Ob mein Bruder, der Fahrradhändler, sich noch daran erinnert, weiß ich nicht, aber ich gehe mal davon aus, denn so etwas vergisst man normalerweise nicht. Er hatte in jungen Jahren, als das englische Wort Trainspotting dafür vermutlich noch nicht einmal erfunden war, das Hobby, an Bahnübergängen zu stehen und sich die vorbeifahrenden Loks anhand ihrer Nummer zu notieren. Er kannte den – verlässlichen – Fahrplan in- und auswendig und besaß am Ende ganze Blöcke voll mit diesen siebenstelligen Kombinationen (die letzte Zahl ist die Prüfziffer, die letzte Stelle der Summe, die sich ergibt, wenn die ungeraden Ziffern plus die mal zwei genommenen geraden Ziffern addiert werden), und ich garantiere, in diesen Blöcken stand hunderte Male, wenn nicht gar tausende Male die Ziffernkombination 218, die für eine Baureihe von Lokomotiven steht, die von Herstellern, deren Namen nach Kriegsgerät klingen, für die Deutsche Bahn, die damals noch Bundesbahn hieß, gebaut wurden: Krupp, Henschel, Krauss-Maffei, MaK. 218 128-7 war die Lok, deren Nummer er am häufigsten notiert hatte. Die Lokomotiven waren 79 Tonnen schwer und wurden von MTU-Dieselaggregaten angetrieben, die 2500 PS Leistung und noch mehr erzeugten. 3200 Liter Diesel fasste der Tank, genug für einen kleinen Swimmingpool. Lokomotiven der Baureihe 218 haben keinen verschließbaren Tankdeckel und waren daher bereits von Dieseldiebstählen großen Umfangs betroffen.
Es waren mächtige Maschinen, die da an einem vorbeidonnerten, wenn der Schrankenwärter die Schranken – zum Beispiel an der Peter-Eich-Straße – gesenkt hatte. Der Boden bebte, der Dieselruss wirbelte herum. All diese Erinnerungen indes wären vermutlich für immer untergegangen, wenn nicht seit wenigen Tagen jede fünfte Fahrt des RE 10 von Kleve nach Düsseldorf und zurück mit einer dieser betagten Lokomotiven plus dazugehörigen Waggons (Einstieg über Treppe, Türöffnung mit einem Hebel, der per Hand betätigt werden muss, Abteile) absolviert werden würde.
Das Verrückte: Die Reaktivierung der Museumslok (die bei einem Privatbesitzer gemietet wurde) ist eine Erfolgsgeschichte. Erstens fährt sie tatsächlich (abgesehen von einem kleinen Defekt gleich zu Beginn) und zweitens triggert sie das Sentimentalitätsgen vieler Fahrgäste. TikTok ist voll mit Videos des Zuges, an jedem Bahnsteig entlang der Strecke stehen Eisenbahnnostalgiker und machen Aufnahmen, während sie sich verstohlen eine rußgeschwärzte Träne aus dem Auge wischen.
Bekanntermaßen sind die Triebwagen, mit denen der Verkehr normalerweise abgewickelt wird, nahezu alle kaputt, und sie entbehren zudem jener Sexiness, wie sie ein so mächtiges Gerät wie eine Diesellok der Baureihe 218 mühelos auch noch nachmehr als fünf Jahrzehnten im Betrieb auszustrahlen imstande ist.
Demnächst sollen aber neue Wagen mit Elektroakkus kommen. Später als geplant, meine ich irgendwo gelesen zu haben. Allein schon deshalb: Sollte man nicht, um auf Nummer sicher zu gehen, vielleicht auch noch eine alte Dampflok mit H-Kennzeichen (?) reaktivieren, damit der Eisenbahnbetrieb wieder so verlässlich wird, wie er ca. von 1950-1980 war, bevor das Unternehmen zugrunde gerichtet wurde. Und warum nicht auch noch den freundlichen, bärtigen Mann aus dem Ruhestand zurückholen, der einem an einem echten Fahrkartenschalter in aller Seelenruhe in Kursbüchern blätterte und auf diese Weise Verbindungen in alle Welt zu Super-Sonderpreisen zusammenstellte, sie persönlich ausdruckte und einem die Tickets wie ein Wertpapier in einem Umschlag in die Hand drückte?
Die Frage muss gestellt werden: War früher doch alles besser?


@16
Ich bleibe übrigens dabei, dass die Kommunen den Verfall des Streckennetzes ebnefalls mit zu verantworten haben.
Wohnmobilstellplätze und schicke neue Schulbauten (hilft trotzdem nix, das KAG bleibt das KAG – bäh rümpf) sind allemal wichtiger als doofe Bahnhofs- und Rangiergleise.
@16
Schröder und Mehdorn haben es begeistert weiter runtergewirtschfatet. Die Grünen haben zugeguckt. (Radwege auf Bahnstrecken sind denen sowieso wesentlich lieber)
Merkel und Grube waren auch keinen Deut besser.
Merkel kann man zynisch zugutehalten das sie so desinteresssiert war, dass ihr bahnmässig ALLES am Arsch vorbeiging, – auch der Börsengang. Der einzige Fall wo sie durch ihr Nichtstun ausnahmesweise mal noch Schlimmeres verhindert haben könnte.
Warum das Streckennetz so ist wie es ist haben wir Helmut Kohl & co zu verdanken.
Also der CDU/CSU die die Bahn seit Jahrzehnten systematisch kaputt spart um das Auto zu hofieren.
In Oldenburg gibt es ebenfalls einen ehemaligen Bundesbahn-Lokführer, der jetzt mit seiner privaten 219 durch die Gegend düst. Sein Statement zum Zustand des Streckennetzes lässt ganz tief blicken….habe mal vorgespult, natürlich ist auch das ganze Video sehenswert. Auch die weiteren Reportagen über ihn.
https://www.youtube.com/watch?v=HJ_wi6QBlzM&t=567s
@13
Da setz ich noch einen drauf. 😀
https://de.wikipedia.org/wiki/Luhn-Algorithmus
Die Beschreibung zur Berechnung der Prüfziffer ist falsch.
Das merkt man schon daran, dass es bei der beschriebenen 218 128-7 nicht passt.
Die korrekte Berechnung ist hier gut dargestellt:
http://www.lokomotive-online.de/Eingang/Pruefziffer/pruefziffer.html
Hallo zusammen, und da sag noch Einer früher war nicht alles besser! Obwohl die Lokomotiven erst angeheizt werden mussten und zum Teil noch rangiert wurden kammen sie fast immer pünktlich an. Die alten Bahner verstanden ihren Job und das Material war zuverlässig. Heute fällt immer irgendwas aus, entweder ist es zu warm, zu kalt, es regnet oder welch unvorhersehbares Naturwunder es schneit. Hier im besten Deutschland aller Zeiten klappt doch nicht mehr viel. Ich weiß nicht ob die Stadt sich der Bahn oder die Bahn sich der Stadt angepasst hat, auf jedenfall passen beide wie fast aufs Auge!!
Nostalgie ist gut….sind wir schon so alt? Diese Garnituren fuhren noch um 2000 auf der Strecke im normalen Regelbetrieb.
Das einzige was den Zügen fehlt ist der barrierefreie Zugang, – was früher mit Personal an den Bahnhöfen und niveaugleichen Gleisquerungen nie ein Problem war.
Und man braucht einen Schaffner zum Türenschliessen. Früher war immer einer dabei. Mit Schlips und Uniform.
Klimaanlage ist überhaupt nicht notwendig. Kosten nur Wartung, Energie, belastet mit Kältemittel die Umwelt, und bringt nur 3 Tage im Jahr einen echten Nutzen.
Aber ich habe mir schon vor Jahrzehnten den Mund fusselg geredet….
Und jetzt kann man ja mal live testen, ob die Garnitur den Fahrplan einhalten kann.
Dann ist nämlich das Argument ‚Ja, die neuen Züge beschleunigen schneller und sind deshalb schneller unterwges‘ endgültig widerlegt. Ergibt sich eh aus den Vergleichen der Fahrzeiten der Fahrpläne von heute und z.B. 1980. Und damals gabs noch den Bahnhof Pfalzdorf zusätzlich.
Und dann raucht sie und sie bimmelt, rattert knattert dampft und faucht. Ruckelt, zuckelt, klappert, plappert bebt und bibbert, rollt und raucht….,
Bei mir rattert im Keller noch so eine Lok mit blau-weißen Wagen über die Märklin HO Bahn, alles noch analog…..
Ooh, da hat das Geschirr im Schrank ja wieder Wallfahrt. War eine Kunst die Hütte zu entrappeln früher, meine erste Bude war unmittelbar am Gleis.
Hallo,lokbi in ruhe.hab auf Dampf angefangen als Heizer U dann als lokführer mit türkischem heizer.so eine „Mistfirma,wie die DB AG hatten wir nicht.wir waren fast immer pünktlich auch im winter.dann kam die Dieselzeit U dann die elokzeit.da fing die „SCHRAUBEREI“an den Fahrzeiten statt.viele Aktionen die nix brachten.z.b.die Aktion ZEIGERSPRUNG unsw.
Wir haben oft im Unterricht gesagt,dass der Fahrgast pünktlich ankommen will u net 10 min.früher WG schnellerei fahrzeiten.aber so eine DB wie sie jetzt ist,ist NICHTMEHR unsere alte bundesbahn.überhaupt die zwei Buchstaben AG,ist lüge hoch drei.
Unruhestandslokführer
V.T. ehemals Bw Mhm.
Also die Firma hätte in ihrem Fuhrpark noch eine weitere Lok diesen Typs. (Und eine für diese Strecke leider unbrauchbare E-Lok) http://www.mz-eisenbahndienstleistungen.net/fuhrpark.html
☝🏼 Sentimental Journey ! 😁 Den 50ziger Blagen der Unterstadt rutschten die Kniestrümpfe a.d. Bahn Schranke wenn sich die Riesen Dampf Locks ( „Kriegs Lokomotiven“ Baureihe 52 ? ) mit Rädern größer wie sie, vom Bahnhof ⏩ Drehscheibe bewegten. Da vibrierte nicht nur die halbe Unterstadt . 🙄 😎
Kurz und knackig: leider in vielen Fällen ja, nicht nur mit Blick auf die Bahn.
Sehr schön…… vielleicht wäre es gar nicht so dumm, diesen Museumszug, (so lange es hier noch Diesel gibt) als „Alleinstellungsmerkmal“ für Kleve zu bewerben?
Es gibt ja auch andere Bahnstrecken in Deutschland, die bewusst alte Züge mit Tourismuserfolg, einsetzen.
Vielleicht werden die Niederländer dann sentimental und möchten dann die Strecke bis nach Nimwegen wieder reaktivieren?
😉
„War früher doch alles besser?“ – was die Bahn angeht: sicher. „Familiensilber“ zu verscherbeln war schon immer eine schlechte und zu kurz gedachte Idee. Danke an die überbezahlten und unterqualifizierten Manager und Politiker, die ein gut funktionierendes Staatsunternehmen in ein verlustreiches Wirtschaftsunternehmen transformiert haben. Systemrelevante Unternehmen gehören in Staatshand und müssen vor kurzfristig gedachtem Gewinnstreben geschützt werden.
Von dem Model habe ich auch noch eine Zuhause …
… gut verpackt seit den 79-er Jahren in einem Karton, in dem sich der Rest einer kleinen Märklin Eisenbahn befindet.