Clever Stolz: Aktenzeichen ungelöst

rd | 01. September 2008, 12:25 | 7 Kommentare

Gebäude

Auf dem grünen Briefkasten sind der zugeklebte Schlitz von Unilever und der mit einem Anzeigenblättchen von vor ca. sechs Monaten gefüllte Behälter der Clever Stolz Lebensmittelwerke GmbH noch friedlich nebeneinander platziert. Doch ansonsten ist es mit der Eintracht nicht weit her: Vor dem Landgericht Hamburg liefern sich Vertreter des Weltkonzerns und der Resteverwalter des niederrheinischen Werks, der Krefelder Insolvenzverwalter Wilhelm Klaas, einen Schlagabtausch, bei dem die Schriftsätze nur so fliegen.

Wie vom Gericht in Hamburg zu hören ist, sind die Juristen vom Niederrhein der Auffassung, dass Unilever seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachgekommen ist. Klaas hat einen Antrag auf Erlass eines Mahnbescheids gestellt, das heißt, er will vom Unilever-Konzern Geld, viel Geld. Die beiden Parteien selbst geben sich schweigsam, die eine (Unilever), weil zu einem laufenden Verfahren grundsätzlich keine Auskünfte gegeben werden, halt das übliche Pressesprechertralala, und die anderen (Klaas & Co.), weil derzeit ein Vergleich angestrebt werde.

Deshalb wende ich hier den alten Journalistentrick an und schreibe einfach mal irgendwas, ist dann ja auch egal. Also tippen wir mal, Unilever ist bei der Einführung der Fettinnovation Creme fine von geradezu euphorisch kalkulierten Absatzzahlen ausgegangen (die suggestive Kraft des Marketings), die dann in den Produktionsvertrag mit dem Klever Werk einflossen. Diese Zahlungen wurden dann angesichts einer veränderten Marktlage (die normative Kraft des Faktischen) im Zuge der Insolvenz schön zurückgefahren. Schwuppdiwupp, und schon ist eine sechs- oder siebenstellige Summe eingespart.

Mal sehen, was Klaas rausschlägt – immerhin könnten sich dann womöglich auch die Stadtwerke und die Umweltbetriebe der Stadt Kleve über den einen oder anderen Euro aus der Firmenkasse freuen. Bekanntlich hinterließ das von Bernd Zevens nach der Ein-Euro-Übernahme um den kompletten Grundbesitz erleichterte Unternehmen bei seiner Pleite Millionen-Schulden bei den beiden städtischen Betrieben…

(Mit Dank an den treuen Leser, der diese Angelegenheit dem Vergessen entrissen hat.)

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7 Kommentare - Sortierung: Neuester oben / Ältester oben
  1. 7. Ben

    Hallo
    Mom hat das Werk damals ja für 1€19 gekauft und sofort den Grund und Boden in den Zevens Grundbesitz überschrieben.
    Dafür bekam er ja von Cleverstolz eine schöne Pacht bezahlt!(mehere 100000€)
    Deswegen ist er ja auch einer der Hauptgläubiger der kleine Mitarbeiter wird deswegen auf jedenfall leer ausgehen!

    Den Betriebsratvorsitzende hat er ja auch geködert da er damals keine Gehaltseinbußen hatte von 27% wie auch andere (Meister und Abteilungsleiter)

     
  2. 6. Günter

    Was ist eigentlich aus den Pensionsansprüchen der Ex-Mitarbeiter von Clever Stolz geworden? Ist auch dieses Geld für immer weg?

     
  3. 5. KlePeter

    Der Macher Theo hat doch dem Geschäftsführer auf seinem Donsbrüggener Tigerentengrundstück tüchtig den Marsch geblasen und mit dem Eigentümer in der Schweiz Tacheles geredet. So konnte wenigstens der Betriebsratvorsitzende über die Sicherung von ein paar Arbeitsplätzchen Cleverstolz sein…

     
  4. 4. Messerjocke

    Willi 1.0: Hier für Deine Antwort eine vorgefertigte Zeile. Zwischenablage STRG+C und dann STRG+V, Submit klicken

    “Wo gehobelt wird…”

    ……………………………..

    Mein Kenntnisstand ist, dass der Grund und Boden natürlich im sicheren Hafen verweilt.

    Wann haben noch mal die empörten Bürger unter Anführung unseres gebürgerten Meisters das Gelände gestürmt und besetzt ?

    Der Macher saß doch Tage auf dem Dach des Verwaltungsgebäudes (versorgt mit Refflingbrötchen von Willi 1.0) und rief:

    “Nicht mit mir mein lieber! Das werden wir ja sehen! Ich bleibe hier- bis die Rechnungen beglichen sind.”

     
  5. 3. killerplautze

    @ralf.daute

    Danke für die Blumen, ich versuche mich übrigens krampfhaft daran zu erinnern, wieviel Euronen die Stadtwerke abschreiben mussten. Waren das nicht 16?, so eine Zahl geistert mir im Hinterkopf rum.

    ——–

    Die Gretchenfrage bei dieser Geschichte ist doch, was denn eigentlich in die Insolvenzmasse geflossen ist – Anlagen (Gebäude und Maschinen) oder auch der Grund und Boden?

    Sollte letzteres nicht der Fall sein, dann kann man schon ahnen, die Gebäude werden “rückgebaut” ,auf Kosten der Allgemeinheit wohlgemerkt, und ein Grossteil des Areals, praktischerweise mit den dann freiwerdenden Sportplätzen zu, wer hätte es gedacht, Bauland.

    Unternehmerförderung a la Clevensis? Ganz schon clever!

    Chapeau Herr Zevens.

     
  6. 2. ralf.daute

    @willi 2.0: killerplautze hat’s perfekt zusammengefasst, da wollte ich mich nicht wiederholen…

     
  7. 1. willi 2.0

    Mich wundert, dass dieser kommentierfreudige Blog an dieser Stelle schweigt.
    Selbst willi 1.0 hat seinen Senf noch nicht dazu gegeben. Muss ich mir Sorgen machen, oder passt das Beschriebene nicht in seine schöne kleine Welt.

    Mich hat dieses “unternehmerische Handeln” endlos aufgeregt und mit meinem alljährlichen Steuerbescheid ( Wasser, Abwasser) kann ich mir fast ausrechnen, wieviel ich wieder für Mom`s Pleite hinlegen durfte.

    Aber so sind sie wohl, diese Gutmenschen…..