Wer sich als Hundeliebhaber für einen Dackel als Haustier entschieden hat, signalisiert der Welt, dass er aufgegeben hat, daran zu glauben, dass Hunde auch folgsame und gehorsame Wesen sein können. „Dackel sind eigensinnige Tiere“, sagt Nancy Haag. „Wenn man sagt: ,Geh nach links!‘, gehen sie nach rechts.“ Verlässlich ist nur die Unverlässlichkeit, das Halten eines Dackels ist gelebte Anarchie.
Und doch – oder gerade deshalb? – ist der Dackel, von Jägern auch Teckel oder Dachshund genannt, in Deutschland der Hund der Stunde. Kürzlich traf ich im Café Belas einen alten Weggefährten, dreifacher Vater und nicht direkt der hingebungsvollen Tierbetreuung verdächtig, mit einem Hund auf dem Arm, ein junges Dackelchen, passenderweise Fritzi genannt. Kein Einzelfall. Nach Jahren, in denen die leicht trottelige Ergebenheit eines Labradors die Krönung des Hunderhalterglücks zu sein schien, wackeln einem allenthalben Dackel entgegen, und die meisten von ihnen benehmen sich, als litten sie an ADHS.
Vielleicht, aber das ist jetzt nur Spekulation, ist es so, dass der Hund einen Kontrapunkt zur empfundenen gesellschaftlichen Verfassung darzustellen hat. Also: liberale Zeiten, fügige Hunde. (Heraufziehende?) autoritäre Zeiten: rebellische Hunde.
Wie dem auch sei, auch der größte Quertreiber auf vier Beinen will geliebt werden. Und diese Liebe kann in Kleve bald stärker materialisiert werden als anderswo in der Welt, denn in der Kavarinerstraße 26 öffnet am 1. Oktober das Geschäft Kaartjefleur – das – gefühlt – weltweit erste Spezialgeschäft für Dackelbedarf. Natürlich gibt es Halsbänder und andere Arten des Geschirrs, aber verkauft werden sollen beispielsweise auch orthopädische Kissen für Dackel. „Alles nach eigenen Entwürfen handgefertigt“, versichert Nancy Haag, die das Geschäft gemeinsam mit ihrer Tochter Charlotte führen wird. Sie hatte das Angebot studiert, das bisher erhältlich ist und kam zu der Erkenntnis: „Das kann ich besser. Unsere Artikel sind außergewöhnlich. Wir wollen einen Unterschied machen.“
Im Internet waren die Artikel schon länger erhältlich, in Haags Fall ist es nun so, dass aus dem Business in der virtuellen Welt eines wurde, dass in einem echten Ladenlokal zu finden ist mit ganz normalen Öffnungszeiten. Zu finden sind neben Kuschelecken und ähnlichem für die Tiere auch Dekorationsgegenstände für das Heim, die sich dadurch auszeichnen, dass das Thema Dackel auf ihnen fortgeführt wird, beispielsweise eine Zinkglocke mit Dackelmotiv (6,95 Euro).
Streng genommen lassen sich in den Räumen an der Kavarinerstraße sogar zwei Geschäfte nieder. Das zweite Standbein, genannt I-Dogs, verkauft weiteren Hundebedarf aus eigener Herstellung.
Im Fall der Familie Haag lässt sich übrigens sagen, dass die Mitglieder das Hobby zum Beruf gemacht haben. Seit 1991 halten Nancy Haag und ihr Mann Dackel, aktuell sind es sogar gleich vier: Ylva, Ginny, Hindy und Coco.
Info Dackel: Der Dackel zeichnet sich durch seine niedrige, kurzläufige, langgestreckte, aber kompakte Gestalt aus. Er ist sehr muskulös, mit aufrechter Haltung des Kopfes und aufmerksamem Gesichtsausdruck. Die verkürzten Beine der Dackel sind das Resultat einer gezielten Selektion auf Chondrodysplasie und sind im Rassestandard verankert. Es gibt die Hunde in verschiedenen Größen und Fellvariationen: Langhaarteckel (LHT), Rauhaarteckel (RHT), Kurzhaarteckel (KHT) in jeweils vielen Farbvariationen. Die Zucht findet in Deutschland hauptsächlich im Deutschen Teckelklub 1888, im Internationalen Rasse-Jagd-Gebrauchshundeverband und – als rein jagdliche Zucht – im Verein für Jagdteckel statt. Dackel besitzen ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein. Dies ist bei der Jagd auf wehrhaftes Wild, insbesondere den Dachs (daher der Name Dachshund), sehr hilfreich. Im Dachs- oder Fuchsbau ist der Hund ein Alleinjäger und muss seine eigenen Entscheidungen treffen, da der Hundeführer ihn hier nicht leiten kann.
Ein großer Dackelfreund war der deutsche Kaiser Wilhelm II., der wie die Haags mehrere Dackel besaß, unter anderem Wadl und Hexe. Der Kaiserdackel Erdmann bekam sogar ein eigenes Grab. Der Dackel Waldi (95 % aller Dackel hießen früher so) war das Maskottchen der Olympischen Sommersppiele 1972 in München. Der Künstler Andy Warhol hatte als mehr oder minder treuen Begleiter einen Dackel namens Archie. Grand-Slam-Sieger Alexander Zverev nahm bei seinem French Open Sieg 2026 seinen Dackel Mishka mit auf die Siegerfotos.



Meine Oma väterlicherseits, hatte in den 70er Jahren nach meiner Erinnerung, auch einen Dackel namens Purzel. Den fand ich als Kleinkind richtig süss; übrigens waren Anfang ’99/2000, die Wackeldackel im Auto, der Trend schlechthin. Ich hatte mir aber keinen für mein damaliges Auto zugelegt.
In Regen sburg gibt es sogar ein Dackelmuseum mit angeschlossenem Dackelshop.