4 Lose – 1,5 Gewinner – 2,5 Nieten (vorerst)

Klever Lichtgestalten (im Gegenlicht v.l.n.r. R. Scheuvens, B. Zevens, F. Ruffing, J. Beisel, G. Ader)

So funktioniert Kommunikation, ohne ein Wort zu sagen: Einladung zur Pressekonferenz der Stadt Kleve, Rathaus. Vor dem Rathaus parkt an bekannter Stelle ein nagelneuer, getunter Mercedes mit Schweizer Kennzeichen. Bedeutung: Los 4, Hotel, Zevens darf bauen. Im Ratssaal sitzt Bernd Zevens dann im Gegenlicht, links und rechts von ihm: Rachel Scheuvens, Frank Ruffing, Joachim Beisel, allesamt Volksbank Kleverland. Bedeutung: Los 3b, Bankgebäude, Ruffing bekommt seinen Glaspalast. Warum wurde danach eigentlich noch eine Stunde geredet?

Die Antwort: Um eine möglichst opulente Verpackung um ein recht überschaubares Ergebnis zu legen, also etwas das Gegenteil dessen, was Theo Brauer als sein Credo verkündete: »Transparenz ist mein Petitum.« So war das Verfahren also »schwierig«, »sehr schwierig«, »komplex«, »hochkomplex«, »zäh« (Brauer, Haas, Rauer) und zeitigte ein Ergebnis, das je nach Gusto der Herren als »hervorragendes Ergebnis für Kleve«, »Erfolgsmodell«, »Weiterentwicklung, Fortschritt, Innovation«, »schöner Augenblick für uns alle« zu werten ist. Wie toll es ist, bezeugen auch locker in die Runde gestreute Wörter oder Halbsätze wie »Betonkernaktivierung«, »nicht nur Geld hat eine Rolle gespielt«, »Massivität des Gebäudes zur Freifläche hin gebrochen«, »Visionsphase«, »kein KIK«, »Vegetationsrückschnitt«.

Im Kern hat also das »europäische«, »rechtlich komplexe« und »zähe« Verfahren nach knapp zwei Jahren dazu geführt, dass ein Bieter zum Zuge kommt, dessen Unternehmenszentrale 1500 Meter vom Rathaus entfernt ist, und ein weiterer, dessen bisheriges Chefbüro 600 Meter Distanz zur Zentrale hat. Bei allen anderen Losen (1, 2, 3a) muss nachverhandelt werden, in zwei Monaten soll Näheres dazu bekannt gegeben werden.

Das ist im Falle der – von der Stadt selbst zu verantwortenden - Rathaussanierung ein Verhalten wie das eines ertappten Schwarzfahrers, der noch eine Viertelstunde lang alle möglichen Taschen durchsucht, in der Hoffnung, dass von irgendwo her noch eine Rettung kommt, die ihn vor dem Unvermeidlichen bewahrt. So möchte die Verwaltung das Eingeständnis umgehen, dass der zentrale Teil des Verfahrens in einem Fiasko endete, weil das Angebot doppelt oder dreimal so teuer ist wie in der Bürgerbefragung vorgestellt (»doppelt oder dreimal« ist eine Hyperbel, für die Leser im Rathaus).

Ein paar Fakten zu den beiden Projekten: Die Volksbank will 15 Millionen Euro verbauen (»Wir sind eine Bank, die dynamisch wächst und für dieses Wachstum auch neue räumliche Möglichkeiten braucht«, F. Ruffing), Baubeginn Anfang 2012, Fertigstellung Ende 2013. Zevens investiert ebenfalls 15 Millionen in sein Hotel, Baubeginn Frühjahr 2011, Fertigstellung Herbst 2012, 115 Zimmer, 10 bis 12 Mietwohnungen, 4 Sterne, aber, so Zevens: »Was sagen schon Sterne - es muss top sein!« Und aus dem Hotel Cleve wird ein Seniorenheim.

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65 Kommentare

  1. 63

    @pdgeld

    Der Willi Verhuven hatte sich das Los4 ausgeguckt um dort zu bauen. Das wurde ihm dezent „ausgeredet“.

    Ebenso verfuhr man mit den Investoren des Projektes „Kellener Tor“.

    The winner takes it all.

    Was die Rathausnummer betrifft, so werfe ich den Gedanken ein, wenn die K

     
  2. 50

    @ Wolkenkuckucksheim

    Die Tatsache, dass hier seit Monaten nur mit einem Bieter „verhandelt“ wurde und dann trotzdem weit

     
  3. 48

    @MalWasSag

    Im ersten Bild ist das „S“ vom Rasthaus weg retouchiert worden.
    Die Knabentoilette der Lutherschule ist der Beweis!

     
  4. 47

    @mozart
    Du sprichst mir aus der Seele.

    @clavinius
    Ich sehe auf den Bildern keinen Unterschied.
    Was meinst du denn was anders ist?

     
  5. 45

    Mein vorheriger Beitrag bezieht sich im Besonderen auf die Knabentoilette der Lutherschule!

     
  6. 39

    Im Prinzip geht es ja garnicht um die Projekte, sondern um die laienhafte Bearbeitung und Ausf

     
  7. 35

    @Messerjocke

    Einstimming? In der Tat! Dagegen!

    Alternativen? Seit Monaten keine!

    Die Investorenscharen haben sich in Luft aufgel

     
  8. 29

    Wie geht’s denn mit dem zugigen Schimmel-Rathaus weiter? Gibt es noch Alternativen? Was sagt man sich denn, wie die Abstimmung gelaufen ist? Einstimmig?

     
  9. 23

    Es sei denn, wir machen auf „Kleve 21“. Aber Heiner G. hat das Ruder ja auch nicht rumreissen k

     
  10. 22

    @ Meiner Einer
    Stimmt, die Stadt New York ist auch endlich zur Besinnung gekommen – das Filetst

     
  11. 20

    * Meiner Einer:
    du willst doch nicht wirklich Kleve mit Arnheim, Bocholt oder gar Krefeld auf eine Stufe stellen… da scheints mir doch eher das in Kleve der Gr

     
  12. 19

    Ich bin kein Freund von diesen Monumentalbauten. Und erst recht nicht davon, dass diese an dieser zentralen Stelle in der Stadt errichtet werden sollen. Die Bauten f

     
  13. 17

    Manchmal kann ich es nicht verstehen.

    Da bauen zwei lokal verwurzelte Unternehmen an einer f

     
  14. 8

    Irgendwie ist das ein Schlag ins Gesicht der Mitarbeiter der Volksbank. Vor einigen Jahren, als es der Bank schlecht ging und eine neue F

     
  15. 4

    Toll, super futuristisch. Aber sorry, das Ganze wirkt auf mich irgendwie genauso seelenlos wie die Betonw

     
  16. 3

    Nachtrag:

    Hehe. was lese ich da als Bildunterschrift in der Palast-Presse-Reportage

    „Die Klever Journalisten folgten gespannt den Äu