Karitative Geldautomaten

rd | 22. Februar 2008, 13:07 | 3 Kommentare

Vorweg: Kunden der Sparkasse Kleve sind etwas vermögender als Kunden der Volksbank Kleverland. Wie ich drauf komme? An den Geldautomaten der Sparkasse wurden im vergangenen Jahr bei 1,3 Millionen Verfügungen 210 Millionen Euro ausbezahlt. Bei der Volksbank wurden die Maschinen 900.000 Mal angezapft und gaben insgesamt 135 Millionen Euro aus. Das heißt, der durchschnittliche Sparkassenabheber lässt sich 161 Euro ausbezahlen, der Volksbankbesucher dagegen nur 150 Euro.

Doch davon soll hier gar nicht die Rede sein. Seit dem 15. Februar ist es nämlich vorbei mit der schönen (und wirklich nützlichen) Automaten-Allianz der beiden Geldinstitute – seitdem wird für Kunden des jeweils anderen Instituts eine Gebühr von jeweils einem Euro erhoben. Nicht wirklich viel, aber die Begründung ist ein Stück aus dem betriebswirtschaftlichen Tollhaus. Hier die Originalpassage aus dem Klever Wochenblatt:

“Dieser Preis liegt immer noch weit unter dem im Bankgewerbe üblichen Verrechnungspreis und deckt nur einen Teil der gestiegenen Betriebskosten”, teilen Sparkasse und Volksbank in einer gemeinsamen Presseerklärung mit. Mit dem Betrieb eines Geldautomaten kann man kein Geld verdienen. Die Automaten müssen regelmäßig bestückt und gewartet werden. Kostspielig ist auch der Unterhalt der Leitungen… Warum so viele Geldautomaten? “Das ist reiner Kundenservice”, sagt ein Banker.

Noch mal zum Mitschreiben: Erst werden allerorten die Bankfilialen geschlossen, weil diese zu teuer sind, und durch Geldautomaten ersetzt. Diese Maschinen werden als “Kundenservice” deklariert. Plötzlich ist dieser “Kundenservice” ebenfalls zu teuer (Füllung, Wartung, Leitung) und wird in den Rang einer karitativen Maßnahme erhoben.

Wenn das so weitergeht, liegt die Zukunft des hiesigen Bankwesens in rumänischen Hilfskräften, die in hochmobilen Filialen (Campingstuhl, -tisch) an strategisch günstigen Plätzen (eoc-Parkplatz) ein wartungs- und leitungsfreies Bargeldangebot offerieren (verschließbare Geldkassette). Alternativ können alle Kunden zur Citibank transferiert werden und man beschäftigt sich nur noch mit den wirklich spannenden Dingen (Immobilien im Osten etc.).

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3 Kommentare - Sortierung: Neuester oben / Ältester oben
  1. 3. rainer

    Hallo,
    Volksbankautomaten gibts ja an jeder Ecke, in so pommeswagenähnlicher Umhausung. Naiv wie ich bin, denk ich hier an Versicherung

     
  2. 2. Charly

    Muß für Privatkredit bei bei der Citibank nun 20% Zinsen zahlen und mußte eine Versicherung gegen Arbeitslosigkeit abschließen( Bin zwar schon arbeitslos, aber daran verdient wohl der Citibanker)! Bei der Sparkasse gabt`s kein Kredit mehr, sind nicht mehr so locker, nehmen auch keinen super geilen Flachbildschirm mehr in Zahlung!

     
  3. 1. Kranenbürger

    Interessant auch, dass hier in Kranenburg beim Sparkassen-Automat die Kunden der Uedemer-Volksbank kostenlos abheben dürfen, dagegen die VoBa-Kleverland-Kunden für diesen Service bezahlen dürfen. Kranenburg zeigt ein Herz für Uedemer.