Schaufenster werden Klaufenster: Blitzeinbrüche, der neue Verbrechenstrend in der Innenstadt

Kleve, halb zwölf: Männer räumen einen Elektronikshop aus

Die zwei Täter kamen um 23:33:38 Uhr, und sie verließen den Tatort um 23:34:20 Uhr, also exakt 42 Sekunden später. In dieser Zeitspanne, die im Grunde zu knapp ist, um einen Notruf bei der Polizei durchzugeben, zertrümmerten die beiden dunkel gekleideten Männer die Schaufensterscheibe eines Elektronikgeschäfts an der Wasserstraße und griffen sich aus den Auslagen, was sie mit den Händen erreichen konnten. Am Ende erbeuteten sie Waren im Wert von 1450 Euro, wie Inhaber Khalid Mammadov berichtet. Der Kofferraum der dunklen Limousine war so voll, dass die Heckklappe nicht beim ersten Zuschlagen zuschnappte.

Mammadov ist das jüngste Opfer einer neuen Verbrechensserie in Kleve, die bisher in erster Linie Inhaber von Tabakwarengeschäften betroffen hat: Schaufenster oder Ladentüren einschlagen, und dann binnen weniger Sekunden alles rausholen, was möglich ist. Der Spuk ist einer Minute vorbei, betroffen waren bisher schon einige „Tobacco-&-more“-Geschäfte des Kaufmanns Ingo Marks (er hat ein gutes Dutzend Dutzend dieser Läden). Aktuell ist die Ladentür des Geschäfts in der Straße An der Münze provisorisch repariert, ein paar Meter weiter hat es das Büdchen des Kölner Geschäftsmanns Halin Sahin getroffen. Dort wurde ebenfalls die Tür zertrümmert.

Was im neuesten Fall besonders schockiert: Die Täter haben offenbar gar keine Hemmungen mehr. Um halb zwölf sind in der Stadt noch Passanten unterwegs. Den Einbrechern war das egal. Sie fuhren gelassen rückwärts vors Geschäft, um nach vollendeter Tat gleich bequem flüchten zu können (andernfalls hätten sie wenden oder die Stadt an der Marktstraße hochfahren müssen). Die Polizei schreibt: „Ein Zeuge hörte das Glas klirren und schaute auf die Straße. Er sah den schwarzen PKW und eine männliche Person in einem schwarzen Kapuzenpullover vor dem Schaufenster. Auf einem Überwachungsvideo ist noch eine zweite, vermutlich männliche Person zu sehen, die ebenfalls Diebesgut in den Kofferraum des Wagens lädt.“

Juwelier gerammt (Foto: Polizei)

Neben diesen Geschäften betraf die Serie der Blitzeinbrüche am 30. Dezember auch einen Juwelier an der Hagschen Straße. Unbekannte rammten in den frühen Morgenstunden mit einem gestohlenen Volvo V40 die Schaufensterscheibe des Geschäfts „Royal Gold Juwelier“ und bedienten sich. Die Täter hatten sogar extra einen Holzkeil mitgebracht, um eine kleine Höhendifferenz zwischen Schaufenster und Straße zu überbrücken.

Tür zertrümmert (I)
Tür zertrümmert (II)

Ingo Marks wurde mittlerweile schon viermal Opfer von Einbrechern – die Geschäfte in Kranenburg, Kellen sowie zwei in Kleve bekamen in den Nachtstunden ungebetenen Besuch. Der Wert der erbeuteten Waren liegt jeweils im vierstelligen Bereich. „Und am Ende heißt es immer: Der Täter konnte nicht ermittelt werden“, sagt Marks in einem Gespräch mit der Rheinischen Post. Einen Vorwurf will er den Beamten aber nicht machen, die Polizei sei auch nur mit begrenzten Ressourcen ausgestattet.

Die Kripo Kleve hat die Ermittlungen aufgenommen und bittet weitere Zeugen, die Angaben zu dem Einbruch machen können, sich unter 02821 5040 zu melden. 

Deine Meinung zählt: