Geranienoffensive bringt Demokratie in Gefahr

rd | 23. September 2007, 12:59 | 3 Kommentare

Politik, ganz unten, ist ein finsteres Geschäft. Manchmal sogar so finster, dass nicht einmal die Redezeit in den Ratssitzungen ausreicht, um die dunklen Machenschaften offen zu legen. Zum Beispiel in Kranenburg, wo die örtliche CDU offenbar eine Geranienoffensive veranstaltet, mit der sie die SPD so richtig vor sich hertreibt. Und wenn man gar nicht mehr weiter weiß, was macht man dann? Richtig, wir schreiben einen Leserbrief an die Lokalpresse. Und damit das schandhafte Treiben auch weltweit als solches gebrandmarkt wird, hier der Originaltext von Gaby Lohmann, Ratsmitglied der SPD-Fraktion in Kranenburg:

Im Rat der Gemeinde Kranenburg war Anfang des Jahres ein Beschluss gefasst worden: Es sollte ein Konzept zur Verschönerung der Gemeinde erstellt werden. Doch die CDU-Mehrheitsfraktion macht mal wieder einen Alleingang. Es werden Geranien-Arrangements in der Innenstadt verteilt, die leihweise aufgestellt werden, auf Kosten der Gemeinde wohlgemerkt. Und dann lassen sich CDU-Mitglieder für ein Pressebild ablichten, wo jedem Bürger suggeriert wird, die CDU spendet Blumenpyramiden. Der gültige Ratsbeschluss wurde nicht aufgehoben. Darauf angesprochen im Rat hat der Bürgermeister Steins keine Meinung. Das soll Demokratie sein? (…) Das ist das Demokratieverständnis der Kranenburger CDU! Da fragt man sich, lohnt es sich überhaupt noch zur Ratssitzung zu gehen?”

Das ist nicht einfach zu beantworten. Für Ratssitzungen spricht, dass es dort kostenlos Kaffee, Fruchtsäfte und Kekse gibt. Dagegen, dass man nicht zwischen verschiedenen Kaffeesorten wählen kann (Themoskannenplörre). Dafür spricht wiederum, dass es meistens warm und überdacht ist, dagegen, dass man – außer dem bereits vorher feststehenden Sitzungsgeld – nichts zusätzlich gewinnen kann, selbst wenn man mehrere Fragen hintereinander richtig beantwortet. Meine Meinung also: Die Demokratie in Kranenburg ist tatsächlich in ernster Gefahr – aber mit der Einführung von mehreren Gewinnstufen und zusätzlichen Jokern (Publikum, Telefon) könnte sie eventuell gerettet werden.

Dazu passt übrigens auch die Karikatur in der heutigen FAS. Müntefering zu Beck: “Wir müssen verhindern, dass entführte Flugzeuge abgeschossen werden dürfen – stell dir vor, da sind unsere letzten Wähler drin!”

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3 Kommentare - Sortierung: Neuester oben / Ältester oben
  1. 3. Sorge um Geranien-Günni | kleveblog

    […] Wer hätte gedacht, dass es in Kranenburg so spannend zugeht! Die SPD sieht die Demokratie in der 9844-Einwohner-Gemeinde vor dem Untergang ( mehr hier), die CDU errichtet monumentale Geranienpyramiden ( mehr hier), und nun muss der Mastermind hinter all dem Treiben, Bürgermeister Günter Steins, sozusagen durch die Blume (der Lokalpresse) erfahren, dass an seinem Stuhl gesägt wird. 2009 sind Wahlen, und laut NRZ sieht sich Geranien-Günter in der Pflicht, wieder anzutreten: “Ich habe Ziele für Kranenburg, die ich erreichen möchte.” […]

     
  2. 2. Kleves schönstes Café entdeckt | kleveblog

    […] Wenn der Mensch am Niederrhein eins kann, dann verweigern. Wehrdienst, Nachtisch, Freundlichkeit – Hauptsache, verweigern. In der Gastronomie hat es in dieser Hinsicht – trotz des großartigen Erfolgsbeispiels Whisky-Saloon, über das sogar Bücher geschrieben wurden, in jüngster Zeit einige bemerkenswerte Schwächeanfälle gegeben. Ja, ich spreche von den schicken Cafés mit dunkelbraunen Sitzmöbeln, viel Glas und Stahl und einer Auswahl aus Kaffeesorten, die entscheidungsschwache Menschen wie zum Beispiel Kranenburger Ratsmitglieder zurück in die Sitzungssäle oder an die heimische Thermoskanne treibt. […]

     
  3. 1. alfred merta

    mal durch die Blume gesagt: das ist witziger Journalismus, der ein noch größeres Publikum verdient hätte.