Auf dem Weg zum Avifaunafanatismus? Der Storch darf nicht fehlen

rd | 08. Mai 2020, 12:09 | 1 Kommentar
Kinderreiche Familie im milden Licht der Abendsonne: 3 Nesthocker in Düffelward mit reichlich Appetit. Vater (oder Mutter?) geht anschaffen (Foto: Klaus Neumann)

Die Störche sind natürlich das Imposanteste, was der niederrheinische Himmel im Sommer zu bieten hat (von den Boeing 737 des Unternehmens Ryanair mal abgesehen, die sind größer, aber weniger ästhetisch, und deren Rückkehr ist mehr als ungewiss). Zur Erbauung des Lesers ein Beitrag über das Tier, erschienen im vergangenen Jahr im Magazin Der KLEVER (Ausgabe 2-2019):

Horch, ein Storch! 

Mittlerweile ist das charakteristische Klappern wieder häufiger am Niederrhein zu hören – doch der Zuwachs an Störchen beruht nicht unbedingt darauf, dass die Lebensbedingungen besser geworden sind.

Wenn ein Schwarm am Himmel seine Kreise zieht und gerade nicht eine Windkraftanlage oder eine Überlandleitung ins Blickfeld rutscht, könnte man sich in die Zeit der Dinosaurier zurückversetzt fühlen. Die Weißstörche, die es auf eine Flügelspannweite von mehr als zwei Metern bringen können, gehören zu den eindrucksvollsten Vertretern der niederrheinischen Tierwelt – und zum Glück sind sie am heimischen Himmel immer häufiger zu sehen. 

Einst gehörte der Weißstorch (Ciconia ciconia) zum typischen Bild unserer Landschaft. Die Redewendung, dass der Klapperstorch die Kinder bringe, bezeugt beispielhaft die Verankerung des Vogels in der alltäglichen Wahrnehmung früherer Tage. Doch die Entwicklungen in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts, die gemeinhin unter dem Wort Fortschritt zusammengefasst werden, machten den majestätischen Vögeln das Leben am Niederrhein schwer. 

Hungrige Jungvögel: 1,2 Kilogramm Kleingetier wird pro Tag verfüttert

Aus Wiesen mit ihrem reichen Angebot an Kleingetier wurden Felder, Feuchtgebiete wurden trockengelegt. Das alles hatte zur Folge, dass den Störchen schlichtweg die Nahrung fehlte, die insbesondere zur Aufzucht der Brut nötig war. Ein Jungvogel im Nest vertilgt, kurz bevor er flügge wird, täglich rund 1,2 Kilogramm an Kleingetier, das ihm die Eltern servieren müssen. Dass das immer schwieriger aufzutreiben war, machte den Niederrhein aus Sicht der Storcheneltern unattraktiv, zusätzlich dezimierten Unfalltode (Überlandleitungen), die Jagd auf die Vögel in Afrika sowie verschlechterten Lebensbedingungen auch dort die Bestände. Spätestens Mitte des vergangenen Jahrhunderts waren sie verschwunden, vielleicht von einigen versprengten Restexemplaren abgesehen. 

Doch1996 kehrten sie an den Niederrhein zurück, vermutlich infolge von Auswilderungsprojekten, die die Wiederbesiedlung einleiteten. Das erste Pärchen brütete in Zyfflich, nachdem dort eine Nisthilfe aufgestellt worden war. „Inzwischen ist die Population deutlich angestiegen“, sagt Bettina Blöß, Diplom-Biologin beim Naturschutzzentrum des Kreises Kleve. In diesem Jahr zählte die Expertin 33 Brutpaare, die insgesamt 73 Jungstörche erfolgreich in die Luft brachten. Der Schnitt pro Brutpaar liegt also bei etwas mehr als zwei Jungvögeln. 

Der Zuwachs an Störchen ist allerdings, trotz vielerorts aufgestellter Nisthilfe, nicht unbedingt den verbesserten Lebensbedingungen am Niederrhein zu verdanken. Bei den Weißstörchen wird zwischen Westziehern und Ostziehern unterschieden. Die Ostzieher fliegen über den Bosporus in afrikanische Gefilde, die Westzieher nutzen die Meerenge von Gibraltar, um den Kontinent im Süden zu erreichen. 

Die Störche, die am Niederrhein sesshaft sind, gehören allesamt zu den Westziehern. Sie überfliegen auf dem Weg gen Süden die iberische Halbinsel und fanden dort zahlreiche Mülldeponien, auf denen sie ausreichend Nahrung finden. Das mag für uns Menschen unästhetisch wirken, aber bei den Vögeln führt es dazu, dass viele von ihnen den anstrengenden Flug bis Afrika abbrachen und einfach in Spanien überwinterten.  

„Vermutlich hat dies zu einer geringeren Wintersterblichkeit geführt“, so Bettina Blöß. „Daher kommen immer mehr Störche zum Brüten zurück.“ Auch der Bruterfolg in anderen Regionen kann zum Anstieg der Bestände beigetragen haben – denn anders, als viele denken, sind Störche nicht sehr brutortstreu. 

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  1. 1. Tembaco

    ….anschaffen?????
    Das ist doch aktuell verboten….möchte nicht wissen, wie sein dem Gewerbe aktuell läuft….wie Drogenabhängige aktuell leben….