Einem bekannten psychologischen Modell zufolge gibt es fünf Phasen der Trauer, die da lauten: Verleugnung, Wut, Verhandeln, Depression und Akzeptanz. Bei der Galeria, die mittlerweile nur noch als Überrest eines einst stolzen Kaufhaus-Konzerns zu betrachten ist, sind vier nach der am Freitag beantragten vierten Insolvenz binnen sieben Jahren (2020, 2022, 2024, 2026) in der Phase der Depression angelangt, die sich dadurch auszeichnet, dass in den Wirtschaftsredaktionen aller Publikationen die Gelehrten zitiert werden, dass sich das Geschäftsmodell des Unternehmens längs überholt habe, dass die Unternehmensleitung zu spät aufs Internet gesetzt habe, dass das ganze in den Konzern hingepumpte Geld nur dazu verwendet worden sei, Löcher zu stopfen, ein einziges großes Gejammere also.
Die Phase des „Das kann doch nicht wahr sein!“ ist lange passé, die Wut über die vermeintliche Inkompetenz der Unternehmensführung ebenso, und auch die Episode des Verhandelns (vielleicht lässt sich ja doch noch was retten, auf Löhne verzichten, Filialen abstoßen, Mieten senken) gehört mittlerweile der Geschichte an. Es fehlt aber noch: die Akzeptanz.
Insbesondere der Generation der Boomer, die beispielsweise das Vorzeigehaus des Konzerns an der Schildergasse in Köln vor Weihnachten mit ungläubig staunenden Augen ob des überreichen Warenangebots, das einem wie der überladene Teller eines dekadenten römischen Festmahls erschien, besuchten, dürfte ein Leben ohne Karstadt/Kaufhof/Galeria undenkbar vorkommen. Doch, das steht zu vermuten, es wird kommen – für die Mitarbeiter eine Katastrophe, und auch für die Klever Innenstadt erst einmal alles andere als eine gute Nachricht. Doch immerhin hat Kleve das Glück, mit Bernd Zevens einen Besitzer der Immobilie zu haben, dem etwas an der Stadt liegt und der mit seinem Unternehmen gerade in Wesel (wo ihm ebenfalls die frühere Kaufhof-Immobilie gehört) den Beweis anzutreten versucht, dass die riesige Fläche auch „bespielt“ werden kann, wenn der einstige Mieter von der Fahne gegangen ist.
Was ließe sich nicht alles in dem Gebäude unterbringen, was derzeit mitten in Kleve fehlt (oder fehlplaziert positioniert ist) – ein Lebensmittelmarkt, eine Postfiliale, die Stadtbücherei, warum nicht die Volskhochschule?, warum nicht die Fraktionsbüros der Parteien (derzeit an der Landwehr im (politischen) Niemandsland)?, eine zentrale Paketstation?, ein echter Club im Untergeschoss?, ein paar Pop-up-Shops für Menschen, die neue Ideen ausprobieren möchten, ohne gleich ins ganz große Risiko zu gehen?, Schuster, Schlüsseldienst. Alles in allem wäre dies ein Konzept, dem der Gedanke der letzten großen Galeria-Restrukturierung zugrunde läge, nämlich aus dem Kaufhaus ein „lokales Forum“ zu machen. Nur ist es dem Konzern in den fünf Jahren seit dem Umbau nicht einmal gelungen, die kleine Bude links vom Eingang zu vermieten, geschweige denn, wie ursprünglich geplant, links unten ein Café zu eröffnen.
Vielleicht ist die Zeit gekommen, eine neue Zukunft zu akzeptieren – alles besser, als in der Phase der Depression hängen zu bleiben.


Ich habe noch immer nicht verstanden, warum die Volkshochschule oder die Bücherei dort einziehen bzw. mitten in der Stadt sein sollen. Als wenn man bei einem Stadtbummel sagt: oh, da ist die VHS da gehe ich doch mal rein.
Und wenn ich bei Galeria arbeiten würde, hätte ich mir schon längst einen anderen Job gesucht.
Übrigens: Ich als Boomer vermisse Galeria in keinster Weise. Das ist total aus der Zeit gefallen und kann weg.