Serie (17): Was macht eigentlich… ein Lokaljournalist?

rd | 21. September 2009, 16:54 | 6 Kommentare

In dieser Serie stellen wir euch, liebe Kindergartenkinder, die tollsten Traumberufe vor. Manche sind so schön, dass man vor Glück schier platzen möchte. Zum Beispiel der Beruf des Lokaljournalisten:

Wer nichts wird, wird Wirt, heißt es: Auf der anderen Seite des Tresens sitzt, mit leichter Schlagseite, der Lokaljournalist. Auch er arbeitet. Doch das Schöne ist: Die 27 Pils, die am Ende auf seinem Deckel stehen, zahlt der Verlag. “Spesen”, sagt Günter (48). “Alles Spesen.” Spesen ist die Mehrzahl von Spaß. Es ist der Traum vom Schlaraffenland, der sich im Beruf des Lokaljournalisten verwirklicht. Denn Spaß und Arbeit, sie werden eins. “Das nennt sich dann Recherche”, sagt Günter. Recherche kommt aus dem Französischen und heißt Suche.

Meistens sucht der Journalist Schulterklopfen: “Da haste ja wieder eine tolle Geschichte geschrieben!”, sagen dann die Leute links und rechts neben ihm, obwohl sie zuletzt vor 20 Jahren in eine Zeitung geguckt haben, aber auf eine weitere Verlagsrunde hoffen. Manchmal aber sucht der Lokaljournalist auch den Stoff für zukünftiges Schulterklopfen: eine Geschichte! Doch das geschieht eher selten, denn eine Geschichte stellt sich meistens kompliziert dar, sobald die Dunstschleier des Alkohols sich gelichtet haben. Da heißt es dann: Finger weg!

Trotzdem hat jeder Journalist eine große Sehnsucht, und die heißt Knüller. “Exklusivgeschichte” nennen die Menschen aus dem Pressegewerbe das. In ihren Tagträumen rufen Journalisten wie Günter dann schon mal: “Stoppt die Rotation!” Das ist sehr schön, da wird einem richtig warm. Und man träumt von einer “heißen Story”.

Doch dafür müsste Günter weg von seinem geliebten Schreibtisch mit den vielen schönen Kugelschreibern und dem dunkelgrünen Kaffeebecher mit dem Logo von Diebels Alt. Das will er natürlich nicht, denn wenn er zurückkäme, könnte es sein, dass ein anderer Lokaljournalist seinen Platz eingenommen hat. Davor hat er Angst, aber nur ein kleines bisschen.

Zum Glück gibt es das Telefon. Mit dem Telefon kann Günter vom Schreibtisch aus mit Menschen sprechen, die weit weg sind, während er gleichzeitig seine Krawatte an der Schreibtischplatte festtackert, um nicht im Falle eines kurzen Nickerchens weggeschoben werden zu können. Wenn man echt telefoniert und nicht nur so tut, heißen die Leute am anderen Ende der Leitung “Informanten”. Die meinen, dass sie was wissen. Meistens jedoch ergibt bereits der erste Kontrollanruf im Rathaus, dass an der ganzen Sache nichts dran ist. Diese Informanten! “Bei denen bin ich ganz vorsichtig”, sagt Günter. Recht hat er!

Also wieder kein Knüller. Zur Not tut’s dann auch mal eine Pressemitteilung vom Deichverband oder der Jahresbericht vom Schützenverein. Überschrift drüber, Totengedenken raus, Wortstellung im ersten Satz verändern, passt schon. Hauptsache, keine weißen Flecken in der Zeitung, sondern alles schön bedruckt: content is king, wie der Fachmann sagt. Content ist aus dem Englischen und heißt Füllspachtel.

Schön am Beruf des Lokaljournalisten ist auch, dass man viel zu essen bekommt.

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  1. 6. Flügelstürmer

    Ich habe den Bericht der NRZ gestern mit einem bissigen Kommntar versehen. Ich habe aus einen Interview mit dem Tübinger Oberbürgermeister zitiert, welcher diesen Herrn äußerst kritisch sieht.
    Link zum Interview: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,657244,00.html
    Dieses Teil habe ich wörtlich zitiert:”Zudem steckt Mappus tief im konservativen Lager: Er hat eine NS-kritische Ausstellung zu verhindern versucht, er hat zu verantworten, dass sich schwule und lesbische Paare in baden-württembergischen Kfz-Zulassungsstellen trauen lassen müssen.”
    Was macht die NRZ? Sie löscht dieses “böse” Zitat und lässt lediglich meinen ironisch gemeinten Schlusssatz stehen. Dieser ist als solcher aber nicht mehr zu erkennen. Vielmehr steht der Flügelstürmer jetzt als Anhänger dieses sauberen Herrn da. Wer ist für solche Verfälschungen in der Redaktion der NRZ verantwortlich.

     
  2. 5. Peter Gedöns

    Schwiegersohn von Inge und Josef Verweyen wird Ministerpräsident

    Kleve. Stefan Mappus ist designierter Ministerpräsident von Baden-Württemberg. Die Frau an seiner Seite kommt aus Kleve-Donsbrüggen: Susanne Verweyen-Mappus. “Unsere Familie freut sich sehr”, sagt die stolze Mama und Schwiegermutter Inge Verweyen, CDU-Kreistagsmitglied in Kleve.

    Und wer jetzt denkt, dieser Bericht steht in der Royal Press oder einem Wochenblatt, der irrt sich.

    http://www.derwesten.de/nachrichten/staedte/kleve/2009/10/29/news-138840257/detail.html

    Die NRZ ist auch nicht mehr, was sie einmal war.

     
  3. 4. ralf.daute

    @Michael “schwer beladener Frust-Rucksack”, neinnein, so schlimm ist’s nicht. Keine Sorge, mir geht es gut

     
  4. 3. Michael

    Herr Daute,

    ihr täglich praktizierter Zynismus auf dieser stets interessanten Seite in allen Ehren – aber tragen Sie in diesem Fall sind Sie ein wenig zu weit gegangen, wie ich finde. Sieht so aus, als trügen Sie einen recht schwer beladenen Frust-Rucksack mit sich herum … und wollten ihn mal ausleeren…

    Die Kunst des Lebens besteht doch nun mal (nicht für alle, aber für viele Zeitgenossen) darin, mit möglichst wenig Aufwand möglichst viel herauszuholen.
    Da muss sich nicht nur der Lokaljournalist mit seiner trägen Hand an die Nase fassen…

     
  5. 2. Peter

    Also ich hab ihn erkannt.

     
  6. 1. Peter Gedöns

    Genauso isset! Täglich eine Meldung mit dem BBZ (Bürgermeisterbezug -gerne mit Fotto).…….auch wenn der Anlass noch so hanebüchen ist…….
    und schon fluppt der Laden.

    Macht echt Spass, bei der Royal Press, CDU Lokalrunden-Redaktion Kleve zu arbeiten!