Sternstunden der Heimatdichtung

rd | 09. Februar 2019, 18:49 | 2 Kommentare

Zwei Fahrradfahrer kommen
aus einem diffusen Licht
heraus
scheinbar langsam
auf den Betrachter zu.

Sie wirken
wie in einer Traumsequenz,
die Umgebung ist
verschwommen,
rechts werden sie
von einem Pkw √ľberholt,
ein anderer Pkw kommt
aus dem Hintergrund.

Die Stadt
könnte Kleve sein,
es könnte aber auch
eine Großstadt sein.

Eigentlich ist das Bild
ein Sinnbild,
eine kurze Wahrnehmung,
die sich einbrennt.

Die Arbeit ist streifig,
wie rau,
obwohl sie unter Glas liegt.

(Matthias Grass, 2019)

Das meint der Kritiker: In nur f√ľnf Strophen entwickelt der Dichter ein dystopisches Bild des motorisierten und nicht motorisierten Stra√üenverkehrs in einer Stadt, die so merkw√ľrdig diffus bleibt wie alles andere auch. Es k√∂nnte Kleve sein, es k√∂nnte aber auch eine Gro√üstadt sein. Nichts ist, wie es scheint. Von irgendwoher kommen Autos. Es sind gleich zwei, und sie werden b√ľrokratisch-technisch als ‚ÄěPkw‚Äú bezeichnet. Der Tod, ein Ingenieur aus Deutschland. Beklemmend. Und diese Beklemmung brennt sich ein. Das schmerzt. Fast unwillk√ľrlich entsteht in der Nase des Lesers eine Ahnung des Geruchs von verbranntem Fleisch. Dann, in der letzten Strophe ein √ľberraschender Wechsel der Perspektive, eine Distanzierung von der Wirklichkeit, die sich dem Betrachter ‚Äěstreifig, wie rau‚Äú dargeboten hat. Alles liegt unter Glas. Wie Schneewittchen. Gespenstisch. F√ľnf Sterne.

Quelle: Moderne Malerei am Niederrhein(Rheinische Post, 9.2.2019)



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  1. 2. Gottfried B.

    Grasslich!

     
  2. 1. ???

    Seit wann kann man Kleve in die Richtung einer Gro√üstadt stellen. Kleve ist ein “Hochschuldorf”. Auch mit dem politischem M√∂chtegerngetue und allen anderen √ľberdimensionalen Ansichten mancher, sich selbst √ľbersch√§tzenden Menschen.

    Aber ich finde die Aktionen von Frau Rexing sehr gut, nur hätte man einen Kunstverständigen zu Wort kommen lassen sollen.