Flandrische Mähre tot

rd | 09. Juli 2007, 17:34 | 1 Kommentar

Von Bismarck, dessen Ururenkel übrigens kürzlich nach einem von anregenden Substanzen angereicherten Leben ausgerechnet in London verschied, ist der Ausspruch überliefert, im Falle eines Weltuntergangs zöge er sich nach Mecklenburg zurück – dort geschehe immer alles 50 Jahre später. Aus Londoner Perspektive dürfte Kleve sich einer ähnlichen Einschätzung erfreuen – es dauert immer etwas länger.

Doch der Reihe nach: Wir schreiben das Jahr 1540, und der testosterongesteuerte englische König Heinrich VIII. erlebt am Neujahrstag ein amouröses Fiasko. Humorlos, langweilig, pockennarbig und auch sonst so ganz anders als von Hans Holbein gemalt erscheint dem Herrscher die berühmteste Tochter der Stadt, Anna von Cleve, als er seiner Braut zum ersten Male angesichtig wird. Angeblich soll er sie sogar als “flandrische Mähre” bezeichnet haben, doch das ist zwar hübsch formuliert, aber historisch leider nicht verbürgt.

Anna von Cleve

Die Ehe wird nie vollzogen und bald annuliert, und nach einem erfüllten Leben in Saus und Braus stirbt die gute Frau 1557 an Krebs – gerade noch rechtzeitig für die Klever Stadtmarketing-Chefin Ute Schulze-Heiming, die nach eigener Aussage “überraschend erfahren” hat, dass sich der Todestag in diesem Jahr zum 450. Male jährt. Die heiße Nachricht animierte das Stadtmarketing, eine spontane Gedenkveranstaltung aus dem Boden zu stampfen, und so heißt es nun am 28. Juli 2007 : “Feiern Sie mit uns den 450. Todestag von Anna von Cleve!”

Heinrich VIII. dürfte kurzfristig verhindert sein, wäre wahrscheinlich aber auch gern gekommen, wenn der Tod seiner Frau im Innenhof der Schwanenburg mit einem englischen Frühstück gefeiert wird.

p.s. Ronald Reagan soll eine seiner Tischreden übrigens mit der schönen Bemerkung begonnen haben: “Ich halte mich an das, was einst Heinrich VIII. zu jeder seiner sechs Frauen sagte: ‘Ich werde Ihre Aufmerksamkeit nicht sehr lange in Anspruch nehmen.'”

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  1. 1. 177:52 | kleveblog

    […] Das Plakat hätte übrigens auch eine eigene Würdigung verdient, wobei, glaube ich, der Künstler keine wirkliche Chance hatte. Es ist ein bisschen wie Holbein und Anna von Cleve, wo die vorteilhafte Darstellung der “flandrischen Mähre” ja bekanntlich eine echte Ehekatastrophe nach sich zog. Später mehr. Jetzt arbeiten. Aber wirklich. […]