Die aktuelle Straßenkritik

rd | 12. April 2008, 17:32 | 7 Kommentare

Der Schreibtisch des Reporters ist die Straße – nie war es wahrer: 

Es darf mit Fug und Recht behauptet werden, dieses 3,5 Kilometer lange Asphaltband (RP) ist ein Monument des städtebaulichen Willens, eingeweiht am 59. Geburtstag unseres Bürgermeisters. Der neu gebaute Streckenabschnitt Industriestraße lässt sich mühelos in 1:40 Minuten durchmessen, und zweifelsohne ist es außerordentlich gelungen, mit welch graziler Eleganz die Piste am Ende auf den Tweestrom einschwingt. Wenn der blöde Renault nicht da gewesen wäre, hätte man nicht vom Gas gehen müssen. Dass man über eine Brücke beachtlichen Ausmaßes fährt, fällt gar nicht auf.

Kleiner Kritikpunkt: Der vorletzte Streckenabschnitt wirkt gerade bei höheren Geschwindigkeiten sehr eng, ein Eindruck, der sich noch verstärkt durch die zarten Leitplanken unmittelbar am Straßenrand.

Ganz anders das erste Stück ab Griethausen, das die satte Weite verströmt, die zu solch einer Straße gehört, inklusive der schönen Windräder, die einen dezent vergessen lassen, dass man gerade mal wieder ökologisch ein bisschen herumfrevelt. Etwas störend der Blick auf die Lightex-Ruine links, da müssten zackzack ein paar Sträucher vorgepflanzt werden. Der Asphalt ist angenehm griffig und sehr sauber verlegt, allerdings wurde bei den Fahrbahnmarkierungen etwas hastig gearbeitet, da kennt der weitgereiste Mensch aus vielen Städten eine stärker akzentuierte Linienführung.

Trotzdem: Bravo! Sinnvoller kann man zwölf Millionen Euro kaum ausgeben! Für Rechenfreaks: Durch die Benutzung der Straße verkürzt sich die Fahrzeit nach Emmerich um 1:25 Minuten. Wie viel Steuergelder kostet dann eine Sekunde Zeitersparnis? (141.176 Euro)

Einen Kommentar schreiben





7 Kommentare - Sortierung: Neuester oben / Ältester oben
  1. 7. Dietmar Shields

    Ortsumgehung Kellen (B 220n) Baubeginn frühestens 2020
    Dabei gibt es gute und eine schlechte Nachrichten, die Gute, es gibt eine konkrete Vorstellung, wann mit dem Bau der Straße begonnen werden könnte. Die Schlechte, es ist noch immer offen, ob das Land NRW der Ortsumgehung Kellen B 220n eine hohe Priorität einräumt; außerdem ruft die geplante Trasse offenbar den Widerstand zweier Landwirte hervor.

    Wie der Leiter des Fachbereichs Tiefbau der Stadt Kleve, Bernhard Klockhaus, im jüngsten Umweltausschuss mitteilte, wollte man mit den Planungen für die B 220n längst weiter sein. So hätte eigentlich spätestens 2018 ein Planfeststellungsbeschluss gefasst werden sollen. Doch es gab wiederholt Verzögerungen. Der Landesbetrieb Straßen NRW geht davon aus, dass in diesem Jahr ein Erörterungstermin stattfindet, so dass im Jahr 2019 der Planfeststellungsbeschluss erfolgen kann, so der Fachbereichsleiter.
    Mit dem Bau der Trasse könne somit im Jahr 2020 begonnen werden. Straßen NRW habe mitgeteilt, dass die B 220n in den Masterplan des Landes NRW nun aufgenommen worden sei, aber die Priorität steht aber noch nicht fest!

     
  2. 6. Afrika

    Das schaff ich schneller! 🙂 Video folgt

     
  3. 5. ralf.daute

    Ja, es war ein Selbstversuch!

     
  4. 4. hendrik

    Wie errechnen sich denn die 1:25 Minuten? War das auch Ergebnis des Selbstversuches? 🙂 Ich vermute, dass die Zeitersparnis zu manchen Tageszeiten und aus manchen Richtungen (z.B. Rindern) deutlich größer ist. Was nicht die Investition von 12 Millionen rechtfertigen soll..

     
  5. 3. ralf.daute

    CD mit Straßengeräuschen – das klingt nach einer Marktlücke…

     
  6. 2. Rainer Hoymann

    Hallo Herr Daute,

    ich habe das Video in meinem Internetangebot http://www.heimat-kleve.de auf Seite 1 eingebaut. Ich hoffe, das geht in Ordnung?
    Das Filmchen dürfte in einigen Jahren ein lokales Zeitdokument werden. Wird die Strecke dann von Kutschen und Fahrrädern genutzt oder sind von Wasserstoff angetriebenen Automatikfahrzeugen in Schallgeschwindigkeit unterwegs.
    Was sind schon 12 Millionen? Der Abschreibungsbedarf deutscher Banken beträgt aktuell 40 Milliarden USD. 40 Mrd Dollar entspricht übrigens in Euro umgerechnet den durchschnittlichen Jahresarbeitseinkommen (netto) von mehr als 1,4 Millionen deutschen Arbeitnehmern.
    Da ist die Straße doch ein echtes Schnäppchen. Jetzt hoffe ich, als geborener Anwohner der Emmericher Straße, dass ich keine Entzugserscheinungen wegen der Todesstille bekomme. Sonst gibt es sicherlich als Therapie eine CD mit Geräuschkulisse. Ob das die Krankenkasse bezahlt?

    Gruß von Rainer Hoymann

     
  7. 1. KlePeter

    Danke für den Test und die visuellen Eindrücke. Dann kann ich mir die Fahrt sparen.
    Leider habe ich in den letzten Tagen nicht lesen können, dass sich die CDU (incl. Palmem und Brauer) viele Jahre gegen einen solchen Straßenabschnitt gewehrt haben. Die große Lösung (bis zum Tennisschläger) sollte her. Wer erinnert sich nicht an den Slogan “Menschen statt Gänse”?
    Aber in der allegemeinen Euphorie wird sowas schnell vergesssen… – und ich jetzt wahrscheinlich wieder als Miesmacher verunglimpft. 😉