„Ein guter Tag für Kleve“, historische Einigung zwischen USK und NABU: Windrad in Salmorth darf gebaut werden

So wird das geplante Windrad (Nr. 1) sich in die Landschaft einfügen (Visualisierung: Stadt Kleve)

Wenn sich Seeadler oder Milane nähern, wird das Windrad stillstehen – dank einer Anti-Kollisions-Warnanlage, deren Installation es den Umweltbetrieben der Stadt Kleve (USK) nun ermöglichen wird, am Klärwerk in Salmorth eine Windenergieanlage zu bauen und somit einen Beitrag zur Energiewende zu leisten, ohne zugleich geschützten Vogelbestand zu schreddern. Das ist das Ergebnis eines Vergleichs, den die USK am Donnerstag mit dem Umweltverband NABU vor Gericht schlossen.

Beide Parteien verschickten eine gemeinsame Pressemitteilung, in der es heißt: „Das Windrad auf Salmorth darf gebaut werden – unter Berücksichtigung des Schutzes von Seeadler, Rotmilan und Schwarzmilan. Zudem tragen die Umweltbetriebe Stadt Kleve (USK) AöR, zukünftig jährlich mit einer finanziellen Unterstützung aus den Erträgen der Windenergieanlage (WEA) zur Entwicklung von Flächen im EU-Vogelschutzgebiet ,Unterer Niederrhein‘ bei, so die gestrige Vereinbarung zwischen NABU und USK vor dem Oberverwaltungsgericht Münster.“

„Eine Einigung im Sinne des Artenschutzes, konnten wir so doch das Risiko für gefährdete Vogelarten weitestgehend reduzieren und die Gefahr für den Vogelschutz am ,Unteren Niederrhein‘ abmildern“, erklärte Susanne Wangert, stellvertretende Vorsitzende des NABU Nordrhein-Westfalen.   

So wird mit Inbetriebnahme der Windenergieanlage ein Anti-Kollisions-System am Turm der WEA angebracht, das bei Sichtung des Seeadlers, des Rotmilans und des Schwarzmilans umgehend die WEA in den Trudelbetrieb versetzt und damit das Risiko für Greifvögel weitgehend reduziert. „Wir sehen hier eine Basis für eine künftige gute Zusammenarbeit des Naturschutzes mit den Umweltbetrieben Kleve“, so Monika Hertel, Vorsitzende des NABU Kreis Kleve weiter. Die Vögel knallen häufig gegen die Flügel von Windenergieanlagen, weil sie auf der Suche nach Beute nach unten gucken und nicht nach vorne.

„Wir haben eine Lösung gefunden, die allen Seiten gerecht wird und können nun rechtssicher die Windenergieanlage auf der Kläranlage bauen“, freut sich USK-Vorstand Karsten Koppetsch. Bürgermeister Markus Dahmen und Erster Beigeordneter und Stadtkämmerer Klaus Keysers, die ebenfalls zum Gerichtstermin in Münster anwesend waren, freuten sich ebenfalls über diese Einigung: „Ein guter Tag für Kleve und die Klimaschutzziele der Stadt Kleve“, sind sich beide einig.

Der NABU Nordrhein-Westfalen hatte gegen die Genehmigung einer Windenergieanlage der USK AöR durch das Land NRW in einer Enklave des EU-Vogelschutzgebietes auf Salmorth vor dem Oberverwaltungsgericht in Münster geklagt. Der NABU sah eine Verletzung der Europäischen Regelungen zur FFH- und zur Vogelschutzrichtlinie – insbesondere der Schutz von arktischen Wildgänsen, Wiesenvögeln und Seeadlern sei am Standort Salmorth nicht mehr gewährleistet. Vor Gericht schlossen beide Parteien gestern nun einen Vergleich.

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11 Kommentare

  1. 11

    Ich bewundere die schon buddhistisch anmutende Geduld und Gelassenheit von Karsten Koppetsch. Und die anderer Menschen in diesem jahrelang andauernden Prozess, der die Stadt Kleve viel Geld gekostet hat.

  2. 10

    Nur mal so zur Einordnung:

    Es sterben etwa 100.000 – 150.000 Vögel durch die ca 28.000 Windkraftanlagen im Land (ohne offshore) im Jahr.

    115.000.000 (!) sterben jährlich an Glasscheiben.

    Durch freilaufende Katzen sterben etwa 60.000.000 (!)
    Vögel im Jahr.

    Das ist ALLES tragisch, gleichzeitig trägt aber auch Windkraft dazu bei, den Lebensraum von Vögeln zu erhalten.

    Ich kann auch manchmal der Argumentation nicht folgen, warum welcher Vogel mehr schützenswert ist – von Bedrohung durch Aussterben mal abgesehen. Ich persönlich finde jeden Vogel schützenswert, der mir die (invasiven) Insekten im Garten wegfrisst 👍

    Vorschlag: Katzen genau so besteuern wie Hunde und von diesem Geld Lebensräume schaffen….👍

  3. 9

    Und jetzt bitte noch den Reichswald damit zubauen, dann haben die „Kein Nationalpark“ Leute ja ihren willen.

  4. 8

    Jetzt bräuchte es nur noch ein System der Bürgerbeteiligung an der Finanzierung. Wenn alle Klever Bürger Investoren werden könnten, würde das die Akzeptanz nochmal deutlich erhöhen. Eine „Bürgerwindrad“ , das wäre wirklich mal Was !

  5. 7

    wahhh… im letzten Jahr konnte man von Brienen bis Keeken regelmäßig einen Rotmilan beobachten, hatte ich hier Jahrzehnte nicht gesehen und mich richtig gefreut.

    Ich finde Windräder ja grundsätzlich sinnig und ein Standort am Klärwerk gefällt mir auch deutlich besser als einer im Wald aber ich mag Greifvögel sehr …. man man man.

    Ich werds überleben… hoffentlich „mein“ Rotmilan auch.

  6. 5

    Hoffentlich ist dort oft gutes Wetter. Bei schlechtem Wetter wie Regen, Schnee oder Nebel geht der praktische Nutzen des kamerabasierten Erkennungssystem nämlich gegen Null.

  7. 4

    Das ist doch Mal eine gute Entscheidung und der Standort ist auch gut gewählt……allerdings Frage ich mich gerade gibt’s das System auch für Rennrad Fahrer? Die schauen auch mehr nach unten als nach vorne 😉

  8. 3

    Das ist eine gute Entscheidung. Der Standort Salmorth ist auch grundsätzlich richtig.

    Die Entscheidung hat nichts mit eventuellen Windkraftanlagen im Reichswald zu tun.

    Zu denen gibt es diese Neuigkeiten (heute großer Bericht in der RP):
    Der Kreis Kleve hat eine Klage gegen beschleunigte Genehmigungsverfahren für WKA im Reichswald eingereicht. Am 14.01. wurde beim OVG Münster beantragt, die Festlegung von vier Windenergiebereichen als so genannte Beschleunigungsgebiete außer Vollzug zu setzen. Die Antwort soll laut OVG Ende Februar erfolgen. Das Ergebnis wird erstmal abgewartet.
    Dann könnte es ggf. noch einen Normenkontrollantrag gegen Änderungen im Regionalplan, also gegen die Ausweisung der 64 Hektar Windenergiebereiche im Reichswald geben. Laut RP wird die Klage derzeit im Auftrag des Kreistags vorbereitet

    Die Ausweisung von Beschleunigungsgebieten bedeutet u. a., dass keine Umweltverträglichkeitsprüfungen und keine artenschutzrechtlichen Prüfungen nach dem Bundesnaturschutzgesetz nachgewiesen werden müssen. Auch ist bei Beschleunigungsgebieten egal, ob es sich um ausgewiesene Natura-2000-Gebiet handelt. Außerdem wird die Prüfung auf Bewirtschaftungsziele nach dem Wasserhaushaltsgesetz obsolet.

    Weniger als 20 WKA könnten auf diesem beschleunigten Weg, gegen den der Kreis nun vorgeht, innerhalb von drei Monaten genehmigt werden. Das bedeutet für den Reichswald, dass Abo Energy die 11 WKA im Reichswald kurzfristig ohne weitere Prüfungen genehmigt bekommen würde.

    Ob das bei Abo Energy noch jemanden interessiert, ist nicht bekannt. Nach Rücknahme des Antrags für die WKA im letzten Jahr wurde noch kein neuer, aktualisierter Antrag eingereicht. Grund könnten die derzeitigen finanziellen Probleme von Abo Energy sein. Laut RP soll ein Stillhalteabkommen mit Gläubigern vereinbart worden sein, bis ein Sanierungsgutachten vorliegt.

  9. 2

    Seeadler, Rotmilan und Schwarzmilan werden nicht geschreddert. Das ist gut.

    Bleibt zu fragen, was ist mit den kleineren +10 Greifvogelarten?
    Greift diese Einrichtung bei denen auch?
    Was macht die Anlage mit den restlichen fast 400 kleineren Vogelarten in Kleve bzw. NRW ?

    Es wäre wirklich interessant zu erfahren, was diese technische Einrichtung tatsächlich kann – und was nicht.

  10. 1

    Die Woche fängt mit einer guten Nachricht an, obwohl es die Karnevalswoche ist. Das ist selten, ich freue mich. Mein ausdrücklicher Dank, ohne jegliche Häme und ohne satirischen Hintergrund, gilt allen an dieser Entscheidung beteiligten Personen und Körperschaften. Künftig kann nun nicht mehr behauptet werden, alle Klever seien nur hirnlose NIMBs. (NIMB = „Not in my backyard.“)

    Es bleibt nur eine bange Frage:
    Hat diese Entscheidung auch Einfluss auf den geplanten Windpark im Reichswald – und falls ja: Welchen Einfluss genau?