Locken Sie den Hauhechelbläuling!

Hauhechelbläuling auf Margerite (Foto: Otto de Zoete)

Die neueste Pressemitteilung der NABU-Naturschutzstation Niederrhein („Insektenfreude mit regionalen Wildpflanzen“) hatte im Anhang auch zwei Fotos, die (zumindest mir) eher unbekannte Insekten zeigen – einmal eine Schwebfliege, die sich auf einer Wilden Malve niedergelassen hat, und einmal, gemütlich auf einer Margerite dösend, ein weibliches Exemplar des Hauhechelbläulings. Des was? Richtig gelesen, des Hauhechelbläulings. Da aber wanderten meine Gedanken zum Grundsätzlichen: Wer denkt sich solche Namen aus? Eiche, Buche. Rind, Hund, Katze, Maus. Bei den – nennen wir sie mal – Basisorganismen reichen schon wenige Buchstaben und höchstens zwei Silben, um sie zu bezeichnen. Und, schon klar, irgendwann kommen die Kurzbezeichnungen an ein Ende. Schon alle Schmetterlinge haben allerdings kompliziertere Namen, und sie werden bestimmt nicht alle erst später entdeckt worden sein. Und – nehmen wir zum Beispiel den Admiral – der flatterte ja sicher schon vor Lord Nelson und Graf Tirpitz herum, aber wie hieß er da? Wer fällte die Entscheidung, ihn irgendwann zu admiralisieren? Fragen über Fragen, und wir sind immer noch nicht bei den Bläulingen, die irgendwann ins erste Germanenlexikon kamen, das noch in Baumrinden geritzt wurde. Nun aber entdeckt irgendein Wotan auf seinen Wanderungen im finsteren Walde eine Variante des Bläulings, stopft ihn in sein Methorn, verschließt es ordentlich mit einer Schweinsblase (so ähnlich wie die Silikondeckel von heute) und bringt es zurück zu seinem Stamm, wo die Ältesten den flatternden Fund begutachten und dann (natürlich in Althochdeutsch) sagen: „Thîh heizan wir houwhekelblâolinc!“, was sich im Laufe der Zeit und Lautverschiebungen ins heutige Hauhechelbläuling verwandelte? Alles sehr rätselhaft, wenn man genauer darüber nachdenkt, was aber vom Kern der Mitteilung ablenkt, die da lautet: Wer diese filigranen Frühlingsflatterer in seinem Garten sehen möchte, tut gut daran, diesen insektenfreundlich auszustaffieren.

Mit jedem kleinen Schritt geht es in die richtige Richtung. Wer zum Beispiel nicht auf einen Naturgarten umsteigen will, bereichert den Garten durch einzelne regionale Wildpflanzen – frei nach dem Motto: Jede Pflanze zählt. Geeignet sind unter anderem Wiesen-Flockenblumen, Heide-Nelken, Margeriten, Wilde Malven oder Rote Lichtnelken. Für die Produktion regionaler Wildpflanzen suchen Heine und Plumbaum weitere Gärtnereien. „Sie sollen sich gern bei uns melden“, betonen die Naturschützerinnen. Außerdem sind alle Menschen angesprochen, die betriebliche, öffentliche oder private Flächen besitzen, und die das Projekt unterstützen und einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz leisten wollen. Erste, vom Gartenbaubetrieb Paul Cox in Geldern-Lüllingen produzierte Pflanzen werden voraussichtlich ab April in Gartenmärkten erhältlich sein.

Eine Liste der Märkte, die insektenfreundliche Blühpflanzen anbieten, ist im Internet unter www.nabu-naturschutzstation.de zu finden. Der große Verkaufsstart erfolgt 2022. Für weitere Informationen ist Katja Plumbaum unter der Telefonnummer 02821-713-988-14 und Ortrun Heine unter 02821-713-988-20 zu erreichen.

Schwebfliege auf Wilder Malve (Foto: Otto de Zoete)

Weitere Informationen zu dem Projekt: „Insektenfreude – mit regionalen Wildpflanzen“

Ziel des Projektes ist es, gebietsheimische Blühpflanzen auf neuen privaten, betrieblichen und öffentlichen Flächen zu etablieren und bestehende Flächen umzugestalten. Dadurch kann ein Beitrag für mehr Insektenvielfalt im urbanen Raum geleistet werden. „Manche Menschen erinnern sich noch an bunte Wiesen und Ackerränder vollblühender Vielfalt. Doch mit zunehmender Industrialisierung der Landwirtschaft und einem rasanten urbanen Flächenverbrauch wird den Insekten ihr wertvoller Lebensraum genommen“, erklärt Landschaftsökologin Katja Plumbaum (NABU-Naturschutzstation Niederrhein). „Eine Umkehr ist wünschenswert. Der Siedlungsraum muss dabei keineswegs eine Wüstenei für Insekten oder Natur überhaupt sein.“

„Und da kommen unsere Gärten und Balkone ins Spiel, ebenso betriebliche und kommunale Flächen“, sagt Diplom-Biologin Ortrun Heine. „Hier verbirgt sich ein großes Potenzial an Flächen, in die diese bezaubernden Wildpflanzen Einzug halten können. Und nur diese regionalen Pflanzen erfüllen die unterschiedlichen und vielfältigen Ansprüche einer Vielzahl unserer heimischen Insekten optimal.“ Zwar seien sie in ihrem Erscheinungsbild nicht so spektakulär wie gezüchtete oder exotische Kulturpflanzen – „aber ihre Bedeutung für die heimische Artenvielfalt ist dafür umso größer, denn unsere Wildpflanzen sind gleichzeitig Lebensraum, Nahrung, Nistmöglichkeit und Überwinterungsplatz für diverse Insekten, deren Raupen und Larven“, sagt Heine.

Das Projekt wird bis 2026 vom Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit im Bundesprogramm Biologische Vielfalt gefördert. Stadt und Kreis Kleve sowie die Stadt Emmerich sind Kofinanzierer.

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4 Kommentare

  1. 4

    Bei den Rasenflächen in Grünanlagen oder um größere öffentliche Gebäude wie z.B. der Hochschule wären Wiesen mit Wildblumen schön und praktisch für unsere kleinen flugfähigen Freunde 🐝🐞

     
  2. 3

    Der Gemeine Bläuling = Hauhechel-Bläuling (Polyommatus icarus) ist der häufigste in der Familie der Bläulinge. In meinem Garten ist er, auch andere Bläulinge, ständiger gern gesehener Gast. Der schönste Bläuling ist m. E. der Kleine Feuerfalter (Lycaena phlaeas).
    Die Schwebfliege sollte die Gemeine Garten-Schwebfliege = Große Garten Schwebfliege (Syrphus ribesii)

     
  3. 1

    Wären die Wildblumen auch zur Bepflanzung von Flachdächern geeignet?
    Wie hoch fliegen Insekten üblicherweise? Ein zehnstöckiges Gebäude mit Wildblumenwiese oben drauf. Ist wohl kein Problem https://m.tagesspiegel.de/wissen/tierwanderung-in-grosser-hoehe-billionen-insekten-ziehen-durch-die-luefte/19177622.html
    Flughöhe von Insekten bis zu 1200 m

    Wer ist eigentlich welche?
    Links Frau Heine und rechts Frau Plumbaum oder umgekehrt?

    Wenn‘s um Insekten und Wildblumen geht, sollte man schon wissen mit wem man es zu tun hat.