Alles auf die 605! Das Millionenspiel der Volksbank Kleverland mit dem UIN-Spezialfonds

rd | 01. Mai 2013, 20:45 | 24 Kommentare

Foto 03.05.13 16 25 47Bemühen Sie bitte Ihre Vorstellungskraft: Was hätten Anteilseigner der Volksbank Kleverland, also z. B. der Bauer aus Keeken, gesagt, wenn Frank Ruffing, Vorstandsvorsitzender, öffentlich erklärt hätte: „Übrigens, wir haben uns dazu entschlossen, ein paar Millionen Euro in griechische Staatsanleihen zu investieren?“ Hätte der Bauer aus Keeken begeistert applaudiert?

Was die Volksbank selbst auf Nachfragen zu diesem Engagement mitgeteilt hat, wissen wir. Der UIN-Spezialfonds sei 2005 gestartet worden, um das professionelle Management der Eigenanlagen durch die Union Investment zu dokumentieren. Er habe sich aus breit gestreuten, unterschiedlichen Investments zusammengesetzt. Eines dieser Investments sei der Erwerb griechischer Staatsanleihen gewesen, deren Anteil am Fonds betrage (bezogen auf das Jahr 2011) 2,35 Prozent beziehungsweise vier Millionen Euro.

Auf die Frage nach der geschäftlichen Entwicklung des UIN-Spezialfonds antwortete Frank Ruffing, dieser habe seit seiner Auflegung eine durchschnittliche Rendite von 2,0 Prozent abgeworfen. Zur Frage nach eventuellen Verlusten im Jahre 2011 verwies er auf diese allgemeine Antwort.

Dazu ist zu bemerken, dass diese Formulierung möglicherweise nur die Verzinsung, nicht aber die Wertentwicklung des UIN-Spezialfonds berücksichtigt. Auch eine massenhafte Hinzunahme sicherer Wertpapiere könnte dazu führen, dass große Verluste bei einem Posten durch einen anderen wieder ausgeglichen werden. Wie gesagt, nähere Informationen fehlen.

Es ist jedoch davon auszugehen, dass die Neigung der Verantwortlichen, das Engagement der Bank in den UIN-Spezialfonds detaillierter zu dokumentieren, sich in engen Grenzen hält.

kleveblog allerdings begab sich mit Hilfe einiger freundlicher und fachkundiger Unterstützer auf Spurensuche und dokumentiert im Folgenden das riskante Millionenspiel der Volksbank Kleverland. (Die meisten der nun folgenden Informationen sind übrigens im Internet frei verfügbar, sie finden sich in den Geschäftsberichten der Bank, die diese im elektronischen Bundesanzeiger hinterlegt hat.) Die Spuren offenbaren in gewisser Weise einen Wirtschaftskrimi, der so gar nicht zum bodenständigen Image einer genossenschaftlichen Bank passt – und der zumindest die Frage aufwirft, wo das Geschäft der Volksbank Kleverland stünde, wenn diese außerordentliche Geschäftstätigkeit herausgerechnet werden müsste?

Im Geschäftsjahr 2010 machte die Bilanzposition 6 („Aktien und andere nicht festverzinsliche Wertpapiere“), unter der Volksbank ihren UIN-Spezialfonds führt, 175,3 Millionen Euro aus – dies entspricht 28 Prozent der Bilanzsumme (615,6 Mio. €). Das heißt: Knapp ein Drittel des Geschäfts beruht auf einem Engagement, welches – siehe griechische Staatsanleihen – Schwankungen unterworfen sein kann, die kontrolliert werden wollen. Zum Vergleich: Bei der Sparkasse Emmerich liegt der Wert für das so genannte Eigengeschäft bei nur rund 10 Prozent, bei der Sparkasse in Kleve bei 13 Prozent.

Die Bilanzen weisen aus, dass der UIN-Spezialfonds im Jahre 2005 mit einem Buchwert von 50 Millionen Euro startete. In den Erläuterungen zur Ergebnisrechnung 2006 heißt es dazu: „Unter Aktien und andere nicht festverzinsliche Wertpapiere bilanzieren wir einen Spezialfonds, der zur Sicherung des Zinsertrags dienen und nachhaltig im Bestand bleiben soll.“ In seinen ersten Jahren verlief das Engagement recht unspektakulär, so dass das Investment noch am 30. Dezember 2008 mit 52 Millionen Euro in den Büchern stand.

Am 15. September 2008 schockte die Insolvenz der amerikanischen Bank Lehman Brothers die Sparer in aller Welt. Viele Geldanlagen wurden aufgelöst, das Geld blieb häufig erst einmal auf irgendwelchen Konten liegen. In Mode kamen unter anderem Tagesgeldkonten. Für die Volksbank Kleverland bedeutete dieser Trend offenbar, dass erhebliche Anlagevolumina an sie herangetragen wurden, denen sie im Aktivgeschäft nichts gegenüberstellen konnte. In der Bilanz wachsen auf jeden Fall die täglich fälligen Verbindlichkeiten gegenüber Kunden (Pos. Pass. 2ba) stark an.

Bankfachleute sprechen von einem so genannten „Bilanzüberhang“. In einer idealen Welt würde das Geschäft einer Bank daraus bestehen, Geld von Sparern einzunehmen und etwas teurer verzinst zu verleihen. Einlagen der Sparer und ausgereichte Kredite hielten sich die Waage. Aktuell funktioniert keine Bank wie aus dem Lehrbuch, und auch die Volksbank Kleverland musste irgendwie sehen, wie sie mit dem Geld, mit dem sie regelrecht zugeschüttet wurde, fertig werden sollte.

Die wesentliche Antwort der Jahre 2009 und 2010 auf diesen „Passivüberhang“ hieß offenbar: UIN-Spezialfonds Nummer 605.

In der Bilanz des Jahres 2009 sind unter „Buchwert Pos. Akt. 6, Aktien und andere nicht festverzinsliche Wertpapiere“ bereits 122 Millionen Euro verzeichnet – ein Zuwachs von 134 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Geschäftsbericht heißt es: „Die deutliche Steigerung unseres Zinsüberschusses basiert auf der Ausweitung unseres Kundenkreditgeschäfts und einer sehr guten Performance unseres Spezialfonds.“

Ein Jahr später, am 30. Dezember 2010, hatte sich diese Position in den Büchern gegenüber 2008 sogar mehr als verdreifacht: Zu diesem Zeitpunkt wird sie mit 175 Millionen Euro ausgewiesen.

Die Ausschüttungen aus dem UIN-Spezialfonds, so viel ist sicher, polierten das Ergebnis der Volksbank Kleverland prächtig auf. So wird in der Bilanz für das Jahr 2010 der Gewinn der Bank mit 4,966 Millionen Euro ausgewiesen. Der Gewinn des Spezialfonds betrug in diesem Jahr 4,244 Millionen Euro. Es verbleibt ein Ertrag von 0,722 Millionen Euro. Das heißt, vereinfacht gesagt, mit dem „normalen“ Kundengeschäft verdiente die Bank noch knapp 0,7 Millionen Euro.

Dann kam das Jahr 2011, und der Himmel verdüsterte sich, insbesondere für die Besitzer griechischer Staatsanleihen. Also auch für die Volksbank Kleverland.

In der Bilanz für das Jahr 2011 fallen mehrere Manöver auf, die vermutlich als Reaktion auf diese Verheerungen zu verstehen ist. In diesem Jahr wurde die Bewertungsmethode des Fonds geändert – vom so genannten strengen Niederstwertprinzip zum milden Niederstwertprinzip. Dieses Vorgehen ist erlaubt (zuvor war der Spezialfonds strenger bewertet als eigentlich nötig). Der Effekt: Auf diese Weise umging die Bank im Jahre 2011 einen Abschreibungsbedarf in Höhe von 4,6 Millionen Euro. Außerdem verzichtete die Volksbank auf einen Teil der Ausschüttung aus dem UIN-Spezialfonds (in der Bilanz stehen 3,494 Millionen Euro, also 0,85 Millionen Euro weniger als im Vorjahr). Hintergrund dieses Schritts: Eine Ausschüttung hätte ein erhöhtes Betriebergebnis bei gleichzeitig höherer Steuerlast sowie die Angabe einer höheren nicht vorgenommenen Abschreibung zur Folge gehabt. Darüber hinaus löste die Volksbank Kleverland auch Vorsorgereserven in Millionenhöhe auf. Das Problem wird also nicht gelöst, sondern in die Zukunft verlagert.

In den kleveblog vorliegenden Dokumenten wird der endgültige Wertverlust aus dem im Jahre 2006 begründeten Griechenland-Engagement mit 2,9 Millionen Euro beziffert. Allerdings wird darauf verwiesen, das infolge der Bereinigungen und der besseren Lage im Jahre 2012 auch wieder erhebliche Gewinne erzielt worden seien (3,7 Millionen Euro), so dass auf der Schadensebene eine Wertaufholung zu verzeichnen sei.

So gesehen, könnte man sich mit dem Vorstand der Volksbank Kleverland gelassen zurücklehnen und fragen: Was ist denn schon groß passiert? Doch der Vorgang berührt im Grunde das grundsätzliche Geschäftsmodell der Bank, denn offenbar lässt sich mit den Kunden nicht mehr genug Geld verdienen. Darf sie statt dessen massiv das Eigenschäft aufblähen? Wie groß darf dann das Rad sein, dass eine genossenschaftliche Kleinbank am unteren Niederrhein dreht? Wie viel Risiko darf und muss eine Bank eingehen? Sind Fusionen nötig, um das Risiko abzufedern?

Wäre das nicht einmal ein Thema für eine Zukunftswerkstatt?

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24 Kommentare - Sortierung: Neuester oben / Ältester oben
  1. 24. G.N.

    Lieber Herr Goertz,

    die Frage nach der Ausschüttung und der Informationspolitik müssen Sie den Vorständen beider Häuser stellen, ich kann sie Ihnen nicht beantworten.

    Mein Anliegen war es, auf die (objektive) Fehlinterpretation von Zahlen wie “niedriges Kundengeschäftsergebnis” hinzuweisen: es war ein Vergleich von Äpfeln mit Birnen. Ich hoffe, dass ich mit Nr. 23 meine Auslassungen hinreichend belegt habe.

     
  2. 23. G.N.

    Lieber rd,

    das Problem sind nicht die Mitarbeiterkosten, sondern der ZINSAUFWAND. Die Mitarbeiterkosten können Sie eher vernachlässigen.

    Sie müssen, um korrekt zu argumentieren, die Bank fiktiv in zwei Teile aufspalten (etwas vereinfacht – ohne Beachtung des Eigenkapitals):

    a) Spezialfonds (28%): 175 Millionen
    b) Kundenkreditbank (72%): 615 – 175 Millionen = 440 Millionen (hier sind aber auch Gebäude etc. enthalten)

    Dieses Geld (=Vermögen der Bank) stammt i.W. von den Kunden (=Schulden der Bank), worauf diese Zinsen (=ZINSAUFWAND: 10 Millionen) erhalten, die von der Bank zu zahlen sind.

    Wenn ich die Bank nun fiktiv aufspalte, fließen 28% der Kundengelder in den Spezialfonds und 72% der Kundengelder in das Kundenkreditgeschäft und damit muss ich auch 28% der an die Kunden gezahlten Zinsen (=2,8 Millionen) dem Spezialfonds und 72% der Zinsen (=7,2 Millionen) dem Kundenkreditgeschäft zurechnen.

    Sie weisen die Beträge auf der ERTRAGSSEITE korrekt zu, berücksichtigen aber nicht, dass das Geld nicht kostenlos zur Verfügung steht. D.h. Sie müssen auch den ZinsAUFWAND den beiden Teilen zuweisen.

    Rechnung für den Spezialfonds

    ERTRÄGE 4,2 Millionen
    ZINSKOSTEN 2,8 Millionen
    = GEWINN 1,4 Millionen
    – Personalkosten ???
    = < 1,4 Millionen

    Daraus kann ich ein Kundenergebnis von mindestens 3,6 Millionen € ableiten (das sind 2,9 Millionen mehr als von Ihnen genannt). Die genauen Zahlen kenne ich nicht, aber mit Ihren 700.000,– € liegen Sie ziemlich daneben.

    Sicherlich verstehen Sie jetzt meine Empörung über die Zahl 700.000 und die daraus gezogenen Schlussfolgerungen.

     
  3. 22. Heinz Goertz

    @ G.N. 20.

    Sehr geehrter G.N.,

    warum zahlt die Volksbank-Kleverland dann nur ca. 4,5% auf die Geschäftsanteile/Genossenschaftsanteile?
    Bei der Raiffeisenbank in Emmerich waren und sind es immerhin ca. 10%!

    Ich bin in beiden Häusern Anteilseigner. In Kleve werde ich nie über die Entwicklung des Geschäftes informiert, seltsam. Ihre Auslassungen sind hier nicht belegt.

     
  4. 21. rd

    @G.N. Herzlichen Dank für die Erläuterung. Deshalb war in dem Artikel an einer Stelle auch ein “vereinfacht gesagt” eingebaut. Ich hatte für mich überlegt, wieviel Aufwand es denn ist, diesen Fond zu managen. Drei Mitarbeiter in Vollzeit? Wenn überhaupt. Also im Vergleich restlichen Apparat der Bank entstehen an dieser Stelle auch tatsächlich keine (oder nur kleine) Kosten. Ich bitte um weitere Erläuterung, wenn ich mich da auf dem Holzweg befinde.

     
  5. 20. G.N.

    Lieber rd,

    es ist mir bewusst, dass es sich bei den gut 4 Millionen um einen Betrag aus der GuV handelt.
    Nur die Schlussfolgerung “Kundengeschäft bringt nur 700.000,– €” ist schlicht von mangelnder Sachkenntnis geprägt.

    Ein Beispiel: Sie (und nicht Ihre Frau/ Ihr Mann) kaufen zwei Flaschen Bier zu 1,– € je Flasche. Sie und Ihre Frau/ Ihr Mann verkaufen getrennt je eine Flasche Bier zu 1,50€. Ihr Partner und Sie gemeinsam weisen einen Gewinn von 1,– € aus (dies alles entnehme ich Ihrem Jahresabschluss).

    Jetzt betrachte ich Sie und Ihren Partner getrennt:

    Ihr Partner: Ertrag 1,50 € aus dem Bierverkauf, Bier ist ja kostenlos = Gewinn 1,50 €
    Sie: Ertrag 1,50 € aus dem Bierverkauf abzgl. Kosten von zwei Flaschen Bier (=2,– €) = Verlust von 0,50€

    Daher ziehe ich die Schlussfolgerung, dass Sie ungeeignet sind, Bier zu verkaufen, da Sie ja nur Verluste produzieren.

    Zurück zur Volksbank:

    Die Bank macht einen Gewinn von 4,9 Millionen:
    a) der Spezialfonds hat ERTRÄGE von 4,2 Millionen generiert, das Geld ist kostenlos ((ZINS)AUFWAND = 0) = Gewinn 4,2 Millionen
    b) das Kundengeschäft hat ERTRÄGE von 24,7 Millionen generiert und trägt die GESAMTEN Kosten der Bank (AUFWAND = 24 Millionen) = Gewinn aus Kundengeschäft 0,7 Millionen

    Lieber rd, ich hoffe, Sie verstehen jetzt, dass ich zwar mit korrekten Zahlen agiere, meine basierenden Berechnungen und Schlussfolgerungen wenig sinnhaft, besser gesagt totaler Unsinn sind.

     
  6. 19. rd

    @G.N. Es handelt sich um Zahlen aus der Bilanz.

     
  7. 18. G.N.

    Lieber Verfasser dieses Artikels,

    ich finde es peinlich, wie Sie hier mit falschen Zahlen agieren. Das Kundengeschäftsergebnis mit 700.000,– € auszuweisen offenbart dies überdeutlich.

    Lt. Geschäftsbericht werden ERTRÄGE von gut 4 Millionen aus dem Fonds ausgewiesen, der ca. 28% der Bilanzsumme entspricht. Nur fällt das Geld, das investiert wurde, nicht vom Himmel, sondern stammt aus Einlagen, für die eine Bank Zinsen zahlen muss. Somit sollten 28% des Zinsaufwandes von gut 10 Millionen dagegen als AUFWAND verrechnet werden, so dass hier 1,5 Millionen (VOR Berücksichtigung von KOSTEN) dem Spezialfonds zuzurechnen sind.

    In einer Klassenarbeit wäre dies ein “MANGELHAFT”. Ergo: Erst denken und richtig rechnen, dann schreiben

     
  8. 17. rd

    Gewissermaßen ein Hintergrundbericht zum Hintergrundbericht: Da schau her, die Banker sind nackt! (FAZ)

     
  9. 16. William Heuvens

    Wer mich kritisiert (kontrolliert), ist mein Freund …. sagt man in China und Japan

    Wer mir schmeichelt, ist mein Feind!

    Die Schieflage in vielen privaten und öffentlichen Unternehmen begründet sich darauf, dass Schmeichler gefördert werden ….

     
  10. 15. Genosse

    @13. William Heuvens
    @7. 25.4.1242

    Dass der AR-Vorsitzende diese Aufgabe nicht erfüllen kann, hat er bereits vor Jahren bewiesen.
    Leider folgenlos. Das macht ihn aber auch steuerbar. Einen besseren AR-Vorsitzenden kann sich ein Vorstand garnicht wünschen.
    Sehr interessant der Hinweis von @7. 25.4.1242 auf die sogenannten Organkredite. Kann hierzu jemand etwas herausfinden?

     
  11. 14. B.R.

    Wer ist denn jetzt der richtige Sonnenkönig ?
    Der Vorsitzende des Aufsichtsrates oder der Vorsitzende des Vorstandes ?

     
  12. 13. William Heuvens

    @ Genosse

    Ich denke, das Problem liegt auch darin, dass der Aufsichtsratvorsitzende einfach die ihm anvertraute Kontrolle nicht vollziehen kann. Ihm fehlt das Sach- und Fachwissen und eine entsprechende Ausbildung, die man nun mal benötigt, um einen Vorstand kontrollieren zu können.
    Hier liegt im Land einiges im argen: Aufsichtsräte sollte persönlich in die Haftung genommen werden, so wie beispielsweise auch die ehemaligen Aufsichtsräte der WestLB, Politiker ….
    Einen Vorwurf würde ich in diesem Fall nicht dem VB-Vorstand machen, Herr Geurts gehört m. E. in den Ruhestand, nicht in die Führungsgruppe eines Banken-Aufsichtsrates.

     
  13. 12. Bernd Derksen

    Über die letzte Vertreterversammlung wurde berichtet: “Alle Abstimmungen erfolgten einstimmig.”(http://www.lokalkompass.de/kleve/leute/volksbank-kleverland-legt-bilanz-vor-d183903.html).

    Vermutlich ging der Versammlungsleiter nach dem, seiner Auffassung nach bewährten, Muster vor:
    “Ist jemand dagegen?”
    (Keiner möchte sich zum Aussätzigen erklären.)
    “Dann wurde es einstimmig so beschlossen.”

    100%-Ergebnisse sind zumeist Ausdruck einer nicht vorhandenen Diskussions- und Streitkultur.

    Da ist ein wenig Unruhe durch den Kleveblog wohl sinnvoll, unabhängig von meiner inhaltlichen Kritik.

     
  14. 11. Bernd Derksen

    Bei aller Kritik meinerseits:
    Ich bin guter Hoffnung, dass Artikel wie diese letztlich zur ernsthaften Beschäftigung mit der Geschäftspolitik führen. Auch in Mitglieder- oder Vertreterversammlungen. Und da gehört es auch hin, sofern die Debatte sachlich-konstruktiv geführt wird.
    Ich denke, dass es gerade bislang eher unkritische, leichtgläubige oder überängstliche Miteigentümer, zu Nachfragen ermuntern und ermutigen kann.

    Und das finde ich gut und richtig.

    _________
    Nebenbei: Als ich letzte Woche in der hiesigen Volksbankfiliale auftauchte und nach einer entsprechen Ansprechperson fragte, war man per Rundschreiben vom Vorstand schon vorbereitet worden. 😉 Das zeigte mir, wie überraschend ernst der Kleveblog genommen wird.

     
  15. 10. Bernd Derksen

    @RD
    Unabhängig von meiner Bewertung:

    Journalismus ist etwas zu veröffentlichen, wovon andere nicht wollen, dass es veröffentlicht wird. Alles andere ist Öffentlichkeitsarbeit. (George Orwell, o.a.)

    Ich bin ja der Ansicht, dass unser Wirtschafts- und Finanzsystem (so wie es ist) langfristig nicht fortexistieren kann und wird. Insofern finde ich es gut, wenn Menschen dazu angeregt werden, sich mal eigenständig denkend damit zu beschäftigen, wie es funktioniert. (Und wo der Schein das tatsächliche Sein verdeckt.)
    Auch wohin konkret das eigene Geld fließt, welche Risiken dafür in Kauf genommen werden, etc.. Den durchschnittlichen Anleger interessiert einzig das, was am Ende für ihn finanziell herausspringt. Die Vereinfachung auf eine einzige relevant erscheinende Größe (Preis, z.B. auch in Form von Zinsen) ist ja auch entlastend.

    Die Investition in griechische Staatsanleihen war aber ein in Banken u.ä. damals normaler Vorgang. Dessen Kritikwürdigkeit zeigte sich erst im Nachhinein. Diese nachträgliche Kritik finde ich eher naiv bzw. billig.

    [Nebenbei, vor allem für einen hier wieder schreibenden “Banker”:
    Oskar Lafontaine plädiert neuerdings ja für den Ausstieg aus dem Euro. Interessant finde ich wie argumentationsschwach es die dies bislang thematisierenden Medien kritisieren. Eher das übliche verlogene Geschwätz der political correctness. Ich entsinne mich, dass ich darauf bei der Euro-Einführung noch reinfiel. Mich hat erst nachdenklich gestimmt, wie normal und fachlich kompetent ich einen der Kritiker der ersten Stunde, Prof. Hankel, bei der Mitgliederversammlung einer anderen Genossenschaftsbank, erlebte.]

    Ich traue dieser Gesellschaft, deren Glaube an ökonomische Dogmen zivilreligiös daherkommt, keine echte Debatte zu. Geschweige denn eine Zukunftswerkstatt im eigentlichen Sinne. Nicht das öffentliche Podium, zu dem die RP ausgewählte Positionen bzw. deren Vertreter einlädt.

    Auch von der aktuellen Enquete-Kommission des Bundestags zum Thema soll ja, wie mir dort angehörte Experten sagten, nix Substantielles zu erwarten sein.

    @Genosse
    Der Aufsichtsrat scheint zumeist aus im Geschäftsgebiet tätigen und verschiedene Bereiche repräsentierenden Unternehmern/Selbstständigen zu bestehen. Ich finde dies nachvollziehbar und nicht falsch. Was den Vorsitzenden angeht, so fehlt mir der Einblick zur Beurteilung der im Amt nötigen Kompetenz. Ich kann aber diesbezügliche Zweifel nachvollziehen… 😉

    Nach meinen Eindrücken werden in solche Ämter in aller Regel ja Leute gewählt (bzw. zuvor vom Unternehmen vorgeschlagen), die auch in gewissen “Beziehungen” zum Unternehmen stehen und deren Agieren auch deshalb relativ vorhersehbar ist. Eine gewisse Berechenbarkeit und Zuverlässigkeit gehört halt dazu.
    Das steht halt naturgegeben im Widerspruch zu einer, auch die bankinternen “Fachleute” und deren Geschäfte und Ansichten, hinterfragenden Unabhängigkeit. Nicht nur beim Aufsichtsrat der lokalen Volksbank, auch bei DAX-Unternehmen. Aber das entscheiden halt die Eigentümer, welche “Werte” ihre Vertreter im Aufsichtsrat vertreten sollen…

     
  16. 9. Rubikon

    sehr interessanter Artikel …..

    ergänzend lege ich den Lesern mal die Aufstellung aller Volksbanken und Raiffeisenbanken per Ende 2012 ans Herz.

    Hier: http://www.bvr.de/p.nsf/02EC902694F96918C12577C00045E9D4/$FILE/Liste-aller-Banken-Bilanzsumme2013.pdf

    Hier werden insgesamt 1.099 Institute aus dem Genossenschaftssektor aufgeführt. “Unsere” Volksbank Kleverland belegt, gemessen an der Bilanzsumme, einen respektablen Rang 295. Soweit so neutral.

    Spannend wird es in der Betrachtung der Einlagen und Kundenforderungen in Relation zur Bilanzsumme. Verglichen mit andren Volksbanken die gemessen an der Bilanzsumme ähnliche Größenordnungen unterliegen, sieht man auf einen Blick den recht hohen Bestand Kundenforderungen. Unsere örtliche Volksbank ist als sehr fleißig bei der Herausgabe von Krediten an ihre Kunden, und dies in einem deutlich erhöhten Maße als vergleichbare Institute. Dieser Aspekt verschärft sich, denn die Höhe der Einlagen/Spareinlagen bewegt sich in dem Vergleich ehr im unteren Bereich.

    Nun gehört es zu Kernaufgabe einer Bank ihre Kunden und die lokale Wirtschaft mit Krediten zu versorgen. Leider zeigt die Erfahrung, dass eine solch dynamischen Entwicklung des Kreditbestandes nicht immer auf gleichbleibender Qualität beruht.

    Ergänzend zeigt ein Blick in den Bundesanzeiger eins ganz deutlich. Auf Basis der 2011’er Zahlen erwirtschaftet die Volksbank Kleverland im Vergleich zu ähnlich großen anderen Genossenschaften einen sehr übersichtlichen Ertrag.

    Es wird also sowohl im Kreditgeschäft, also auch im Management der Eigenanlagen über den Spezialfonds ein recht großes Rad gedreht. Und das ganze zahlt dich für die Anteilseigner nicht entsprechend aus.

    Risiken im Geschäftsleben gehörend dazu, aber die sollten sich auch entsprechend positiv in der Ertragslage bemerkbar machen.

     
  17. 8. B.R.

    Bei einem Investmentbestand von 100 Millionen sollte man sich vielleicht auch mal Gedanken machen über die ganzen Provisionen bzw. Rückvergütungen, die dort fliessen.

     
  18. 7. 25.4.1242

    @rd

    danke, der artikel gefaellt mir sehr gut. und bestaetigt was ich bereits in meiner analyse
    geschrieben habe. danke, dass hier journalistisch nachgebohrt wurde.

    1) es wird transparenter was da geschehen ist. eine transparenz die dringend noetig ist.
    die bank gehoert weder der geschaeftsleitung noch dem aufsichtsrat. jeder einzelne genosse
    ist eigentuemer dieses instituts und hat daher das recht auf eine transparentere informationspolitik als sie bisher von der VoBa gepflegt wird. das man diese daten erst muehsam
    im internet aus dem bundesanzeiger herausfinden muss und sie nicht auf der website der VoBa abrufbar sind ist mehr als befremdlich.
    was auch befremdlich ist, dass ausser einem hinweis im impressum man nichts ueber vorstand und aufsichtsrat lesen kann. es waere doch sinnvoll , dass die leute, die das geld der genossen managen, bzw. die aufsicht darueber fuehren im sinne der transparenz mit einem sachbezogenen lebenslauf vorgestellt werden, damit sich jeder ein bild machen kann, ob er diesen leuten vertraut. beim googlen erfaehrt man jedefalls nach meinem geschmack viel zu wenig ueber geschichte und qualifikation der agierenden und kontrollierenden personen.

    2) die frage der angemessenheit dieser geschaefte darf nicht nur, nein sie muss gestellt werden.
    eine genossenschaftsbank ist nicht irgendeine bank. gerade volksbanken sollten konservativer gefuehrt werden, mit wenig risiko.
    das risiko sollte lokal, ueberschaubar und sowohl von anteilseignern als auch einlagenkunden
    verstanden waeren koennen.
    die hat auch zur folge, dass ich mit kostenguenstigeren risikomanagement auskomme, was wiederum den aufwand reduziert.

    3) wenn ein kunde sein geld einem institut oder einem fond anvertrauen will, der eine aggressivere / riksokoreichere anlagestrategie faehrt, der kann das ja gerne machen.
    hier scheint es aber so , dass eine konservative bank, die ein gleichgewicht zwischen
    lokalen aktiva und passiva hatte mit einlagen “vollsaugt” und nicht weiss wo sie dieses
    geld sinnvoll im aktivgeschaeft anlegen soll. die frage muss erlaubt sein, ob dies
    langfristig vernuenftig ist, oder was man damit bezweckt.

    4) mein vater hat mir immer gesagt: “das andere auch etwas falsch gemacht haben,
    das legitimiert noch lange nicht mein eigenes fehlverhalten. es zeigt mir nur, dass ich
    genauso dumm war und wie ein lemming hinterher gerannt bin.
    ( kommentar am rande: kommentare wir “da haben ja viele andere auch fehler gemacht” sind uebrigens ein typisches verhalten von investoren . die auf die nase gefallen sind)
    Besser machen als andere, das ist die wahre managementkunst. alles andere erzeugt
    mittelmaessigkeit.

    eine weitere frage, die mir so in den kopf kam ist die frage der organkredite.

    http://www.gesetze-im-internet.de/kredwg/__15.html

    hier die langdefintion

    kurz, knapp und knackig ist ein organkredit, eine ausleihung an jemanden , der irgendwie in der bank arbeitet / sie beaufsichtigt oder mit ihm verwandt ist.

    man weiss nicht inwiefern der oben beschriebene personenkreis unabhaengig bleibt, wenn solche organkredite vergeben werden.

    das gleiche gilt natuerlich fuer eventuelle einleger aus dem genannten kreis, die an hohen einlagenzinsen interessiert sein koennten.

    ich glaube sicher, dass ich als genosse fragen zu diesen themen dem management stellen wuerde.

    so, das warenmeine letzten gedanken zum thema

    ralf daute, bitte weiter so.

    danke

     
  19. 6. rd

    @rL Noch einmal: Kritik hat die BaFin geübt. Ich habe diesen Vorgang journalistisch aufbereitet, und zwar mit aller gebotenen Zurückhaltung, indem auch die Position der Bank deutlich herausgearbeitet wird. Aber wie viele der Volksbank-Genossen haben davon gewusst? Kann es sein, dass sie kleveblog lesen müssen, um zu erfahren, was ihre Bank so macht? Ich wage sogar die Behauptung, dass selbst dem Aufsichtsrats der Bank zumindest nicht in dieser Deutlichkeit bewusst war, wie das Geschäft der Volksbank Kleverland aufgebaut ist. (Ich könnte ja einmal versuchsweise eine Umfrage unter den AR-Mitgliedern machen, wann sie in welchem Ausmaß von diesem Spezialgeschäft erfahren haben.) Dass aus dem gesamten Vorgang Fragen erwachsen, die kleveblog zu stellen gewagt hat, dürfte in einer aufgeklärten Gesellschaft erlaubt sein. Vor allem, wenn sie sonst keiner stellt…

     
  20. 5. rL

    Es sei gesagt, dass in diesen Fakten mit Sicherheit auch ein Bestandteil an Wahrheit enthalten ist. Dennoch sollte man sich auch als “Journalist” grundsätzlich die Frage stellen, wieviel gerechtfertigte(!!!) Kritik in einem Artikel enthalten sein darf. Dies bezieht sich vor allem auf den Bezug der griechischen Staatsanleihen.

    Ich meine behaupten zu können, dass selbst die “Besten, Intelligentesten, Erfahrensten” mit diesem Zustand – der wohlgemerkt in der gesamten EU herrscht – nicht unbedingt gerechnet haben.

    De facto ist der Schritt, Vermögen in Staatsanleihen zu investieren – in früheren Zeiten – als seriös zu beurteilen. Hätten die Spitzenleute in der Finanzdienstwelt von dieser Entwicklung gewusst, wären diese Anlagen wahrscheinlich nicht in der Art getätigt worden.

    Letztlich ist mit einem Investment immer ein gewisses Risiko verbunden. Aber würden Sie in 4 Jahren nicht genau den gleichen “Senf” berichten, wenn die Volksbank jetzt in deutsche Staatsanleihen investieren würde und die BRD innerhalb der nächsten 4 Jahre in die Schuldenkrise rasselt? (über Dinge die bereits gelaufen sind, kann man immer im großen Stil “meckern” – “hätte, wenn, aber”

    Ich teile Ihre Meinung jedoch, dass die Anlagestrategie einer Genossenschaftsbank in diese Investments grundsätzlich in Frage zu stellen ist.

     
  21. 4. Genosse

    @Bernd Derksen

    Sind Sie sich sicher, dass der heutige Aufsichtsrat der Voba Kleverland kompetent genug besetzt ist, um diese Bilanzstruktur (28% Spezialfond) zu verstehen und zu kontrollieren? Nach meinem Kenntnisstand hat zumindest der jetzige Aufsichtsratsvorsitzende schon den Vorgänger von Ruffing (Tunnissen?) als Aufsichtsratsvorsitzender kontrollieren oder soll ich besser sagen, dienen sollen.

     
  22. 3. Klaus Müller

    @rd: Danke danke und nochmal danke!
    Vielleicht gelingt ja nur so mal langsam ein umdenken in der Kund- und Bürgerschaft über die Selbstdarstellung der Herrn R. . Ich wünsche mir mehr Auf- und weniger Rückendeckung!

     
  23. 2. rd

    @Bernd Derksen Ich werfe auch gar nichts vor. Wenn jemand was vorgeworfen hat, dann die BaFin. Die Meinung der Bank dazu find ebenfalls Gehör. Jeder kann sich seine Meinung bilden – und das ist gut so. Ich dokumentiere nur, was in dieser Form bisher nicht bekannt war (in diesem Artikel), und zwar eine gewisse Unausgeglichenheit des Geschäfts – überspitzt ausgedrückt, erwirtschaften 200 Mitarbeiter der Bank im klassischen Bankgeschäft nicht einmal einen Bruchteil des Gewinns, den die drei (oder wieviele es sein mögen) hereinholen, die sich um den Spezialfonds kümmern. Und stelle ein paar Fragen.

     
  24. 1. Bernd Derksen

    Ich sehe weiterhin keinen mir substantiell und seriös erscheinenden Vorwurf. (Der nicht ebenso einem Großteil der anderen Banken zu machen wäre.)