Niederrhein Valley – im Dunklen weltklasse (und polizeibekannt)

rd | 19. Februar 2020, 19:12 | 3 Kommentare
Eimerweise Pillen für den Internet-Versand

Heute erst lobte der Wirtschaftsförderer des Kreises Kleve einmal mehr in einer Zeitungskolumne das „Niederrhein Valley“ aus, welches in Anlehnung an das berühmte „Silicon Valley“ zeigen soll, wie IT-affin die Menschen am Niederrhein sind. Die Wahrheit ist: Sie sind schon viel weiter – leider nur in Gefilden, die immer wieder auch Gegenstand juristischer Erörterungen werden. Kürzlich erst erhielt in der Schwanenburg ein niederländischen Dealer, der sich in dem dunklen Segment des World Wide Webs einen globalen Kundenkreis aufgebaut hatte, zu einer Haftstrafe von sieben Jahren und sechs Monaten.

Vermutlich nicht in Kleve wird einem 21-jährigen Mann aus Kleve der Prozess gemacht, der als Programmierer die illegale Handelsplattform Wall Street Market mit aufgebaut hatte. Der Wall Street Market war der zweitgrößte Markt für verbotene Dinge (allen voran Drogen, aber auch Daten). Kürzlich gewährte der junge Mann, der nicht mehr in Untersuchungshaft sitzt, Peter Janssen von der Rheinischen Post ein Interview. Mit dabei war Jules de Jong, ein Journalist aus den Niederlanden, der ein Buch über Cyberkriminalität schreiben will. Er sagte in dem Gespräch: „Was [T.] kann, das wird dir niemand beibringen können. Für mich ist er ein Genie. Das Wort wanderte auch gleich in die Überschrift, die da hieß: „Die dunkle Seite des Genies“.

Als wäre das nicht schon niederrheinisches Cybercrime genug, überraschte heute das Zollfahndungsamt Frankfurt/Main mit der nächsten Nachricht, die einen im Darknet tätigen Menschen in Verbindung mit der Kreisstadt betrifft. Ein 38 Jahre alter Niederländer wurde bereits vor sechs Tagen in Kleve festgenommen. Wieder lautet der Vorwurf, übers Internet im großen Maßstab Drogen in alle Welt verschickt zu haben. Hier die Meldung im Wortlaut:

Zollfahnder haben einen mutmaßlichen Darknet-Dealer festgenommen. Der 38 Jahre alte Niederländer wurde am 13. Februar 2020 in Kleve festgenommen. In seinem Fahrzeug sowie in einer von ihm in den Niederlanden genutzten Lagerhalle stellten die Ermittler mutmaßlich Betäubungsmittel im Kilogrammbereich sicher.

Der Festnahme waren umfangreiche Ermittlungen des Zollfahndungsamts Frankfurt am Main unter Sachleitung der Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime Nordrhein-Westfalen bei der Staatsanwaltschaft Köln (ZAC NRW) in enger Kooperation mit der niederländischen Justiz vorausgegangen.

Der 38-Jährige steht im Verdacht, die Betäubungsmittel über verschiedene Verkaufsplattformen und Online-Marktplätze im Darknet zum Kauf angeboten zu haben. Unter verschiedenen Pseudonymen bot er in einer Vielzahl von Fällen Kokain, MDMA, Amphetamin, LSD, Ecstasy und Heroin in unterschiedlichen Mengen und Beschaffenheit anderen Usern weltweit zum Kauf an. Die veräußerten Betäubungsmittel portionierte und verpackte er in den Niederlanden und machte sie auch dort versandfertig. Anschließend fuhr er mit den Postsendungen nach Deutschland, um sie hier in verschiedenen Postfilialen aufzugeben oder in Briefkästen einzuwerfen. Die für die Frankierung erforderlichen Brief- und Postmarken hatte der Beschuldigte jeweils zuvor in Deutschland erworben.

Adressiert waren sie unter anderem an Empfänger in Indien, Australien, den USA, Frankreich, Spanien und Deutschland. Gegenwärtig gehen die Ermittler von mehr als 2.300 Verkaufsfällen seit Herbst 2017 aus, bei denen erhebliche Einnahmen in Höhe von mindestens 139.000 Euro erzielt wurden.

Zeitgleich wurden durch die Den Haager Polizei zwei weitere Tatverdächtige festgenommen und Haftbefehle vollstreckt. Die Männer werden verdächtigt, an dem großangelegten Drogenhandel über das Darknet beteiligt zu sein.

„Durch kriminalistisches Geschick und die Intensität der grenzüberschreitenden Ermittlungen ist es uns gelungen, den mutmaßlichen Darknet-Dealern auf die Spur zu kommen. Dieser Fall zeigt einmal mehr, es gibt auch im Darknet keine hundertprozentige Sicherheit vor den Strafverfolgungsbehörden“, so Hans-Jürgen Schmidt, Sprecher des Zollfahndungsamts Frankfurt am Main.

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3 Kommentare - Sortierung: Neuester oben / Ältester oben
  1. 3. rd

    @Joseph Johann Gute Frage. Die letzten beiden Kolumnen jedenfalls waren auf Kindergartenniveau. Aber es gehören ja immer zwei dazu: Einer, der konfabuliert, und einer, der es abdruckt.

     
  2. 2. Joseph Johann

    Der Kreis-Wirtschaftsförderer liebt die Selbstdarstellung, die er in der Presse laufend fortsetzt. Was bringt uns das?

     
  3. 1. Guenther Hoffmann

    Eine “Exkursion” ins Darknet ist straffrei 👍🏼 und ein “schöner” Einblick in eine perverse parallele Welt die den ein oder anderen “Alle Welt hat sich lieb” Fan evtl. aus seinen Träumen holt …nur mal so. 🤔 😁