XOX-Investor Tjaden reißt Geduldsfaden, will Stadt verklagen

Ihm ist das Lachen vergangen: Udo Tjaden
Ihm ist das Lachen vergangen: Udo Tjaden

„In Kleve fragt man nicht: wie lautet der Antrag, sondern: wer hat ihn gestellt?“ (U. Tjaden)

Das Bild im Büro XOX-Investors Udo Tjaden zeigt ein Kleve, das es so nicht mehr gibt – ein Kleve von der Rampenbrücke aus gesehen. Die Überquerung der Bahnlinie nach Nimwegen wurde 2003 abgerissen. Von der Brücke aus bot sich eine prächtige Aussicht auf das andere Kleve – nicht auf das des Johann Moritz von Nassau, sondern auf das der Bensdorps und van den Berghs. Und der Maler, Manfred Knupp, hat, ohne dass er es damals ahnen konnte, mit diesem Bild auch den Kern eines schwelenden Konflikts erfasst, der nun zu eskalieren droht – Udo Tjaden ist mit seiner Geduld am Ende und erwägt eine Klage gegen die Stadt Kleve!

„Es ist schade, wenn man mit einer Klage weiterkommt als mit jahrelangen Gesprächen. Aber die Stadt Kleve ist sehr vergesslich, ihre eigenen Zusagen einzuhalten“, sagt Tjaden. Wenn Bürgermeister Theo Brauer kleveblog lesen würde, was er nicht tut, würde er spätestens jetzt im Erregungsmodus zum Telefonhörer greifen und irgendjemanden zusammenstauchen.

Doch die Beschwerde, die Tjaden vorträgt, ist in sich schlüssig, und sie wirft kein gutes Licht auf den Umgang der Stadt mit dem berechtigte Interesse eines Investors, dem in unmittelbarer Nähe der Innenstadt seit 1978 Immobilien auf einer Gesamtfläche von 50.000 Quadratmetern gehören.

Ihm gehört allerdings nicht alles, was auf dem Gemälde von Knupp zu sehen ist: Zum Immobilien-Imperium des aus Bremen stammenden Investors zählen die Gebäude der ehemaligen Kakaofabrik Bensdorps (links auf dem Bild) sowie die nördlichen davon gelegenen Hallen des Keksherstellers XOX.

Was in der rechten Hälfte zu sehen ist, sind die ehemaligen Union-Werke. Als Unilever die Produktionsstätte abstieß, sicherte sich der Klever Multiunternehmer Bernd Zevens den Besitz und versuchte sich eine Zeit lang in der Produktion von Margarine. Also links Tjaden, rechts Zevens.

Bekanntlich ging das Margarine-Unternehmen „Clever Stolz“ wenige Jahre später in Insolvenz, so dass die Produktion eingestellt wurde und eine große Industriebrache im Besitz der Zevens Grundbesitz übrig blieb. Auf dem Gelände wurde in den vergangenen Jahren reichlich abgerissen wurde, um Platz zu schaffen. Denn es gibt große Pläne…

Pläne hat auch Udo Tjaden, einen trägt er ständig in seinem Aktenkoffer mit sich. Der Entwurf sieht vor, in den riesigen, massiven Fabrikhallen Lichthöfe zu schaffen, so dass sie für vielerlei Nutzungsarten geeignet sind. Mit diesen Ideen beteiligte er sich an einem Projekt „Flächenpool.NRW“ der Bahnflächen-Entwicklungsgesellschaft (BEG).

Bei der Unterzeichnung der Vereinbarung im Jahre 2010 sagte Kämmerer Willibrod Haas: „Wir sehen deshalb in den Flächen ein großes Potenzial für die Zukunft. Wie das genau aussehen könnte, möchten wir mit den Eigentümern innerhalb des Projektes ausloten.“

In den Verträgen findet sich die Formulierung „bevorrechtigte Entwicklung“, die denen, die sich an dem Projekt beteiligen, zugesichert wird. Doch von einer „bevorrechtigten Entwicklung“ merkt Tjaden nichts – im Gegenteil. Während seine Immobilien planungstechnisch gewissermaßen auf Eis liegen, erstellte die Verwaltung für das Zevens-Areal bereits einen kompletten Bebauungsplan, obwohl der sich an dem ganzen Projekt überhaupt nicht beteiligt hatte.

„Wenn eine derart große Fläche wie das Union-Gelände mit einem Male entwickelt wird, hat das natürlich Auswirkungen auf den gesamten Wohnungsmarkt“, sagt Tjaden. „Sollte Herr Zevens den Bebaungsplan erhalten und sollten wir trotz unserer Teilnahme an dem BEG-Projekt leer ausgehen, werden wir erstmals in unserer Geschichte die Stadt auf Schadensersatz verklagen.“ In die Planungen hat Tjaden eigenen Angaben zufolge bisher rund 50.000 Euro investiert, hinzu kommen die jahrelangen Leerstände, die er in Kauf genommen habe.

Doch es geht nicht nur um Zevens. Aktuell beschäftigt sich die Verwaltung auch mit dem Plan eines Unternehmers aus Kevelaer, am Spoykanal Gebäude mit weiteren 150 Wohnungen zu errichten. Nur die Planungen für das Herzstück, das XOX-Gelände, so scheint es, kommen keinen Millimeter voran.

Zusätzliche Brisanz erhält der Konflikt dadurch, dass derzeit die Zugangsstraße zum XOX-Gelände abgesperrt ist – infolge von Kanalbauarbeiten, die sich noch weit bis ins Jahr 2015 hinziehen werden. Ausführendes Unternehmen ist die Firma mit dem roten Baggern, die Firma Loock – ein Unternehmen im Besitz von Bernd Zevens.

Tjaden zweifelt die Notwendigkeit dieser Baumaßnahme an und hat, gemeinsam mit einigen anderen Anwohnern, vor dem Verwaltungsgericht Duisburg gegen die Baumaßnahme und die Kostenverteilung geklagt. „Wo genau ist die Verbesserung?“, möchte er wissen.

Eigentlich hätte Udo Tjaden heute ein Gespräch beim Bürgermeister und der Verwaltungsspitze gehabt, doch dies sei wegen Terminschwierigkeiten kurzfristig abgesagt worden. „Vielleicht haben wir nicht genug Druck gemacht“, so Tjaden. Von seinem Vater habe er zwar gelernt, dass Immobilien mit Geduld zu tun haben – „aber er meinte ein bis zwei Jahre und nicht ein bis zwei Jahrzehnte“.

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31 Kommentare

  1. 28

    @Benno

    einfach mal lesen was ich geschrieben hab. Ich habe nicht von NRW geschrieben, sondern von Preussen, und das trifft f

     
  2. 20

    @19 Benno:

    Mit den meisten Punkten haben Sie ja durchaus Recht. Ich wollte auch nicht behaupten dass meine Thesen schon zu 100% eingetroffen sind, aber es n

     
  3. 15

    Wenn man als Klever einen mit den Mitarbeitern des Bau- und Planungsamtes zuvor abgestimmten Bauantrag f

     
  4. 3

    Theo liest Kleveblog und noch viel mehr – Plottke hat im der Diskussion beschwichtigt – jetzt weiss ich auch wieso die euch noch Interwievs geben Olaf – Theo ihr versteht euch