Partial eclipse of my heart: Meine 25. Sonnenfinsternis – die bisher beste!

88 Prozent

Lob an Luna, das war wirklich eine Meisterleistung unter hohem Druck und bei höchstem Tempo. Mit 3700 km/h zog der Trabant, von Nordwesten kommend, in 365.176 Kilometern Entfernung ans Firmament und brachte dabei das Kunststück fertig, die in konträrer Richtung wandernde Sonne (natürlich dreht sich in Wahrheit die Erde und erweckt so den Eindruck, dass die Sonne sich bewegt), die sich in eindrucksvollen 151,8 Millionen Kilometern Distanz von der Erde befindet, zu verdecken. Erste knabberte der Mond die Sonne, von rechts kommend, ein bisschen an, dann sah die Sonne aus wie Pacman, später dann wie der leicht gedrehte Gesichtsausdruck von Munchs „Der Schrei“ und dann wie die schmale Mondsichel selbst, ehe um 20:12 Uhr die maximale Bedeckung von 88 Prozent erreicht wurde und dann alles rückwärts ablief. Faszinierend!

Anfang

Ausweislich einer Liste bisher in Deutschland zu sehenden Sonnenfinsternisse muss dies meine 25. gewesen sein, aber ich kann nicht nicht erinnern, eine bessere gesehen zu haben. Erinnerlich ist mir noch die vom 11. August 1999 um die Mittagszeit, die ich vor dem Eingang des Springer Verlags um die Mittagszeit zu sehen versuchte, allerdings war der Himmel die meiste Zeit bewölkt, sodass nichts oder nur sehr wenig zu erkennen war. Und kann ich noch das astronomische Ereignis vom 25. Februar 1971 zurückdenken, weil diese in einer Zeit vor der Erfindung der Sonnenfinsternisbrillen geschah und unser Vater uns mit einer russgeschwärzten Glasscheibe versorgte. Ich glaube kaum, dass das ein offizieller Tipp war und weiß ehrlich gesagt auch nicht mehr, ob und wie lange ich durch das Objekt in die Sonne geguckt habe, aber es scheint ja zum Glück nichts passiert zu sein. Betonung auf: zum Glück.

Forschritt

Wer das Naturspektakel gestern am Rhein beobachtete, hatte übrigens das Glück allein auf weiter Flur zu sein – sodass das rund zweistündige Schauspiel sich weitestgehend in absoluter Stille vollzog (ohne Ausrufe der Ekstase wie durch Prof. Harald Lesch – „Aaaaah!“ – „Oooooh!“ im ZDF). Nur durch das beruhigende Tuckern der Dieselmotoren der MS Carisma und anderer Frachtschiffe wies den Himmelsgucker gelegentlich darauf hin, dass wir nicht allein im Kosmos sind, sondern zu 8,31 Milliarden, von denen 83,4 Millionen in Deutschland leben, von denen 53.093 in Kleve leben und von denen gestern zwei bei Salmorth am Rhein bei Stromkilometer 860,5 im Sand saßen.

Noch weniger

Sonnenfinsternisse seit 1965 in Deutschland:

20. Mai 1966: Partielle Finsternis am Vormittag. Die maximale Bedeckung im Westen Deutschlands betrug ca. 42 %.

22. September 1968: Kleinere partielle Sichtbarkeit am Vormittag mit maximal ca. 23 % Bedeckung.

25. Februar 1971: Sichtbar am Vormittag mit einer deutlichen Bedeckung von rund 58 %.

10. Juli 1972: Minimale partielle Finsternis am späten Abend kurz vor Sonnenuntergang mit rund 11 %.

30. Juni 1973: Partielle Finsternis zur Mittagszeit, maximale Bedeckung lag bei ca. 14 %.

11. Mai 1975: Frühmorgendliche partielle Sichtbarkeit kurz nach Sonnenaufgang mit ca. 40 % Bedeckung.

29. April 1976: Bedeutende partielle Finsternis um die Mittagszeit, die Sonne wurde zu etwa 51 % verdeckt.

2. Oktober 1978: Sichtbar am Vormittag, maximale Bedeckung in NRW betrug etwa 22 %.

15. Dezember 1982: Am Vormittag sichtbar, maximale Bedeckung erreichte ca. 31 %.

4. Dezember 1984: Schwache Finsternis am Mittag mit lediglich ca. 12 % Bedeckung.

29. März 1987: Partielle Finsternis am Mittag mit einer maximalen Bedeckung von rund 22 %.

3. Oktober 1985: Sehr geringe Bedeckung von nur etwa 12 % am Vormittag.

10. Mai 1994: Eine ringförmige Finsternis in Amerika, die in NRW abends im Sonnenuntergang als partielle Finsternis mit ca. 45 % zu sehen war.

12. Oktober 1996: Partielle Finsternis am Nachmittag, maximale Bedeckung betrug ca. 52 %.

11. August 1999: Das Jahrhundert-Ereignis. Während Süddeutschland in der Totalität lag, wurde die Sonne in NRW (z.B. im Raum Köln/Bonn) zu 91 % bis 94 % vom Mond verdeckt. Es kam zu einer spürbaren Abkühlung am Mittag.

31. Mai 2003: Markante morgendliche Finsternis direkt nach Sonnenaufgang mit einer starken Bedeckung von ca. 82 %.

3. Oktober 2005: Eine ringförmige Finsternis in Südeuropa, die in NRW am Vormittag eine partielle Bedeckung von rund 52 % erzeugte.

29. März 2006: Partielle Finsternis um die Mittagszeit, maximale Bedeckung lag bei ca. 31 %.

1. August 2008: Sichtbar am Mittag, geringe Bedeckung von maximal 15 %.

4. Januar 2011: Eindrucksvolle Finsternis am Wintermorgen, bei der die bereits teilverdeckte Sonne aufging. Maximale Bedeckung betrug rund 72 %.

20. März 2015: Finsternis am Vormittag bei meist klarem Himmel in NRW. Die maximale Bedeckung erreichte ca. 76 %.

10. Juni 2021: Partielle Finsternis am Mittag mit einer moderaten Bedeckung von ca. 18 %.

25. Oktober 2022: Sichtbar am Mittag, maximale Bedeckung im Westen lag bei rund 24 %.

29. März 2025: Eine partielle Finsternis am späten Vormittag mit ca. 20 % Bedeckung im Raum NRW.

12. August 2026: Große partielle Finsternis am Abend. Die Sonne sank als extrem schmale Sichel dem Horizont entgegen, wobei in NRW eine maximale Bedeckung von 88 % erreicht wurde.

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Kategorisiert als Natur

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