Wer macht den sowas?! Rätselhafte Aufkleber-Aktion am EOC-Schornstein

Hammer und Sichel und Edeka (Fotos: Janusz Grünspek)

Seit mehr als hundert Jahren überragt der Schornstein der ehemaligen Schuhfabrik Hoffmann die Klever Oberstadt, und als Zeichen der Erinnerung an diesen aus Kleve verschwundenen Industriezweig steht die rund fünfzig Meter hohe Esse auch heute noch inmitten des Einkaufszentrums EOC, obwohl längst bar jeder Funktion. Knapp unterhalb der Hälfte des Bauwerks befindet sich in luftiger Höhe ein Wassertank, der früher für die Wasserversorgung im Werk benutzt wurde. Darauf prangen weithin sichtbar die roten Logos der Schuhmarke „elefanten“ sowie das blaue E auf gelbem Grund, das Erkennungszeichen der Supermarktkette Edeka.

Wahrzeichen des Kommerzes

Frei zugänglich ist der in gut zwanzig Meter Höhe angebrachte Wassertank natürlich nicht. Umso erstaunter war der Klever Künstler Janusz Grünspek, als er kürzlich von seinem Studio aus auf den Schornstein blickte – es waren drei neue Logos hinzugekommen, und zwar alles andere als heute noch alltäglich verwendete Erkennungszeichen. Gut sichtbar klebten auf dem Stahltank drei Aufkleber mit dem Symbol der kommunistischen Bewegung – Hammer und Sichel, umrankt von einem Ährenkranz. Das Symbol ist zwar mittlerweile in Deutschland und weiten Teilen Europas aus der Mode gekommen, aber entweder hatten unbekannte Scherzbolde noch Restbestände oder sie haben sich die (durch keinerlei Copyright geschützten) Aufkleber im Internet neu bestellt.

Rote Punkte

Noch interessanter ist allerdings die Frage, wie die Aufkleber an dem Tank befestigt wurden. Die Vorstellung, dass Menschen den Turm hochgeklettert sind und dann in einer halsbrecherischen Aktion die drei Aufkleber angebracht haben, lässt den Beobachter geradezu erschaudern. Wie aber dann? Eine Idee wäre auch, dass eine Drohne eingesetzt wurde, aber mit den Fluggeräten einen Aufkleber erst so befestigen, dass er mit offener Klebeseite zum Tank geflogen werden und nach Kontakt fort abgelöst werden kann, erfordert beträchtliche handwerkliche Raffinesse. Beantwortet werden kann die Frage also noch nicht.

Und so macht das kommerzielle Zentrum der Oberstadt zurzeit – wenn auch unfreiwillig – Werbung für das System, das den Kapitalismus endgültig überwinden will.

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1 Kommentar

  1. 1

    Find‘ ich Klasse!
    Im Auge des Überkapitalismus, allein schon die nervigen Überfälle der Niederländer ohne jede Rücksicht auf Gesetze, geschweige denn Anstand/ Respekt in Verkaufsräumen, Parkplätzen und Straßenverkehr – Eine Aktion, die zum Nachdenken auffordern könnte…!