Wichtige Info für die Geschäftsführung der Fa. Ipsen

rd | 11. Februar 2009, 19:23 | 14 Kommentare
Heißes Eisen

Heißes Eisen

(1) Der Arbeitgeber hat den Betriebsrat über die Personalplanung, insbesondere über den gegenwärtigen und künftigen Personalbedarf sowie über die sich daraus ergebenden personellen Maßnahmen und Maßnahmen der Berufsbildung anhand von Unterlagen rechtzeitig und umfassend zu unterrichten. Er hat mit dem Betriebsrat über Art und Umfang der erforderlichen Maßnahmen und über die Vermeidung von Härten zu beraten.
(2) Der Betriebsrat kann dem Arbeitgeber Vorschläge für die Einführung einer Personalplanung und ihre Durchführung machen. (§ 92, Betriebsverfassungsgesetz)

Ipsen-Homepage: Komisches Deutsch – aber klare Botschaft (auch beim Rauswurf)

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(1) Der Betriebsrat kann dem Arbeitgeber Vorschläge zur Sicherung und Förderung der Beschäftigung machen. Diese können insbesondere eine flexible Gestaltung der Arbeitszeit, die Förderung von Teilzeitarbeit und Altersteilzeit, neue Formen der Arbeitsorganisation, Änderungen der Arbeitsverfahren und Arbeitsabläufe, die Qualifizierung der Arbeitnehmer, Alternativen zur Ausgliederung von Arbeit oder ihrer Vergabe an andere Unternehmen sowie zum Produktions- und Investitionsprogramm zum Gegenstand haben.
(2) Der Arbeitgeber hat die Vorschläge mit dem Betriebsrat zu beraten. Hält der Arbeitgeber die Vorschläge des Betriebsrats für ungeeignet, hat er dies zu begründen; in Betrieben mit mehr als 100 Arbeitnehmern erfolgt die Begründung schriftlich. Zu den Beratungen kann der Arbeitgeber oder der Betriebsrat einen Vertreter der Bundesagentur für Arbeit hinzuziehen. (§ 92a, Betriebsverfassungsgesetz)

(1) In allen Unternehmen mit in der Regel mehr als einhundert ständig beschäftigten Arbeitnehmern ist ein Wirtschaftsausschuss zu bilden. Der Wirtschaftsausschuss hat die Aufgabe, wirtschaftliche Angelegenheiten mit dem Unternehmer zu beraten und den Betriebsrat zu unterrichten.
(2) Der Unternehmer hat den Wirtschaftsausschuss rechtzeitig und umfassend über die wirtschaftlichen Angelegenheiten des Unternehmens unter Vorlage der erforderlichen Unterlagen zu unterrichten, soweit dadurch nicht die Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse des Unternehmens gefährdet werden, sowie die sich daraus ergebenden Auswirkungen auf die Personalplanung darzustellen. (§ 106, Betriebsverfassungsgesetz)

Was dagegen nicht im Betriebsverfassungsgesetz steht, ist der dummdreiste Verweis auf Presseberichte, wie ihn Unternehmenssprecherin Uta Kirschnick in der NRZ machte: “Dass es zu Kündigungen kommt, hätte der Betriebsrat bereits vor Wochen wissen können. Weil es so in einem NRZ-Bericht stand”, wird Frau Kirschnick dort zitiert.

Für alle, die nicht im Stoff stehen: Der an der Flutstraße in Kleve ansässige Spezialofenbauer und Weltmarktführer will sich im Zuge der Wirtschaftskrise von 24 seiner 300 Mitarbeiter trennen (ab 25 wäre ein Sozialplan nötig gewesen). So weit zurzeit leider traurige Normalität. Einzigartig hingegen die Art, wie dieses Vorhaben, das unter anderem Mitarbeiter mit 30 Jahren Betriebszugehörigkeit betraf, ratzfatz umgesetzt wurde. Wir zitieren dazu nochmals aus dem NRZ-Bericht Frau Kirschnick: “Am Donnerstag haben wir dem Betriebsrat die Namen der Betroffenen mitgeteilt, am Freitag wurden sie freigesetzt.” Und tschüss!

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14 Kommentare - Sortierung: Neuester oben / Ältester oben
  1. 14. Mitarbeiter

    Ipsen hat ALLE Leiharbeiter freigestellt um die eigenen Mitarbeiter behalten zu können.
    Wie sich jetzt herausgestellt hat wurden die Leiharbeiter teilweise nur in/auf andere Fertigungsstandorte (andere Straßenseite!) versetzt, damit sie keiner mehr zu sehen bekommt- soviel zu diesem Thema.

    Jetzt kommt der Hammer, nun will Fa. Ipsen die Arbeitszeit (und natürlich auch die Gehälter) diverser Abteilungen verkürzen, die nicht voll ausgelastet sind- wohlgemerkt KEINE Kurzarbeit denn die ist dem Unternehmen zu teuer!

    Der in der Zeitung erwähnte Auftrag für Russland war im übrigen bereits Ende 2008 in den Büchern, keiner versteht warum sich Fa. Ipsen damit zurzeit in der Zeitung brüstet!?

    Dürfen Arbeitgeber mittlerweile eigentlich alles?

     
  2. 13. frau H

    Von dem Mitarbeiter, der seit fast 37 Jahren für das Unternehmen tätig ist, habe ich jetzt auch gehört und kann das auch nicht gutheißen. Bisher hatte ich die Information, daß ausschließlich Zeitarbeiter “freigestellt” wurden, was in Krisenzeiten eine verständliche Handlung wäre. “Altgediente” so zu behandeln, finde ich einfach nur unfair. Schade, daß, das so passiert. Trotzdem würde ein BM oder WF hier wohl nichts ändern können. KlePeter ‘s Meinung über BM WF usw. kann und will ich nicht ändern. Da hat halt jeder seine eigene Meinung. Darum gibt es ja nuneinmal verschiedene Parteien.

     
  3. 12. DerLaie

    @ Frau H.
    es geht im wesentlichen darum wie mit den Mitarbeitern die die Kündigung erhalten haben umgegangen wurde.
    Ein Mitarbeiter der 30 Jahre loyal zum Betrieb gestanden hat,hat etwas anderes verdient.
    Wie würde wohl die Geschäftsführung reagieren wenn beim nächsten Brand die
    Feuerwehrleute sagen würden laß mal brennen, sind nur Mauern und tote Maschinen, ich brauche meinen Schönheitsschlaf.

     
  4. 11. KlePeter

    @Frau H:

    1. Geht es um Wirtschaftsförderung, daher ist der BM und der Rat schon gefordert.
    2. Sind eklatante Verstöße gegen das Betriebsverfassungsgesetz zu verzeichnen, die man gegenüber der Presse durchaus mal verurteilen darf.
    3. “Kotzt” mich die Einstellung an, dass Arbeitsplätze nur erhalten werden können, indem Mitarbeiter “rausgeschmissen” werden.
    4. Wüßte der BM vielleicht, was zu tuen ist, wenn die Klever Wirtschaftsförderung ein Ohr bei den Betrieben hätte.
    5. Wenn sich Bürgernähe mit Vereinsmeierei gleichsetzen lässt, habe ich etwas falsch verstanden.
    6. Wer hat es mehr als 50 Jahre nicht geschafft, die Umgehungsstraße zu realisieren? Wer hängt immer noch an einer Schnellstraße mitten durch die Düffelt?
    7. Wir freuen uns alle über den FH-Standort. IMHO hat der Erfolg aber immer sehr viele Mütter und Väter.
    8. Der Mittelstand fühlt sich in den angrenzenden Kommunen doch sehr wohl.
    9. Handeln heißt, Entscheidungen zu treffen. Warum werd dann 6 Planer mit der Erstellung eines Planungskonzeptes beauftragt, wenn maximal Eines realisiert werden kann.
    10. ….

     
  5. 10. frau H

    Das ist natürlich auch eine schwierige Situation. Es kann ja nun durchaus möglich sein, daß eine kurzfristige Reduzierung von 24 Arbeitsplätzen die einzige Möglichkeit ist, schlimmeren entgegen zu wirken. Leider müssen dies in der heutigen Zeit sehr viele Firmen praktizieren, egal in welchen Branche. Dieses Verhalten gierig, o.ä. zu nennen, finde ich nicht richtig. Ein Unternemen, welches nicht Gewinnorientiert arbeitet und handelt, gefährdet die Existens des Unternemens und damit alle Arbeitsplätze. Warum sich hier der Bürgermeister einschalten soll, verstehe ich nicht? Was und wie soll Er ändern? Und wer weis denn ganz konkret, daß Er noch keinen Kontakt hatte. Bei solchen Gesprächen muss ja nicht immer die Presse anwesend sein, oder? Was Er schon für uns macht? Ich finde eine ganze Menge! Was ist denn an einem bürgernahen Bürgermeister, der auch noch meistens freundlich Lacht schlecht? Wer hat denn die, so wichige Umgehungsstrasse durchgesetzt? Wer hat den für den FH Standort mitgekämpft? Wer setzt sich denn für den Mittelstand ein ( der mit Abstand die meisten Ausbildungsplätze stellt!!! ) Usw. Ich bin der Meinung, daß wir seit langem einen handelnden Bürgermeister haben und keinen verwaltenden. Diese Sorte Bürgermeister haben die meisten Städte. Aber in diesem Amt ist es nätürlich schwierig, um nicht zu sagen unmöglich, es allen recht zu machen. Im Leben bei uns allen bestimmt nicht anders. Einer der wenigen guten Zitate des Herrn Schröder war: “Wer versucht every bodys darling zu sein, ist irgendwann every bodys Arschloch”

     
  6. 9. Peter

    UNSER Theo? Man kann besser sagen der Theo!
    Was macht er denn tolles für UNS ausser grinsen!?
    Er sollte sich lieber an eine Model Agentur wenden und da für Zahnpasta werben!
    Wo setzt er sich denn ein? Eine Bekannte hat ihn mal angeschrieben und ihn um Hilfe gebeten, als Antwort kam: Ich melde mich unaufgefordert,danke für ihren Brief!
    Dies ist schon fast ein halbes Jahr her!
    also auf Herrn Blendi kann man wohl nicht zählen!

     
  7. 8. KlePeter

    Wo bleibt unser Macher Theo? Vor einem halben Jahr spürte er noch Ohnmacht bei solchen Meldungen: http://www.politikblog-kleve.de/2008/09/27/fuji-so-kann-man-keine-firma-begleiten/
    Jetzt taucht er unter und macht keinen Mucks zur Moral der Firmenleitung.

    Naja in Wahlkampfzeiten will man(n) doch nicht gerne mit schlechten Nachrichten in Verbindung gebracht werden. Deshalb räuspern sich wohl auch die Herausforderer nicht. Und von den politischen Parteien im Rat ist sowieso keine Unterstützung für die Betroffenen zu erwarten…

     
  8. 7. DerLaie

    kamen da nicht auch schon mal Öfen aus Polen an,die dann zurück gingen bzw. in Kleve nachbearbeitet werden mußten,
    wegen dem guten Preis/Leistungsverhältnis wurde das dann später wieder eingestellt.
    Aber da steht die neue Geschäftsführung wohl auf dem Standpunkt, nur Erfahrungen die man selber sammelt,sind gute Erfahrungen.
    Da kann man den betroffenen Mitarbeitern nur Wünschen, dass alle schnell einen neuen korrekten Arbeitgeber finden werden, der Können und Leistung noch honoriert und Mitarbeiter nicht nur als Kostenfaktor ansieht.
    Denn eins ist auch klar ,Computer bauen alleine auch noch keine Öfen!

     
  9. 6. killerplautze

    @schwarzes schaf

    In manchen Unternehmen hat sich eine gewisse Kultur eingenistet, die man in etwa so beschreiben kann:

    “Wir sind sowas von geil, jede Fachkraft nimmt einen Hungerlohn in
    Kauf, um bei uns arbeiten zu dürfen. Unsere Produkte sind so toll,
    dass sie jeder – selbst zu überhöhten Preisen – kaufen will. Unsere
    hochkompetente, freundliche Hotline erledigt rasch und zuverlässig
    alle ohnehin kaum auftretenden Probleme. Unsere jährliche
    Renditesteigerung wird nur von den Gehaltssteigerungen unserer
    Topmanager übertroffen”

     
  10. 5. Peter

    Das ist doch alles eine Riesensauerei!
    Man sollte Nachts das Schild am Parkplatz von Ipsen wegsprengen!!!

    Ipsen Sucht! bla bla
    wie lächerlich!

    oder haben sie es schon entfernt?!

    vielleicht steht es ja schon bei dem Geschäftführer angestrahlt im Garten und er lacht sich ins Fäustchen . . . . .

     
  11. 4. Ofen

    Was die Geschäftsführung von Ipsen gemacht hat, ist würdelos und menschenverachtend. Das schwarze Schaf hat recht, in den meisten großen Firmen umgeben sich die leitenden Herren gerne mit Speichelleckern und Kopfnickern. Dies ist auch in Banken und Sparkassen eine übliche Praxis. Nur ist es für solche Unternehmen sehr gefährlich, wenn die Belegschaft innerlich gekündigt hat und kritiklos alles abnickt.

     
  12. 3. Schwarzes Schaf

    @Inkognito,
    man beachte auf der Homepage die Rubrik “Jobs und Karriere”

    Dort sucht man Mitarbeiter für verschiedene Einsatzbereiche.
    Sucht man diese als Ersatz für die Kollegen die man im Vorfeld freigesetzt hat?
    Oder sucht man dort Mitarbeiter die der Geschäftleitung angenehmer und noch “formbar” sind! Sozusagen Stiefel leckend, treu und hündisch ergeben!

    Wenn dem nicht so ist, wäre es nicht schlecht, die Seite zu aktualisieren.

     
  13. 2. Inkognito

    Man beachte doch die HOMPAGE der Firma unter der Rubrik “Aktuell”…..

    -Neuer Geschäftsführer dabei…..jetzt sind´s drei !!
    -Neuer Vertriebs- und Produktionsstandort in Japan
    -Komplettübernahme des Joint Venture Partners in Indien………

    Was fällt selbst einem Nichtwirtschaftsfachmann da auf…….!!!!???!!!

    Da müssen “teuere” Mitarbeiter am Deutschen Standort eben gehen…….

    Mein Name bleibt aufgrund “gewisser Ängste” inkognito !

     
  14. 1. flachlandbiker

    Eine Geschäftsleitung hat verantwortlich im Sinne der gesamtunternehmerischen Entwicklung zu handeln – das führt in Krisenzeiten naturgemäß zu notwendigen Personalanpassungsmaßnahmen.

    Bleibt das „Wie sag ich es meinem Kinde?“ –

    Gibt es eine Unternehmenskultur, die den Produktionsfaktor Arbeit in Person der Mitarbeiter „wertschätzt“, wird man einen Weg wählen, der die Interessen beider Parteien wiederspiegelt –

    „Wir können nicht anders, weil…
    Danke für den Einsatz, Ihre Identifikation mit unserem Unternehmen…
    Wir sind guter Hoffnung, dass wir bereits in geraumer Zeit Einigen von Ihnen wieder einen… “

    Kostet nichts, berücksichtigt die besondere Empfindsamkeit der Betroffenen, gibt vielleicht wieder neue Hoffnung, spendet zumindest Trost – sozialromantisch? – wohl kaum, denn bekanntlich sieht man sich im Leben immer zweimal und irgendwann will jedes Unternehmen auch wieder wachsen.

    Leider ist der Begriff „Trennungskultur“ in vielen deutschen Unternehmen noch nicht wirklich angekommen. Wie immer sind die Angelsachsen da deutlich weiter. Die Länder, in denen das „hire and fire“ geprägt wurde, haben schon längst begriffen, dass die Kündigung ein Teil der Corporate Identity ist. Wer unsensibel rausschmeißt, ruiniert den unternehmerischen Ruf und zahlt damit in der betriebswirtschaftlichen Gesamtbetrachtung drauf.

    In Deutschland, wo lange Firmenzugehörigkeit ein die Gesellschaft stabilisierendes Moment ist, sollten die unternehmerisch unvermeidlichen Schritte den betroffenen Menschen so vermittelt werden, wie die Väter des Grundgesetztes es im Sinn hatten – mit Würde.