte. Jedoch folgte sie bei dem Mann der Auffassung seines Rechtsanwaltes Dr. Haas, dass es sich bei dessen Tatbeteiligung nur um eine Beihilfe gehandelt habe. Deshalb fiel seine Strafe deutlich geringer aus als von der Staatsanwaltschaft gefordert.

B., der zur Urteilsverkündung in einem schwarzen Unterhemd und mit schweren Ketten behängt erschien, demonstrierte während der Verlesung der Strafe demonstrativ seine Gelassenheit und drehte mit verschränkten Händen Däumchen. Seine Mittäterin dagegen brach in Tränen aus. Sie hatte zuvor nochmals ihre Reue bekundet und gesagt, sie möchte „ein gutes Leben führen, arbeiten gehen, im Friseurbereich“.

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