Angst vorm Kinderkriegen?5,6 % weniger Geburten in Kleve

Spielzeug, das niemand mehr braucht

Die Stimmung ist schlecht, mit einer besseren Zukunft rechnen die wenigsten jungen Menschen noch, AI macht alles besser, das Bilderbuchmodell einer Familie, die glücklich ihre zwei oder drei Kinder in einem freistehenden Einfamilienhaus am Stadtrand aufzieht, erscheint kaum noch finanzierbar, außerdem, wer weiß schon, wie lange was heute noch hält ––– kann es sein, dass all dies sich auch auf die Geburtenrate in Kleve auswirkt?

Jedenfalls verschickte die Stadt Kleve gestern eine bemerkenswerte Pressemitteilung. Demnach gab es im vergangenen Jahr einen deutlichen Rückgang der Geburtenzahlen. Wenn es so etwas wie eine Empfängnisverweigerung geben sollte, fällt sie damit ziemlich genau mit dem Beginn der Kanzlerschaft von Friedrich Merz zusammen, der am 6. Mai 2025, also acht Monate vor Beginn des nunmehr statistisch erfassten Rückgangs Kanzler wurde.

Nach kürzlich veröffentlichten Angaben des Statistischen Landesamtes IT.NRW wurden vergangenes Jahr in der Schwanenstadt 435 Kinder geboren. Damit lag die Zahl der Geburten um 26 Kinder unter dem Vorjahreswert von 461 Geburten. Dies entspricht einem Rückgang von rund 5,6 Prozent. Das ist mehr als nur eine Zufallsschwankung. Zum Vergleich: Landesweit beträgt der Rückgang der Geburtenzahlen in demselben Zeitraum etwa 3,1 Prozent.

Allerdings weist die Stadt Kleve darauf hin, dass es solche Schwankungen in den vergangenen Jahren öfter gegeben habe: „Zwischen 2020 und 2024 schwankte die jährliche Veränderung der Geburtenzahl im Stadtgebiet zwischen einem Rückgang von bis zu 9,8 Prozent und einem Anstieg von bis zu 11,1 Prozent“, so Stadtsprecher Niklas Lembeck. „Die aktuellen Zahlen für 2025 fügen sich damit in die Schwankungsbreite der Vorjahre ein. Noch im Jahr 2024 trotzte Kleve dem landesweiten Trend und verzeichnete einen Geburtenzuwachs von 7,5 Prozent im Vorjahresvergleich.“

Hintergrund: Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung richtet die Stadt Kleve den Blick insbesondere auf die zukünftige Ausgestaltung der Angebote für Kinder, Jugendliche und Familien. Um das Angebot der Kinder- und Jugendhilfe weiterhin bedarfsgerecht zu gestalten, wird die Stadt Kleve die Entwicklung der Geburtenzahlen kontinuierlich beobachten und diese systematisch in ihre Planungen einbeziehen.

Ziel ist es, auch künftig eine passgenaue Versorgung von Kindern, Jugendlichen und deren Familien – etwa in der Kindertagesbetreuung – nachhaltig sicherzustellen, ohne dauerhafte Überkapazitäten aufzubauen. Die Geburtenzahlen dienen dabei als eine wichtige Grundlage, um die vorhandenen Strukturen der Kinder- und Jugendhilfe regelmäßig zu überprüfen und bei Bedarf anzupassen.

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5 Kommentare

  1. 5

    Zeigt wild fuchtelnd auf die Geschehnisse in der Welt, das Klima und die Katastrophen, die Gerontokratie in Deutschland, immer weiter steigende Lebensunterhaltskosten

    Das ist ja komisch, wie kann das denn sein, das ist ja komisch!

  2. 4

    Das ist kein Phänomen von Kleve. Die Geburtenrate in Deutschland liegt aktuell bei 1,35 Kindern pro Frau. Damit verzeichnet das Land seit vier Jahren einen kontinuierlichen Rückgang und den niedrigsten Stand seit fast 80 Jahren.

    Das ganze ist ein Problem von Deutschland und kann auch fast nur da gelöst werden, indem man mal überlegt was wohl die Ursachen sein dürften:

    Wirtschaftliche Belastungen und Lebenshaltungskosten: Explodierende Wohnkosten, Hohe Inflation
    Strukturelle Mängel in der Kinderbetreuung in Verbindung mit der Erwartung das beide Elternteile voll arbeiten: Fachkräftemangel bei der Kinderbetreuung, häufige Ausfälle von KiTas (Notbetreuung und reduzierte Zeiten sind quasi der Normalzustand), dazu noch ständig weitere Termine damit Kinder untersucht werden (U-Untersuchungen, Zahnarzt, …), Behandlungen wenn irgendwas nicht ideal läuft, Kinder müssen ihr Immunsystem erst noch entwickeln und sind daher oft mit Infekten krank. Dazu das Risiko wenn das Kind nicht ins Raster passt (Eine Behinderung des Kindes ist meist der finanzielle Ruin der Eltern; obwohl Kinder für später für alle wirtschaftlich nötig sind tragen das Risiko hier nur die Eltern). Das Ergebnis ist weniger Rentenpunkte als bei kinderlosen Gleichaltrigen oder anders ausgedrückt: Wer heute durch Kinder den Generationenvertrag mitträgt bekommt später weniger davon raus.
    Ausbildung: Je besser Menschen ausgebildet sind desto weniger Kinder und desto später Kinder. So Nebenbei: Es wird ständig über Fachkräftemangel gejammert. Wir haben Fachkräfte, die teuer ausgebildet wurden, die aber gerade ihre Kinder herum fahren, früher aus der KiTa abholen oder gerade ältere angehörige Pflegen und damit ausgelastet sind.
    Was direkt in den nächsten Punkt überleiten kann: In Deutschland werden rund 86 Prozent aller Pflegebedürftigen zu Hause betreut – der Großteil davon von Angehörigen (das können ähnlich alte Ehepartner sein aber auch Kinder der Pflegebedürftigen). In Deutschland betrifft die berufliche Einschränkung wegen der Pflege eines Angehörigen schätzungsweise 600.000 bis 800.000 Erwerbstätige, die ihre Arbeitszeit reduzieren oder den Beruf ganz aufgeben. In dieser Situation werden Kinderwünsche wohl kaum umgesetzt werden.
    Multiple Krisen und Zukunftsängste: Klimawandel, Kriege
    Demografischer Effekt: Alles unter 2.1 Kindern pro lässt die Bevölkerung schrumpfen (bzw Überaltern). Bereits seit 1990 gibt es einen Knick in der Geburtenrate nach unten. Damit sind die heutige Elterngenerationen schon zu wenige und die bekommen auch noch wenig Kinder, damit geht es dann schon rein mathematisch schnell mit der Geburtenrate bergab.

  3. 3

    @2.
    Welches Problem haben Sie?
    Zum Glück haben es die FRAUEN schon lange OHNE AfD geschafft, selbst zu entscheiden, ob sie eine Kontrazeption (Empfängnisverweigerung, Empfängnisverhütung) für ihren Körper und ihr selbstbestimmtes Lebensmodell bevorzugen oder nicht!

  4. 1

    Spannende Frage: Wer soll denn hier noch Kinder kriegen, wenn die jungen Leute alle weggehen, weil Kleve schon lange eingeschlafen ist? Da liegt schon lange das Problem.
    Irgendwann ist auch eine „biologische Uhr“ bei Menschen, die noch hier verweilen, fürs Kinderkriegen abgelaufen ……..