100 Prozent pleite! Strauss Innovation: Im Februar ist spätestens Schluss, sagt der Insolvenzverwalter

rd | 02. Dezember 2016, 15:33 | 12 Kommentare
Prozente als Konzept: Strauss Innovation

Bittere Nachrichten für die Mitarbeiter der Warenhauskette Strauss Innovation: Geschäftsbetrieb wird eingestellt

Das Ende der Prozente, die nächste Hiobsbotschaft im Advent: Für die Warenhauskette Strauss Innovation, die Klever Filiale am Fischmarkt eingeschlossen, ist spätestens Ende Februar Schluss, der Geschäftsbetrieb wird eingestellt. Dies teilte der Insolvenzverwalter Dr. Dirk Andres den Beschäftigten des Unternehmens heute mit. Ein schwerer Schlag für die Klever Innenstadt!

Hier die vollständige Pressemitteilung des Insolvenzverwalters:

Keine Fortführungslösung für Warenhauskette Strauss Innovation

Der Insolvenzverwalter des Unternehmens, Rechtsanwalt Dr. Dirk Andres, hat heute die rund 670 Beschäftigten über die anstehende Betriebseinstellung informiert
Da die Investorensuche ohne erfolgreichen Abschluss geblieben ist, kündigt Andres den stufenweisen Abverkauf bei der Langenfelder Warenhauskette an; das Gros der Filialen bleibt bis spätestens Ende Februar 2017 geöffnet

Der Insolvenzverwalter der Strauss Innovation GmbH, Rechtsanwalt Dr. Dirk Andres von der Kanzlei AndresPartner, wird den Geschäftsbetrieb der Langenfelder Warenhauskette stufenweise einstellen und mit dem Abverkauf beginnen. Das teilte er heute den rund 670 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in den bundesweit 57 Filialen und der Verwaltung mit.

Trotz intensiver Bemühungen konnte bisher kein Investor gefunden werden, der das Unternehmen und die Belegschaft übernimmt. „Ohne die Unterstützung durch einen oder mehrere Investoren ist es uns aufgrund von wirtschaftlichen und insolvenzrechtlichen Vorgaben nicht möglich, Strauss Innovation dauerhaft weiterzuführen”, sagte Andres, der seit Insolvenzantrag Ende September 2016 mit seinem Team intensiv an einer Fortführungslösung gearbeitet hat.

Nach derzeitigem Stand soll der Geschäftsbetrieb in den meisten der 57 Filialen bis Ende Februar 2017 aufrechterhalten werden. Dies gilt auch für die Filialen, deren Mietvertrag bereits zum 31. Dezember 2016 gekündigt ist. Hier kommt es darauf an, ob die jeweiligen Vermieter einer Verlängerung des Geschäftsbetriebs um einige Wochen über das Jahresende hinaus zustimmen. Gespräche dazu laufen. Bleibt die Einigung hierzu aus, wird der Geschäftsbetrieb entsprechend bereits zum 31. Dezember 2016 eingestellt. Verhandlungen zu Interessenausgleich und Sozialplan beginnen in der kommenden Woche.

Die Warenhauskette, die deutschlandweit 57 Verkaufsfilialen mit rund 670 Beschäftigten betreibt, hatte am 22. September 2016 bei zuständigen Amtsgericht in Düsseldorf Insolvenzantrag wegen Zahlungsunfähigkeit gestellt. Gestern hat das Gericht den Düsseldorfer Rechtsanwalt Dr. Dirk Andres, Partner der Kanzlei AndresPartner, zum Insolvenzverwalter der Strauss Innovation GmbH aus Langenfeld bestellt. Er war zuvor als vorläufiger Insolvenzverwalter damit befasst, die bestmögliche Lösung für die Warenhauskette und die Gläubiger zu finden.

Weitere Informationen:

Strauss Innovation ist eine Warenhauskette mit Sitz in Lagenfeld und beschäftigt bundesweit rund 670 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Seit 2014 ist dies der dritte Insolvenzantrag. Im Oktober 2015 war die Deutsche Mittelstandsholding GmbH (DMH) aus Frankfurt am Main als Investor eingestiegen, die seitdem große Teile des Handelsunternehmens fortführt.

Die Kanzlei AndresPartner, Rechtsanwälte & Steuerberater, Insolvenzverwaltung & Restrukturierung, Partnerschaft mbB hat sich auf die professionelle Bearbeitung von Insolvenzverfahren spezialisiert. Die Partner der Kanzlei, darunter Rechtsanwalt Dr. Dirk Andres, werden von Insolvenzgerichten in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Sachsen als Insolvenzverwalter und Treuhänder bestellt. In zahlreichen Verfahren unterstützten die Rechtsanwälte der Kanzlei Unternehmen auch als Restrukturierungsbeauftragte sowie Sachwalter bei Eigenverwaltungen. Zu den bekanntesten Sanierungen der Kanzlei zählen die Heitkamp BauHolding, die TELBA AG, die Manss Fruchthandelsgruppe sowie die Maxdata Gruppe.

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12 Kommentare - Sortierung: Neuester oben / Ältester oben
  1. 12. otto

    @9 Mv.A,

    erlaube mir, bei dem Du zu bleiben.

    Die beschriebenen Erkenntnisse betrachte ich nicht direkt als kontemplativ. Du kannst sie u.a. aus dem Werdegang von Dr. Peter Zürn, früherer Personalmanager und Leiter der Baden-Badener Gepräche, nachempfinden.

    Erinnerst du dich noch an „Blick durch die Wirtschaft“ , er hatte dort ständig eine Kolumne, die dich
    oft in eine bestimmte Richtung führte.

    Das mit dem Spielball bleibt eine Auffassungssache. Rupert Ley bevorzugte zur Auffrischung
    seiner Erkenntnisse die Besuche von Kinderspielplätzen, hier abseits von vorgefassten
    Meinungen und Verhaltensweisen liess er sich „schulen“, du verstehst was damit gemeint ist.

     
  2. 11. Heinz Seitz

    Hier wird ,zutreffend, geschildert welchen Einflüssen Betriebe ausgesetzt sind. Digitalisierung,Internet,Verbraucherverhalten und viele andere Dinge mehr!
    Wo sind die Themen die der Inhaber und/oder Geschäftsführer am ehesten
    beeinflussen kann. Mitarbeitermotivation, authentisches Handeln, Vorbildfunktion
    und ganz wichtig Standards. Wenn ich in wirtschaftlich guten Zeiten kostspielige
    Standards einrichte,muss ich diese auch in schlechten Zeiten bedienen.
    Zu den Standards gehören sicherlich auch Gehälter in den Führungspositionen, da scheint mir
    manchmal die Anpassung „verschlafen“ 🙂

    Oder man hat dies alles in den genannten Fällen vorausgesetzt.

     
  3. 10. Markus van Appeldorn

    @ 6. Husky
    Billiganbieter und Massenhersteller hin oder her. Es nutzt nix, dem Verbraucher oder Kunden vorzuwerfen, dass er ein Produkt nicht haben will. Die Produkte von B.O.S.S. waren offensichtlich nicht mehr in ausreichender Menge und/oder zum verlangten Preis gefragt. Wenn ein anderer so etwas günstiger in einer möglicherweise geringeren aber vom Markt als ausreichend akzeptierten Qualität anbietet, hat der höherpreisige Anbieter eben ein Problem. Dann muss man den Marktplatz wechseln. Möglicherweise gibt es auch einen Markt für qualitativ höherwertige Produkte. Wenn dem so ist, konnte B.O.S.S. diesen Markt aber nicht rentabel erschließen.

     
  4. 9. Markus van Appeldorn

    @ otto
    Danke für Ihre kontemplativen Worte zum 3. Advent. Und übrigens, Spielbälle sind gar nicht willenlos – ihr Wille wird bloß ignoriert.

     
  5. 8. Chewgum

    @7 Was wohl die B.O.S.S.-Mitarbeiter und andere in ähnlicher Situation dazu sagen würden? Das ist doch eher was für Leute mit sicherem Arbeitsplatz, denn manche Fakten lassen sich nicht wegmeditieren.

     
  6. 7. otto

    @3 @4,

    viele Wahrheiten habt ihr zusammengefasst. Wir sind jedoch alle Glieder einer industriellen Kette
    und eine unserer vielen Aufgaben besteht z.B. darin, Ethik und Freiheit zu bewahren. Das bedeutet
    ständige Arbeit an und mit uns selbst.

    Das -ich- ist dabei der innere Beobachter, das -mich- das Wahrgenommene.

    Ohne diese Arbeit an unserem Selbst werden wir zum willenlosen Spielball derer, die auf uns den unbamherzigen Druck ausüben und uns hierzu lediglich als geeignetes Werkzeug betrachten und benutzen.

     
  7. 6. Husky

    @3

    Digitalisierungsverlierer? Gerade der Digitalmarkt ist überschwemmt von Billiganbietern, deren Preise kann man nicht mitgehen. Digitalanbieter liefern Masse. Wenn du aber auf Qualität guckst kannst du das Vergessen.

    „Alles Digital“ war mal ein Schlagwort aus den frühen 2000ern. Boss hatte viel eher das Problem sich auf Zeug zu spezialisieren was zwar Preise bringt aber eben keinen Umsatz. Mach mal ne Farbabnahme mit nem Künstler, dass dauert Stunden in der Zeit steht so eine Maschine still und generiert Verlust.

     
  8. 5. Chewgum

    @4 Die Aufteilung von Kaiser’s Tengelmann durch die Einigung zwischen Edeka und Rewe rettet jedenfalls Arbeitsplätze. Aber tendenziell haben Sie wohl Recht. Wenn nachher viele Arbeitsplätze nur noch an ein paar Konzernen hängen, werden Politiker genau abwägen, was sie in Kauf nehmen (müssen). Da kann man nur hoffen, dass sie nicht auch noch im Aufsichtsrat des Unternehmens sitzen.

     
  9. 4. Ge.Org

    @Markus van Appeldorn, so ist es!

    Kritisch kann man höchstens bemerken, dass unser hausgemachtes, in keinem Fall natürlich gegebenes Wirtschaftssystem zwangsläufig mit immer höherer Frequenz zu Blasen und Konzentrationen führt und diese uns dann regelmäßig mit einem Knall um die Ohren fliegen. Man beachte nur den aktuellen Fall „Kaiser’s Tengelmann“ oder das drohende Chaos in Italien.

    Ich komme aus einer angrenzenden Branche. Seit dem ich hier tätig bin, seit ca. 20 Jahren, ist eine massive Verdichtung zu beobachten. Die Anzahl der „Player“ hat sich um mehr als 70% verringert, damit einhergehend sind die übrig gebliebenen Beteiligten immer größer geworden, die Innovation, die Kreativität, die Vielfältigkeit massiv gesunken, alles hat sich anonymisiert und die ganz großen diktieren weitestgehend die Regeln. Von einem Markt, einer Marktwirtschaft rücken wir immer weiter ab. Es etabliert sich, wie auch in der Politik, ein technokratisches System, ohne Mitbestimmung, demokratischer Strukturen oder gar ethischen Zielen und zerfrisst langsam unsere Freiheit.

    So lange wir das eigentlich nur als „Schmier“- Mittel bestimmte „Geld“, statt der Befriedigung der Bedürfnisse, dem Gemeinwohl, zum Ziel eines Systems machen und darauf hoffen, dass indirekt irgendwie alles gut läuft, wird sich daran nichts ändern.

    Meine Vision, wenn wir nicht grundlegende Bedingungen ändern: Es wird eine Hand voll Konzernen übrig bleiben, die mit finanziell gut ausgestatteten Argumenten die Politik immer mehr vereinnahmen und uns Bürgern bleibt nichts übrig, als unter immer mehr Druck Ethik und Freiheit über Bord zu werfen.

     
  10. 3. Markus van Appeldorn

    @1 Niederrheiner
    Taxi Tünnissen ist ne Klitsche, Strauss kein Klever Unternehmen und B.O.S.S. ein klassischer Digitalisierungsverlierer. Also so gesehen geht im Kleverland gor nix mehr „Berg ab“ als im Rest der Republik.

     
  11. 2. Jürgen Böll

    Tja dazu passt am 30.11.2016 schloß nach über 40 Jahren die VW und Audi Niederlassung, die in den Jahrzehnten an der Kalkarerstraße immer wieder verschiedene Inhaber hatte, endgültig die Türen. Alle Fahrzeuge wurden vom Gelände entfernt und nach Moers an den Hauptsitz oder andere Standorte der Gruppe transportiert.

     
  12. 1. Niederrheiner

    Taxi Tünnißen,Strauss Innovation, B.O.S.S., … was geht denn im Kleverland ab ! Geht es noch weiter „Berg ab“? Und das vor Weihnachten !