Auf dem Bürgersteig stehen Plastiktische mit rotkarierten Decken, der Kraftfahrzeugverkehr auf der Emmericher Straße imitiert das Meeresrauschen, und der Blick des Besuchers richtet sich zwar nicht gen Amalfi sondern nur gen Aldi, aber insgesamt geht es in Kleve derzeit italienischer nicht – denn endlich gibt es in der Stadt wieder eine echte Pizzeria! Antonio Russo hat in der vergangenen Woche nach drei Jahren Pause seine Pizzeria Primavera in Kellen wiedereröffnet – der zweite Frühling, sozusagen.
Werbung hat der gebürtige Neapolitaner keine gemacht, und schon die ersten Geschäftstage zeigten, dass diese wohl auch nicht nötig war. Die Tische waren alle besetzt, frühere Stammkunden kamen bis aus Goch zurück nach Kellen, um sich davon zu überzeugen, dass der 57 Jahre alte Pizzabäcker tatsächlich wieder Teigfladen durch die Luft wirbelt, sie anschließend belegt und sodann in den Ofen schiebt.

Apropos Ofen: Dieses Gerät, die Kernausstattung einer Pizzeria, war der Grund dafür, dass Antonio vor drei Jahren sein kleines Lokal schloss. Als er nach Corona weitermachen wollte, waren die Energiepreise explodiert. Sein ursprünglicher Versorger war in Konkurs gegangen, das neue Angebot sah Stromkosten in Höhe von viertausend Euro monatlich vor, viel zu viel für die kleine Pizzeria. Schweren Herzens stellte Antonio Russo den Betrieb ein.
Doch, so Russo, „mein Herz schlägt für Pizza“. Neapel ist bekanntlich die Welthauptstadt des Pizzawesens, und von dort aus nahm er vor 32 Jahren seine Expertise mit Deutschland und zeigte den Menschen auf der anderen Seite der Alpen, wie eine echte italienische Pizza auszusehen und zu schmecken hat. Bis zur Schließung führte er 13 Jahre das Primavera an der Emmericher Straße. Und genau dort geht es jetzt weiter, weil die Energiefrage gelöst werden konnte. In der Mitte des Gastraums steht nun ein Pizzaofen, der mit Gas betrieben wird. Mit der Anschaffung konnten die Kosten gesenkt werden.

Auf der Karte hat Antonio Russo alle klassischen Pizzen, dazu eigene Kreationen (die Preise beginnen ab 14 Euro) und einige Eigenentwicklungen wie beispielsweise Pizza Hamburger (19 Euro). Die beiden getesteten Modelle (Napoli und Parmesan/Rucola/Schinken) waren perfekt. Abholung ist möglich, geliefert wird indes nicht.


kleveblog lesen, dabei gewesen 😉 https://rp-online.de/nrw/staedte/kleve/kleve-pizzeria-primavera-eroeffnet-mit-rekord-pizza-fertig-in-einer-minute_aid-131550009
@22 Ich hätte jetzt auch noch das ein oder andere Beispiel…
Aber das kann doch jetzt kein Argument dafür sein, sich die Emmericher Straße schön zu reden… zumal da überhaupt kein annehmbares Energielevel ist.
In einem Restaurant in Kleve wurde der Preis für Frühlingsrollen mal eben kurzerhand von 4 Euro auf 6 Euro erhöht. 50 Prozent. Auf Nachfrage, warum so viel: Es wird ja alles teurer…
Anderes Restaurant: Heringsstipp, Bratkartoffeln und Salatdeko für 20, 90 Euro. Der Rest der Karte ging in die gleiche Richtung. Auch wenn ich das bezahlen könnte, geht das für mich nicht. Kinder waren dort nicht zu sehen.
Das chinesische Restaurant hat sich erledigt. Und Hering aus dem Supermarkt schmeckt auch.
Mein aktuelles Homeoffice-Sommer-Lieblingsessen: Bulgur-Salat von Rewe (200 g für 0,99 Euro), Tsatziki, Schlangengurken-Stücke und darüber etwas Olivenöl. Insgesamt für ca. 3 Euro.
Einige Kommentare verübeln die Lage an der Emmericher Straße…
Mit Verlaub: Geht doch mal nach Berlin-Kreuzberg, z.B. Skalitzer Straße. Dort stellt man 2 Tische an einem Baum, nennt das „Biergarten“ – und mindestens 3.000 Autos fahren in der Stunde vorbei; Gegenüber “ Cotbusser Tor“ der U/S-Bahn, wo des öfteren im Drogenmilieu gestorben wird…
Also – „Sich nicht wohl fühlen“… ist realtiv !!!
Pardon – eine „echte“ ( und total leckere) Pizzeria gibt es schon seit Jahren auf der Königsallee:
https://mos-pizza-pasta.de/
@17 Whatamess
Da kann man natürlich heutzutage ins Grübeln kommen, wenn im Einkauf der Literpreis vor Steuer zb. bei ca. 2.40 Euro läge, und das Bierglas 0.3 l dazu, ca. 3.50 Euro kostet. Personalkosten und andere Betriebskosten, hin und her. Man sollte meiner Meinung nach, auch mal alles im Rahmen lassen. Ich kenne auch Gastronomen in Kleve, die nehmen für 0.25 ltr., ca. 3 Euro. Es gibt immer Menschen, die das bezahlen. Aber Kleve ist nicht zb. Düsseldorf. Meine Meinung und Erfahrung. Soll auch jeder für sich entscheiden. Man kann, wie der Vorredner anmerkte, auch zuhause, sein Bier genießen. Aber es hat ja auch etwas, mit den sozialen Kontakten zutun, die man evtl. zuhause nicht hat. Aber ab und zu, sollte man sich dieses Exklusive gönnen, und nicht auf den Preis schauen. Aber alles in Maßen.
@18rd „… dafür bekommt der Gast aber auch etwas“ – ja, klar… einen (meist) trockenen Steh- oder Sitzplatz (= Raumkosten), Bedienung (= Personalkosten), ein mehr oder weniger kaltes oder heisses Getränk bei mehr oder weniger romantischer Beleuchtung (= Energiekosten), nette oder manchmal auch weniger nette Gesellschaft (= ausser im Bordell i. d. R. gratis)… und dann möchte sich der Samariter hinter der Theke auch noch das Eine oder Andere Gadget leisten. Ach ja, der Sinn jeden wirtschaftlichen Handelns ist: Gewinnmaximierung und nicht Erreichung des break-even-points. Und die „Spielverderber“, die da nicht mitspielen können oder wollen, bleiben halt daheim und müssen leider auf dieses gesellschaftliche Erlebnis verzichten. Welche Marge wäre denn da „angemessen“? (Rhethorische Frage, da Angebot und Nachfrage und weniger der „emotionale Benefit“ den Markt regeln) 😉
@Whatamess Die Marge ist mal höher und mal niedriger als der handelsübliche Satz (auch innerhalb eines Betriebes), aber dafür bekommt der Gast natürlich auch etwas – wer sein Bier aber lieber zu Hause trinken möchte, kann das ja auch gerne tun.
@9 rd „… da man sonst nicht überleben kann“ Die Frage ist, ob Margen von 300 bis teilweise über 500 % zum „Überleben“ eines gastronomischen Betriebes nötig sind… als Referenz mal einfach 0,5 l Flasche Erdinger Weizen bei Rewe: 1,29 € – in der Gastronomie habe ich Preise zwischen 4,20 € bis 5,80 € gesehen (Zentrale noch 4,90 €?)
Ich verstehe den Preisdruck für ein Gericht oder Pizza in Restaurants oder Pizzarien mit eingesetztem Material-; Personal-, Stromkosten, sowie Lokalmiete, Krankenkasse, Berufsgenossenschaft, Wagnis und Gewinn et cetera
Aber bei den heutzutage aufgerufenen Preisen bin ich raus!
Meine Pizzen backe ich schon seit Jahren nur noch nach einem alten italienischem Familienrezept selbst, draußen auf dem heißen Stein im extra Pizzaofen.
Da kommt kein Restaurantpizza ran.
Hallo mal kurz,
Hier geht es doch darum das ein Neapolitaner der sein Leben lang mit Liebe zur Pizza und zu italienischer Küche wieder da ist.
Er liebt was er kocht…bravo Antonio….👍
@12 Ge.Org
Danke für den Tipp, die Europa-Eisdiele kenne ich noch nicht.
Nachdem Alpago in Weeze geschlossen hatte, habe ich mich Richtung Nütterden orientiert 😉
Panna & Cioccolato hat halt das Konzept Selbstbedienung bzw. nur Bedienung an der Theke. Aber das Eis von Vincenzo ist einfach hervorragend. Ob es besser ist als von der Europa-Eisdiele, kann ich natürlich nicht sagen.
Aber kennen Sie das Gefühl: Es ist so geil, dass man gar nichts Anderes ausprobieren will.
Ja super das die Pizzeria wieder geöffnet hat auf der Emmericherst. Nur leider sehr schade das sie so ungünstig direkt an der Emmericherst liegt wo viel zu viele Autos lang fahren. Aber davon mal ab viel Glück beim Neustart 👍✌️
Sehr gute Nachricht! Schade nur, dass der Standort nicht gerade einladend ist. Hier wird dann auch deutlich, welche Defizite Kleve hat – insbesondere, wenn es um Aufenthaltsqualität und stimmige Umgebung geht. Eine Pizzeria sollte ja mehr sein als nur ein Drive-in. Man möchte sich gerne aufhalten, vielleicht noch spazieren gehen, die Umgebung genießen – da spielt das Gesamtbild eine entscheidende Rolle.
@7, Chewgum, was die Eisdiele in Nütterden betrifft, halte ich sie persönlich inzwischen für überbewertet. Mittlerweile ziehe ich die Europa-Eisdiele in Kevelaer vor – nicht nur, weil die Qualität mindestens gleichwertig ist, sondern vor allem wegen des stimmigen Gesamtpakets: angenehmes Ambiente, sensationelle Lage, hochwertiges Umfeld mit bester Aufenthaltsqualität, deutlich bessere Preise und, ganz wichtig, ein sehr sympathischer Tischservice – letzterer fehlt in Nütterden leider komplett. Hier trifft man interessante Menschen, kommt schnell ins Gespräch, das ganze Paket lädt zu langer Verweildauer ein. Unbedingt einmal ausprobieren!
„Wer kann Gastronomie als Familie mit Kindern noch bezahlen?“
Deshalb sieht man nur noch wenige Familien in Restaurants etc.
@rd Glaube, dass da zwischen den Preisen der Zentrale und manchen Restaurantpreisen schon noch ein großer Unterschied ist. Bei Getränken ist ein bestimmtes Niveau immer ok, weil es sonst tatsächlich nicht funktioniert. Aber Preise für Speisen sind mittlerweile oft einfach unangemessen hoch, finde ich. Und das bei weniger Personal.
@8. Pizzalover
Ab 14€ ist, glaube ich, für die Eigenkreationen. Pizza Margherita gibt es, glaube ich, noch für 9€, aber trotzdem deine Sorge ist korrekt. Ich habe mir aus dem Grund für ca. 250€ einen kleinen Pizzaofen angeschafft. Die Kinder haben einen Riesenspaß beim selbermachen, lernen nebenbei etwas in der Küche und auf Dauer spart es eine Menge Geld insbs. bei den Getränken und mein Lieblingsbier gibt es auch noch zuhause. Sorry liebe Gastronomen, ich verstehe ja den Kostendruck, aber Essen gehen wir nur noch zu speziellen Anlässen und nicht mehr mal so zwischendurch. Ist kein Vorwurf.
@Pizzalover Da ich ja selbst in der Gastronomie tätig bin, weiß ich, dass die Preise ein bestimmtes Niveau haben müssen, da man sonst nicht überleben kann. Es ist evtl. weniger eine Frage der hohen Preise als des niedrigen Einkommens (aber dafür sind andere verantwortlich).
…die Preise beginnen ab 14 Euro und einige Eigenentwicklungen wie beispielsweise Pizza Hamburger 19 Euro…
Wenn Papa und Mama mit ihren beiden Kidis Pizza essen gehen, nehmen wir einen Schnitt von 16,50 Euro pro Pizza, + 4 x Cola 0,25 ml >>> 78,00 Euro – wenn man denn nix extra wie Salat oder je 1 weiteres Getränk dazu bestellt – landet man ggf. mit Trinkgeld in Richtung 100,00 Euro …
Primavera stellt sicher keine Ausname dar. Doch, dass ist doch alles nicht mehr normal.
Wer kann Gastronomie als Familie mit Kindern noch bezahlen?
@6 Stimmt.
Bei der Eisdiele in Nütterden sind sich aber viele einig. Mein Favorit dieses Jahr ist Rhabarbereis.
Jeder hat, eine eigene Sicht und Wahrnehmung von „besten“ Pizzen und Eis. Verallgemeinern, kann man das nicht. Das ist allerdings nur meine Meinung.
Klasse. Ein Geschäft mehr in Kellen. Ist doch super. Die Eisdiele nebenan ist übrigens die mit dem leckersten Eis. Neben der Eisdiele auf der Triftstr. in Kleve
Die beste Pizza in Kleve👍
Die haben auch noch alles andere der italienischen Küche. Eine Pizzeria ist für mich ein Laden, in dem es fast nur Pizza gibt.
Wo muss ich hin kommen ?
Wenn ein Neapolitaner Pizza backt, muss man wohl hin. Allerdings nur zum Mitnehmen, die Außenplätze an der Emmericher Straße sind nicht so günstig.
Btw: Ist Bacco Due keine richtige Pizzeria?