Chris Gebhardt schließt sein Studio Très Chig in der Gasthausstraße

Christoph Gebhardt

Das ist keine gute Nachricht für die Menschen, die sich sich Kreativität und Vielfalt in der Klever Innenstadt wünschen: Nach knapp zweieinhalb Jahren wird Christoph Gebhardt sein Studio Très Chig in der Gasthausstraße schließen. Das Geschäft war, was Umsatz und Kundenzulauf angeht, sicher nicht das Bedeutendste, aber es stand geradezu exemplarisch für eine Vielzahl von Ideen, wie Konsum außerhalb des Mainstreams aussehen könnte. Gebhardt startete seine Gründung als Second-Hand-Laden, erweiterte rasch um Krimskrams aller Art, zog eine Serie von Workshops auf und nutzte schließlich auch Lasertechnologie, um eigene Ideen zu verwirklichen und zu verkaufen. Insgesamt also viel Action, befeuert auch durch einen unablässig bespielten Instagram-Kanal mit einer vierstelligen Zahl von Abonnenten – aber dafür, dauerhaft das Ladenlokal zu unterhalten, reichte es offenbar nicht.

Gestern teilte Chris Gebhardt seinen Followern auf Instagram mit, dass es Neuigkeiten geben werde, „gute, aber auch nicht so gute“. Die „nicht so gute“ war, dass er das Ladenlokal spätestens Ende März aufgeben werde. Der Mietvertrag sei ausgelaufen, und er habe sich entschieden, diesen nicht zu verlängern. „Für mich gibt es ein paar Gründe, die dagegen sprechen, dass ich weiter mache“, sagte er, und dass er jetzt wieder auf Jobsuche gehen werde. Unter „gut“ fiel der Hinweis, dass er sich fortan aufs Online-Geschäft und den Handel mit seinen selbst produzierten Karten (mit Sinnsprüchen) fokussieren werde – unter anderem sind diese bei Wein Peters und in der Buchhandlung Hintzen erhältlich.

Landesweit war Gebhardt mit seinem Geschäft in die Schlagzeilen geraten, als er Attacken auf ihn und seine Familie, offenbar begründet in seiner Nähe zu LGBTQ-Themen, öffentlich machte und sich dagegen zur Wehr setzte. „Ihr müsst mich hier schon raustragen“, gab er sich damals, im März vergangenen Jahres, noch kämpferisch. Die Widersacher brachten ihn nicht zur Strecke, dennoch geht Gebhardt nun.

Nachtrag: Unterdessen wird in der Großen Straße der „Barfußschuhladen Leguano“ ausgeräumt. Ein Nachmieter wird gesucht.

Hier die Pressemitteilung des Gründers von Très Chig, Christoph Gebhardt, im Wortlaut:

Très Chig Studio schließt Ladenlokal – Marke, Workshops und Online-Shop bleiben bestehen

Nach rund zweieinhalb Jahren schließt das Très Chig Studio sein Ladenlokal in der Klever Innenstadt. Der Store in der Gasthausstraße bleibt noch bis Mitte März, je nach Warenbestand bis Ende März, geöffnet. Der Schritt ist Teil einer strategischen Neuausrichtung und ist dem Inhaber nicht leicht gefallen.

Seit der Eröffnung hat sich Très Chig Studio als kreativer Concept Store für Secondhand-Mode, ausgewählte Dekoartikel, handgemachte Produkte und humorvolle Papeterie etabliert und sich eine treue Kundschaft aufgebaut – sowohl lokal als auch über Social Media.

In den kommenden ein bis zwei Wochen starten erste Rabattaktionen im Store. Dabei handelt es sich bewusst nicht um einen klassischen Räumungsverkauf, sondern um ausgewählte Angebote, insbesondere im Bereich Kleidung. Kundinnen und Kunden mit Kundenkarte werden vorab per E-Mail informiert, alle weiteren Interessierten folgen zeitversetzt.

Ein besonderes Highlight zum Abschied ist ein Ladenevent am 27. Februar, bei dem sich das Très Chig Studio noch einmal persönlich von Kundinnen, Kunden, Freunden und Wegbegleitern verabschieden möchte. Das Event beginnt um 16 Uhr und endet gegen 19 Uhr, mit offenem Ende – je nachdem, was noch los ist. Besucherinnen und Besucher dürfen sich auf tolle Angebote, besondere Aktionen sowie einige Aussteller freuen, darunter Sparkle Studio mit einer Charm Bar sowie kreative Kunstwerke von Artwork by Julez.

Auch nach der Schließung des Ladenlokals bleibt Très Chig Studio aktiv. Künftig liegt der Fokus stärker auf dem Onlinehandel sowie auf handgemachten Produkten und eigenen Designs. Ein Großteil der Dekoartikel wird online weiterverkauft, andere Waren – darunter auch ausgewählteStücke, die bisher nicht regulär erhältlich waren – werden im Store abverkauft. Die Workshops finden weiterhin statt: Bis Mitte März noch im Store, danach bei Firmenevents, Hochzeiten, Junggesell:innenabschieden sowie auf Anfrage ab sechs Personen auch bei Kundinnen und Kunden zu Hause. Zusätzlich sind ein bis zwei feste Workshop-Locations geplant. Weitere Informationen folgen in Kürze auf der Website.

In Zukunft werden die Papeterieprodukte von Très Chig Studio bei mehreren regionalen Händlern stationär angeboten, darunter Wein Peters, die Buchhandlung Hintzen, Kisoli.ink sowie weitere Partner. Wer Interesse hat, die Produkte von Très Chig Studio im eigenen Store zu verkaufen, kann sich jederzeit über die Webseite, Social Media oder andere bekannte Kontaktwege melden.

Aufgrund externer Termine können die Öffnungszeiten in der verbleibenden Zeit variieren. Alle Produkte sowie Informationen zu Workshops und neuen Projekten sind künftig unter www.tres-chic.studio zu finden.

Veröffentlicht am
Kategorisiert als Alles

Deine Meinung zählt:

7 Kommentare

  1. 7

    Mmuuuh, Opa Niederrheinstier mmuuuht, dass der Schrank/die Kommode mit den vielen, vielen Schubladen im Hintergrund aussähe wie das einstige Kleinteile-Magazin hinter der Theke der früheren Firma Osterkamp & Thomas. Osterkamp & Thomas, mmuuuh, deren Geschäft hätte von der Wasserstraße bis in die Gasthausstraße gereicht.

  2. 6

    Einmal mehr zeigt sich das mit dem Studio Tres Chig, ein weiteres stationäres Geschäft in der Innenstadt, das der Inhaber Herr Gebhardt- wie viele andere Inhaber auch- mit viel Leidenschaft und Herzblut betrieben hat, aus nachvollziehbaren Gründen, schließt.. Jede Ecke des Geschäftes war mit viel Hingabe dekoriert. Auch die Artikelauswahl war reichhaltig für die Geschäftsgröße. Die Mieterhöhung, wie zu erfahren war, dürfte ein weiterer Grund für die Aufgabe sein. Warum lassen Vermieter ihre Ladenlokale lieber leer stehen, anstatt diese kostengünstig an Interessenten zu vermieten? Hier kann man nur mutmaßen, das diese Vermieter nicht an einer Belebung der Innenstadt interessiert sind!! Herzlich egal, anscheinend. Sind es die gestiegenen Energiekosten auf die sich die Vermieter berufen? Oder die Eröffnungen beispielsweise weiterer Döner oder Barbiershops, die den Vermietern sauer aufstoßen? Liegt eventuell gar kein Interesse vor in der Klever Innenstadt ein Ladenlokal zu eröffnen?? Dies zu erfahren wäre mal interessant…. Schweigt sich die Stadt dazu aus? Stichwort: Imageschaden….??
    Wenn schon ein Ladengeschäft wie das Studio Tres Chiq mit seinem Alleinstellungsmerkmal gegenüber der Masse wie Döner, Telefon- und Barbiershops nicht bestehen kann, was muss denn in der Innenstadt noch passieren, um diese wieder zu beleben? Letztendlich liegt es auch an unsere Bequemlichkeit. Online Bestellungen sind ja so einfach von der heimischen Couch aus. Aber die Beratung gibt es nun mal nur in Fachgeschäften.

  3. 4

    In den nächsten Jahren gehen die geburtenstarken Jahrgänge 1963-1965 in Rente. Die Babyboomer sind sozusagen die letzte Hoffnung für die City.

    Sie werden die Läden und die Cafés, die jüngere Leute eröffnen, erhalten, weil viele Zeit haben, Leute analog zu treffen, oder Sachen in die Hand nehmen wollen, bevor sie sie kaufen.

  4. 2

    Den Begriff Boomer lass mal lieber weg. Ich kenne genug „Boomer“, denen diese Stadt meterlang zum Hals raus hängt.

  5. 1

    Das war sowas von vorhersehbar. Das ist nunmal Kleve. Im […] Kleve gibt es keine ausreichende Kundschaft für solche Läden. Finde ich eigentlich sehr schade. Wie schön damals die Zeiten waren mit Blumen Laakmann, First Voice, CD Line, Mandala, Pc&Handyshop und Highlander Games. Heutzutage würden sich solche Läden nicht halten können auf Dauer in dieser äusserst langweiligen Boomer-Senioren-Stadt. (ohne Wertung gesagt)