Die Stunde des Käseigels: Time to say good Bay

rd | 19. Mai 2011, 01:42 | 9 Kommentare

Why not? (Bis auf die Frikadellen links vom Käseigel) Foto: Kurier am Sonntag

Wir werden Zeuge eines politischen Erdbebens, wie es größer kaum vorstellbar ist: Auf der Versammlung der Kreis Klever Grünen im Uedemer Bürgerhaus setzten die Mitglieder ein »Zeichen gegen die zerstörerischen Mittel der Nahrungsmittelindustrie« und votierten mehrheitlich, dass das Catering bei Parteiveranstaltungen vegetarisch zu sein hat – es war die Stunde des Käseigels, der seit dem Neujahrsempfang 2011 im Museum Kurhaus (siehe Foto oben) die Ökofreaks elektrisiert und dessen Bild schon vor langer Zeit hier gehortet wurde, aber aufgrund einer geographischen Unpässlichkeit nachgereicht werden muss, was nunmehr geschehen ist.

Sonst war wenig Neues. Na gut, ein paar marginale personelle Veränderungen, wie z. B. die Wahl eines neuen Kreisvorstands. Der Michael wollte nämlich nicht mehr, er sagte: »Wenn Politik keine Lust mehr bereitet, soll man aufhören

Das heißt auf Deutsch: Bevor ihr mich abwählt, sage ich lieber, ich mag nicht mehr, irgendwie. Denn die Stimmung in der Partei ist zurzeit vergiftet, nicht zuletzt aus Gründen der Körperpflege. Michael Bays wohlwollende Äußerungen zum Millionengrab Flughafen Niederrhein sorgten bei den Parteifreunden ebenfalls für Verwirrung. Als Psychologe, der er ist, würde der nicht mehr angetretene Vorsitzende vermutlich von einer ödipalen Phase reden, in die seine Partei nunmehr eingetreten sei.

Nachfolger wurden Bruno Jöbkes (kein Gegenkandidat) sowie Birgitt Höhn (Rees), die sich in einer Kampfabstimmung knapp 27:23 gegen ihre Vorgängerin Anne Peters durchsetzte.

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  1. 9. Friedrich Foerster

    Ergänzender und berichtigender Nachtrag zu meinem Beitrag von gestern,
    nach Rücksprache mit Bruno Jöbkes:

    Der Begriff “Großschlachterei” ist in der Tat richtig!
    Denn er bezieht sich überhaupt nicht darauf, WIE VIELE Tiere in einer so bezeichneten Schlachterei geschlachtet werden, sondern vielmehr darauf, dass auch GROSSvieh dort geschlachtet wird, zum Beispiel Kühe, und nicht etwa nur Hühner.

     
  2. 8. rainer

    Hallo, ist die von arbeitenden steuerzahlern finanzierte Buffetreichhatigkeit (völlerei ist sünde !!!!) vegetarisch, lacto-vegetarisch, ovo-lacto-vegetarisch oder vegan, oder biotofu-esser die nicht wissen, dass auf dem weltmarkt kein soja gehandelt wird, der nich optimiert wurde. Kauft ein kalb, schaut in seine Augen, erschiesst es und esst es auf. aber bitte ganz. und nicht nur die Ökorippchen an jungen biokartöffelchen die in elektromobilen euch in den…

     
  3. 7. Besserwissen

    An der persönlichen Integrität des neuen Vorsitzenden zweifel ich in keiner Weise. Auch das Bio-Schlachten stört mich wenig! Allerdings beweisen die Grünen hier, dass sie dem eigenen moralischen Anspruch, der anderen Parteien ihrerseits gerne abgesprochen wird – siehe etwa CDU und die Atomwende – nicht gerecht werden. Die Lücke zwischen “Talk and Action” klafft auch in diesem Fall. Bald werden die Bürger hoffentlich auch diese Moralapostel an ihren Taten messen…

     
  4. 6. Friedrich Foerster

    @Besserwissen:

    Der neue Sprecher des bündnis-grünen Kreisverbandes, Bruno Jöbkes, ist Geschäftsführer der Bio-Schlachterei Thönes in Wachtendonk, also einer Schlachterei, in der nur Tiere aus Bio-Betrieben geschlachtet werden.

    Warum die “Rheinische Post” die Bio-Schlachterei Thönes eine “Großschlachterei” nennt, verstehe ich nicht so ganz.

    Hinzu kommt, dass der Name der Bio-Schlachterei Thönes ganz ähnlich klingt wie der Name der tatasächlichen Großschlachterei Tönnies des gleichnamigen Schalke-04-Großsponsors, der mit Bio nun wirklich gar nichts zu tun hat und immer wieder mal negative Schlagzeilen verursacht wegen angeblichen Lohndumpings oder Hygiene-Mängeln.

    Vielleicht hilft dieser Beitrag, die Dinge ein wenig gerade zu rücken und ins richtige Licht zu bringen? 😉

    Dass der neue Sprecher Bruno Jöbkes im bündnis-grünen Kreisverband menschlich und politisch völlig unumstritten ist, beweist wohl am deutlichsten sein einstimmiges Wahlergebnis ohne Gegenstimmen und Enthaltungen! 😉

     
  5. 5. ralf.daute

    @Besserwissen Das entbehrt in der Tat nicht einer gewissen Ironie! Hier übrigens eine sehr schöne Reportage dazu: Schöner schlachten (aus Effilee – Magazin für Essen und Leben). Schönstes Zitat: »Schweine spü­ren nicht, was ihnen bevor­steht«, erklärt der stu­dierte Geo­graf sach­lich. »Sie haben keine Vor­stel­lung von ihrem eige­nen Tod. Sie krie­gen nur Angst, wenn Hek­tik und Stress ver­brei­tet wird.« (Meine persönliche Meinung: Einer muss es ja machen. Und wenn es so betrieben wird, wie in dem Artikel beschrieben, habe ich nichts dagegen einzuwenden.)

     
  6. 4. Besserwissen

    Welch Ironie: Die Grünen wählen den Geschäftsführer einer Großschlachterei zum Vorsitzenden und beschliessen anschliessend die fleischerne Enthaltsamkeit! Das nenn ich mal eine eigenwillige Interpretation von Konsequenz..

     
  7. 3. rainer

    Hallo, “wenn politik keine lust mehr bereitet, soll man aufhören”. der satz könnte auch in einem film mit bruno ganz gesagt worden sein. ist er natürlich nicht, hilft der hohlheit der aussage aber nicht wirklich entgegen. die vorstellung dass ich krücken geh, damit menschen, die dazu lust haben, meine erwirtschafteten steuergelder “lustvoll” ausgeben…… äähhh gehts noch, oder soll ich mich schwarz anmalen und seine schuhe putzen

     
  8. 2. Bernd Derksen

    Bei dem politischen Highlight musste ich natürlich live dabei sein. Erst recht, weil ich seit kurzem God-Bay-Fan war… 😉

    Der Aufforderung von Herrn Habedank zur Anreise kam ich somit (nach einem Bad im Sternbusch 😉 ) gerne nach.

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    > Fr. Foerster schrieb: “Einen Vertrauens-Vorschuss hat dieser neue Kreisvorstand meines Erachtens jedenfalls verdient! “>

    Das kann ich nur unterstreichen.
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    Ich schaue mir gerade noch einen beiläufig mitgehörten und gleich notierten Ausdruck an:

    — “idiotischer Schweinehaufen” —

    Nun ja. Manche Begrifflichkeiten sagen nix über die Bezeichneten, aber viel über den (ursprünglichen) Bezeichner aus. Egal wie enttäuscht man über den Verlauf des gestrigen Abends und das Agieren anderer Mitglieder gewesen sein könnte.

    Vielleicht habe ich mich auch verhört. Die Hoffnung stirbt zuletzt…
    (Bei Gelegenheit werde ich nachfragen. Interessiert mich denn doch … )

     
  9. 1. Friedrich Foerster

    Glückwunsch zu so viel süffisanter Ironie!

    Dass nacheinander mit Birgitt Höhn aus Rees eine neue Sprecherin und mit Bruno Jöbkes aus Wachtendonk ein neuer Sprecher sowie mit Yvonne Stalder aus Goch eine Vertreterin der Grünen Jugend in den neuen Kreisvorstand gewählt worden sind – das ist zwar vielleicht noch kein politisches Erdbeben, aber doch Grund für Hoffen auf eine andere, bessere politische Kultur im bündnis-grünen Kreisverband.

    Einen Vertrauens-Vorschuss hat dieser neue Kreisvorstand meines Erachtens jedenfalls verdient!

    Bemerkenswert finde ich auch, dass ungefähr jedes vierte Kreisverbands-Mitglied anwesend war.
    Bemerkenswert ist vielleicht auch, dass der Ortsverband Kleve im neuen Kreisvorstand nicht mehr vertreten ist.

    Wer ernsthaftes Interesse an guter bündnis-grüner Politik im Kreis Kleve hat, wird sich seit gestern Abend ermutigt fühlen!