Wir leben im modernsten und aufgeklärtesten Deutschland aller Zeiten, und dann auch noch in einer Stadt, deren Wappentier aufgrund einer alten Sage der Schwan geworden ist, und doch, wenn man genauer hinschaut, blitzen manche Strukturen auf, die eher ans Mittelalter als an die Neuzeit erinnern.
2025 bezogen 417.000 Männer Elterngeld – gegenüber 1,2 Millionen Frauen. Die durchschnittliche voraussichtliche Bezugsdauer von Elterngeld bei Männern lag 2025 deutschlandweit bei 3,8 Monaten – Frauen planten 2025 durchschnittlich mit 14,9 Monaten Elterngeldbezug. (Männer in Berlin übrigens: 5,3 Monate.)
Der unbereinigte Gender Pay Gap (die geschlechtsspezifische Lohnlücke beim Bruttostundenverdienst) liegt in Deutschland aktuell bei 16 Prozent (Stand: aktueller Datenstand des Statistischen Bundesamts), was im Detail bedeutet, dass Frauen im Schnitt 22,81 Euro brutto pro Stunde verdienten, Männer hingegen 27,05 Euro (ein Unterschied von 4,24 Euro pro Stunde).
Als 2024 in Kleve der Unternehmerpreis verliehen wurde, standen am Ende 19 Männer und keine Frau auf der Bühne der Stadthalle, woraufhin auf kleveblog das böse Wort „Kabul“ fiel, was im nächsten Jahr immerhin zu ein paar geehrten Frauen führte.
Die Liste ließe um viele Beispiel verlängern, die auf männliche Befindlichkeiten und deren Störungen ausgerichtete Medizin wäre auch ein gefundenes Fressen, oder die zurzeit komplett männliche besetzte Spitze der Stadt Kleve (Dahmen, Keysers, Bomblat), aber wir bemühen uns heute hier einmal um kosmische Wholesomeness (das Wort lässt sich leider nicht vernünftig ins Deutsche übersetzen) und werfen deshalb einen Blick auf Familie Schwan im Kermisdahl.
Was sehen wir: Mutter, Vater und sechs Kinder machen gemeinsam einen Ausflug in ihrem Revier. Beide Elterntiere kümmern sich die ganze Zeit gemeinsam um den Nachwuchs, Vater Schwan muss nicht morgens ins Büro oder so. Die Kinder sind auch sehr diszipliniert, da tanzt keines mit ADHS oder so aus der Reihe. Beim Kindermachen stoppen die Elterntiere nicht bei einem oder zwei, sie machen routinemäßig gleich ein halbes Dutzend (und das pro Jahr). Ihr Nest bauen sie gemeinsam, und sie benutzen es Jahr für Jahr wieder.
Schwäne bleiben sich auch treu, da kennen sie nichts: Bei einer Gruppe von Höckerschwänen konnte festgestellt werden, dass von den erfolgreich brütenden Tieren 97 Prozent im Folgejahr mit demselben Partner brüteten. Dass sich Paare trennen, ist demnach extrem selten. So wurde beim Zwergschwan, der eine Lebensdauer von bis zu 27 Jahren hat, eine Paarbindung von wenigstens 19 Jahren festgestellt. Das hat aber auch Nachteile: Für ältere Schwäne, die ihren Partner verloren haben, ist es sehr schwierig, einen neuen Partner zu finden. Also wenn man irgendwo einsame alte Schwäne sieht, muss man sie irgendwie anders bei Laune halten. Wie, weiß ich jetzt aber auch nicht.

