Tagebuch eines Geräderten (1)

rd | 05. Mai 2011, 13:53 | 9 Kommentare

Bild mit Symbolcharakter

Die erste Testfahrt mit dem Rad endet nach 278 Metern mit einer dreiminütigen Unterbrechung. Ich stehe auf der Linksabbiegerspur der Arntzstraße und gelange nicht auf den gegenüberliegenden Radweg. Kein Autofahrer zeigt Erbarmen, sie scheinen es alle sehr eilig zu haben. Dann das Wunder: eine Lücke!

Ich nehme all meinen Mut zusammen und gelange auf die Gruftstraße. Nach fünf Sekunden die nächste Unterbrechung: Rot an der Kreuzung Römerstr./Ringstr. Als die Ampel endlich umspringt, gemahnt ein zersplittertes Rücklicht auf dem Kreuzungsasphalt daran, dass nicht immer alles glatt läuft – und die Freunde über einen Radweg endet bereits nach 20 Metern. Der Grund: Ein Geländewagen parkt den dort auslaufenden Radweg zu, sodass ich abrupt in den Autoverkehr einfädeln muss.

Allerdings machen die Autofahrer einen großen Bogen um mich, den fehlenden Radweg empfinde ich die nächsten paar hundert Meter nicht als bedrohlich. An der Linde geht es zurück auf den Radweg, nach zwei Kreuzungen habe ich dann eingangs der Hoffmannallee die Wahl, da der Radweg sich in eine Ausfahrt auf die Straße oder eine schwer identifizierbare Mischform aus Bürgersteig und Radweg gabelt. Ich entscheide mich für Variante 2, die gefühlte achtzig Zentimeter schmal ist, was aber kein Problem ist, da außer mir nur zwei weitere Radler unterwegs sind. Die haben beide Knöpfe im Ohr, sodass sie mich nicht hören und ich zum Überholen auf den Fußgängerweg wechseln muss.

An der Einmündung Gutenbergstraße zieht ein Kleinbus bis zur Kreuzung vor und versperrt mir den Weg, doch als er mich sieht, setzt er netterweise zurück. Ohnehin lernt man an jeder Einmündung wie ein Schachspieler drei Züge im Voraus zu denken – die nach hinten verlegten Radwege überfordern die Autofahrer ganz erheblich.

An der Materborner Allee haben dann Radweg und Fußgängerweg zusammen soviel Platz wie der Parkstreifen, das heißt, wenn zwei Fußgänger nebeneinander laufen, wird’s zu eng. Etwas kleinkariert geplant. Der Radweg Grunewaldstraße ist in einem miserablen Zustand, das letzte Stück wiederum (Wolfsgraben) hat keinen Radweg, aber dort kann man sich mangels Verkehr auch als Radfahrer unbeschwert austoben – zum ersten Mal nach gut vier Kilometern.

Hier die Fakten im Überblick:

Strecke Arntzstr., Ringstr., Hoffmannallee, Materborner Allee, Grunewaldstr., Wolfsgraben
Länge 5,1 km
Zeit (Auto/Rad) 9 min (lt. Google)/21 min (ich)
Zeitvorteil Auto 12 min
Durchschnittsgeschwindigkeit 14,6 km/h
Gespart 0,98 € (Benzinkosten lt. Google)
Fazit Oje. 4 minus.

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9 Kommentare - Sortierung: Neuester oben / Ältester oben
  1. 9. Messerjocke

    Killerplautze, die Sperre ist aber zu schmal und damit auch gefährlich. 50cm mehr hätten gereicht. Die Spur rechts durch die Botanik sagt alles aus (nutze ich auch immer).

    Es ist noch zu verstehen, dass man keine 100km/h schnelle Fahrräder von oben herab sausend toleriert. Die Strecke aber regelrecht abzusperren ist ein unnötiges Hindernis.

    Genauso der Blödsinn -ich bin mir gar nicht ganz sicher, wie es sich aktuell verhält, weil ich es einfach ignoriere (ist glaube ich die Stelle, die Ralf in dem neuen Artikel beschrieben hat)- mit den Absperrungen rund um die Burg. Wer ist denn so bescheuert und steigt bei einer Linksumrundung der Burg ab, um dann gefühlte 10km zu laufen? An dieser Stelle unterhalb der Burg kocht bei mir jedes mal der Zorn hoch.

     
  2. 8. Killerplautze

    Messerjocke, die Sperre im Berg dient der Entschleunigung, welche vom niemand Geringerem als dem Sightseeing-Touristen Ronald Pofalla vor einiger Zeit verkündet wurde. Also sehe dass mal nicht so eng. Ansonsten bestünde die Gefahr, dass Du mit Karacho bei Dr. Barbara Hendricks ungebeten im Wohnzimmer landest. Wlllst Du das wirklich?

    Lass die Brüder demnächst das völlig marode Hallenbad in den Sternbusch verlegen. Was glaubst Du, was dann los sein wird. Verkehrsvermeidung geht anders, aber – herrje – wenn man ständig vor der Tür auf den geparkten Dienstwagen zugreifen kann oder als RP-Presse-Pudel der CDU zum Privatissimum in RoPo’s Berliner Allerheiligstes eingeladen wird…

    Übrigens müssen Theo und Jürgen eigentlich die Ohren klingeln, denn Ronald fiel in vermaledeiten Goch noch das hier ein:

    „Die Kombination aus Stadtzentrum und Wassernähe, ergänzt durch Gastronomie, ist ideal. Das gibt’s so nirgends im Kreis Kleve.“

     
  3. 7. Messerjocke

    Ich kann mich nur wiederholen und muss alle Kritikpunkte bis hier her bestätigen. Die Hoffmannallee ist ein Zumutung, lebensgefährlich, und ich fahre ausschließlich nur auf der Straße mit den Autos zusammen. Dies sollte jeder im eigenen Interesse tun.

    Wer das geplant und dann blind umgesetzt hat ist entweder bösartig oder ahnungslos.

    Es ist doch auch keiner so bekloppt und fährt wie Ralf streng nach Vorschrift. Das wäre völlig ineffizient. Und vor allem die praktikablen Strecken bergen noch ganz andere Gefahren und Hindernisse. Fahr mal mit ‘ner größeren Tasche hinten drauf vom Kreis runter zum Königsgarten…

    Ach so, ganz interessante Zeichen sind übrigens Spuren, die die Radfahrer jenseits der Wege hinterlassen, wie z.B. Schneisen durch die Botanik. Daran kann man schon erkennen, dass an diesen Stellen fehlerhaft geplant wurde.

     
  4. 6. Friedrich Foerster

    Die Planenden könnten auch mal durch den Reichswald über die Grenze Richtung Gennep fahren und dort in Augenschein nehmen, wie Straßen innerorts radfahr-freundlich gestaltet werden können: Die Radfahrspuren sind, farblich markiert, unmittelbar neben den Fahrspuren für den motorisierten Verkehr, dann kommen gegebenenfalls Parkbuchten oder -streifen und dann Bürgersteige.
    So ist wohl tatsächlich die Gefahr am geringsten, dass Radfahrende übersehen werden können.
    Leider hat man oft den Eindruck – und keineswegs nur in Kleve -, dass Straßen vor allem von Autofahrern für Autofahrer (habe mich hier bewusst nicht geschlechts-neutral ausgedrückt, sondern nur die männlichen Formen genommen) geplant werden.

     
  5. 5. Gallus

    Man sollte unseren Theo zur Auflage machen – nicht vom Fahrer abholen lassen – sondern selber mit dem Fahrrad von der Cranachstr. zum Rathaus und umgekehrt fahren. Dann würde er vielleicht feststellen wie saumiserabel in der Verwaltung geplant und gebaut wird. Aber: kann er überhaupt Fahrrad fahren?

     
  6. 4. stopsi1900

    Rätsel:

    Wie komme ich in der radfreundlichen Stadt Kleve auf einem gesicherten Radweg von der Hoffmann-Allee zum Radhaus?

    Und jetzt schreibe bitte keiner, dass ich erst in Richtung Krankenhaus, dann in Richtung Bedburg-Hau fahren müsste, um dann über den Klever Ring unter Benutzung der Kalkarer Strasse die Unterstadt erreichen zu können.
    Es geht aber auch in Richtung Haus Ida, dann Alte Bahn und durch die verkehrsberuhigte Zone in Nütterden und von dort aus über Donsbrüggen in Richtung Kavariner Strasse.

     
  7. 3. Killerplautze

    Ich finde, das Teilstück Hoffmannallee bis zur Kreuzung Querallee ist für Fietser lebensgefährlich.
    Normalerweise hätte man die Parkstreifen zumindest auf einer Seite wegnehmen müssen um mehr Platz für die Radler zu bekommen, aber, wenn Rauer und seine Bande planen kommt ohnehin nichts Gescheites bei heraus.

     
  8. 2. kleverbub

    Als ich ”
    Tagebuch eines Geräderten” gelesen habe, musste ich an den Whisky-Saloon denken 😉

     
  9. 1. stopsi1900

    Oben am Matterhorn wohnend fahre ich tagtäglich mit dem Rad zur Arbeit über Hamstrasse,Auf dem Kamp, Gemeindeweg oder Schlehhecke, Dorfstrasse, Querallee in Richtung Weisses Tor und das oft 4 x täglich. Leider erlebe ich fast jeden Tag, dass Autofahrer offensichtlich überhaupt nicht damit rechnen, dass es auch Radfahrer gibt, für die z.B. auch rechts vor links zählt. Ich habe ständig beide Hände an beiden Bremsen, um jederzeit eine Notbremsung durchführen zu können.

    Wer aber mal einen wirklich schlechten Radweg sucht, sollte mal über Wissel, Grieth in Richtung Rheinbrücke Emmerich fahren. Da wird man richtig “schön” durchgeschüttelt.