Als Markus Dahmen am Sonntagnachmittag mit seiner Frau Ute Böhmer zusammen saß und die beiden darüber spekulierten, wie die Bürgermeisterwahl ausgehen wird, traten bei dem Ehepaar Differenzen auf. Dahmen tippte auf plus minus 35 Prozent, Böhmer meinte: „Das wird knapp.“ Die bessere Hälfte sollte Recht behalten. Es wurde richtig knapp, irgendwann kurz vor Ende der Auszählung lagen die beiden Kandidaten exakt elf Stimmen auseinander.
Als am Ende exakt 18.480 Stimmen ausgezählt waren, hatte Amtsinhaber Wolfgang Gebing 8051 davon auf sich vereinigen können, was einen Stimmenanteil von 43,9 Prozent entspricht. Der Herausforderer Markus Dahmen kam auf 7895 Stimmen, also auf 43,0 Prozent. Die beiden Kandidaten trennten gerade einmal 156 Stimmen.
Dementsprechend gut gelaunt stattete Dahmen erst der SPD, die an ihrem Sitz an der Wiesenstraße zusammengekommen war, und dann den Offenen Klevern und Grünen, die sich in der Gaststätte Zentrale versammelt hatten, Besuche ab und ließ sich feiern. Die 43 Prozent seien ein guter Start, nun gelte es, alle Kräfte zu bündeln, um in 14 Tagen über die 50 Prozent zu kommen.
Aller Wahrscheinlichkeit nach wird dies erneut ein knappes Rennen werden, für das Vorhersagen nur schwer zu treffen sind.
Als erstes darf gemutmaßt werden, dass die AfD, deren Kandidat Dirk Kaiser immerhin 2397 Stimmen erhielt, sich für keinen der beiden Kandidaten aussprechen wird, gehören sie doch aus der Perspektive der AfD zu den „Altparteien“, deren Politik nach ihrer Meinung dazu geführt hat, dass Stadt und Land dem Untergang entgegen taumeln. Sollte es wider Erwarten doch eine Empfehlung geben, wird der betroffene Kandidat vermutlich sagen, dass er auf diese Stimmen keinen Wert lege.
Nächster Punkt ist die Wahlbeteiligung an sich. 18.000 Klever beteiligten sich an der Bürgermeisterwahl. Zum Vergleich: An der Stichwahl zwischen Sonja Northing und Wolfgang Gebing vor fünf Jahren nahmen nur rund 14.000 Kleverinnen und Klever teil. Die Wahl wird dadurch entschieden, wer seine Anhänger besser mobilisieren kann.
Wer am Sonntagabend im Kolpinghaus zu Gast war, wo sich die CDU traditionell nach den Wahlen trifft, musste zunächst staunend zur Kenntnis nehmen, dass Wolfgang Gebing zunächst dort gar nicht zu sehen war, erst recht spät zu seinen Parteikollegen hinzustieß und dann auch nur eine kurze Rede hielt. „Jetzt müssen wir noch zwei Wochen Spitzenwahlkampf betreiben“, sagte er, freute sich über die Erfolge seiner Partei und lobte Georg Hiob und Andrea Schwiete für ihre Arbeit.
Dennoch war durchaus Unmut vernehmbar darüber, dass der Amtsinhaber in der Öffentlichkeit nicht so präsent erschienen ist wie sein Vorvorgänger Theo Brauer, der mit schlafwandlerischer Sicherheit Kameraobjektive im Umkreis von hundert Kilometern suchte und fand. Nun ist die Frage, wie sehr sich die durch das gute Wahlergebnis insgesamt gestärkt fühlende Klever CDU, dazu motivieren lässt, ihren Frontmann auch noch über die Ziellinie zu schieben.


@17. SpoyBoy
Vielleicht hat die CDU-Fraktion aus ihrem Fehler was dazu gelernt?
Augen auf! Wenn die Bürgerinnen und Bürger die Politik der letzten Jahre genauso aufmerksam betrachtet haben wie einige Kommentatoren das Bild, dann Gute Nacht. Herr Gebing hört zu und fixiert dabei seine Hände. Herr Gebing kann recht gut zuhören, analysieren und entscheiden, eine Fähigkeit die der Mitbewerber bislang vermissen ließ.
@10
Die CDU-Fraktion hatte aber auch nix gegen Rauer. Im Gegenteil.
@12
Na, dann schaun mer mal ob die CDU bzgl. Bomblat auf deren Mithilfe verzichtet…. bin SEHR gespannt.
🙂
Brauer-Nostalgie ist ja wohl fehl am Platze…
@13 André Gerritzen
„Nicht zu vergessen das sich die Union auf Bundesebene immer mehr der AfD annähert“
Könnten Sie bitte erläutern, inwiefern genau sich die Union Ihrer Meinung nach der AfD „immer mehr“ annähert?
Bei mir stellt sich die Frage wieviele der AfD-Wähler doch wählen gegen um einen Kandidaten zu verhindern der von den Grünen unterstützt wird.
In den Köpfen vieler Afdler sind die Grünen ja eine mordlustige Verbrecherbande und ich weiß nicht wieviele der 13,1% noch so vernünftig sind das in ihren Augen „kleinere Übel Wolfgang Gebbing“ zu wählen.
Nicht zu vergessen das sich die Union auf Bundesebene immer mehr der AfD annähert und viele AfD-Wähler nicht zwischen Kommunal und Bund unterscheidnen (können).
Das könnte für Herrn Gebing einige endscheidende Stimmen bringen.
@spoyboy: Theodor Brauer hätte wahrscheinlich auch Corona verhindert und, wäre er länger Berater der Volksbank Kleverland gewesen, auch Frank Ruffing gerettet. (Ironie off).
Die heutige Zeit ist eine völlig andere als noch vor 10 Jahren. Es gibt ganz andere Probleme zu lösen und das Geld wird knapper. Der Ruf nach bezahlbarem Wohnraum, mehr Kitas usw. muss auch finanziert werden. Das ist eine große, jedoch notwendige Herausforderung und schwer zu lösen.
Ein Bürgermeister, der bisher kein politisches Amt innehatte und von 5 Parteien mit wenig gutem Wahlergebnis getragen wird, dürfte es in dieser Zeit sehr, sehr schwer haben, etwas in Bewegung zu bringen. Zumal er selbst seit Jahrzehnten Teil der städtischen Bürokratie ist, wird der dort sehr wenig Veränderung bringen können.
Mich freut es, dass Kleve nicht zu einer blauen Hochburg geworden ist. Die haben – außer gegen alles zu sein und negative Stimmung zu machen – NICHTS zu bieten.
@8 mutige Worte für das schwarze Kleve! 😉
Ich denke aber auch eher, dass Herr Gebing zuhört anstatt sich desinteressiert zu geben. Die paar Male, die ich indirekt mit ihm zu tun hatte, stand er ähnlich herum, wenn man ihm etwas vorgetragen hatte. Dadurch, dass sich dann aber etwas verändert hat, wussten wir, dass er uns zugehört hat.
@8. SpoyBoy
„Unter dem wär das mit Bomblat auch nicht passiert. Jedenfalls nicht in dieser Art. Den Anstand hätte der gehabt.“
Stimmt, der hat bei Rauer auch nicht durchgegriffen und die Folgen sind bekannt.
So ist es.
Also wenn beide gleichauf liegen müssen beide zittern (der eine ums Amt, der andere um die Chance darauf) oder beide haben Rückenwind…
würd ich mal so vermuten.
🙂
Ehrlich gesagt, ich glaube wenn Theo Brauer nochmal antreten würde, würde der 100% holen. 🙂
Unter dem wär das mit Bomblat auch nicht passiert. Jedenfalls nicht in dieser Art. Den Anstand hätte der gehabt.
Extrovertiert, aber sehr bodenständig und cool.
(Vielleicht hätte er auch den unwürdigen Fall von ChristusKönig verhindert.)
Natürlich auch ein Bahngegner wie alle konservativen Klever… aber da haben die andern ja auch nix bewegt.
(Bleibe aber auch weiterhin ein CDU-Gegner….gibt natürlich immer Einzelpersonen die den Job nicht schlecht machen so wie Herbert Reul. Und Caroline Bosbach hat man wohl auch zu unrecht durch den Kakao gezogen….allerdings wohl von Leuten aus der eigenen Partei, nicht vom politischen Gegner)
Hat der BM wirklich ein Handy in den Händen? Es ist nicht mal eine kleinste Ecke zu erkennen.
Ich glaube, er hört zu und sieht zu seinen verschränkten Fingern hinunter.
@2.
Mein persönliches Empfinden zu dem Bild ist, dass Herr W. Gebing genau und konzentriert zuhört.
Herr Gebing hat seine Aufgaben als Bürgermeister bis dato sehr gut gemeistert. Er hat Kleve weiter gebracht.
Und das ohne Unterstützung von 5 Parteien!
@2
Es ist schon paradox, wenn das fast gleiche Ergebnis für den einen eine Quasi-Niederlage und für den anderen ein Erfolg ist.
Sie erwarten da nicht wirklich, dass Gebing Markus Dahmen begeistert oder interessiert anschaut, oder? Natürlich hört Gebing aufmerksam zu (er kann ja auch die Ohren nicht zuklappen), möchte es aber wohl herunterspielen. Einfach nur daneben stehen und gleichzeitig souverän wirken können nun mal die wenigsten in solch einer Situation.
Machen Sie die Fingerhaltung von Gebing mal nach, dann werden Sie merken, wie verkrampft der Mann war… weil er sich natürlich alles andere als wohl fühlte.
Das Bild ist natürlich nur eine Momentaufnahme.
Die Körpersprache kann einiges bedeuten. Da halte ich mich allerdings bedeckt. Kann jeder für sich herausfinden.
Dieses Bild sagt doch alles über unseren Bürgermeister aus! Kann man mehr Respektlosigkeit, Desinteresse und Arroganz an den Tag legen, wie Bürgermeister Gebing in dieser Situation. Die Körpersprache sagt doch alles, es interessiert ihn schlicht nicht was sein Kontrahent zu sagen hat.
Tolles Foto! Es zeigt den noch amtierenden Bürgermeister bei seiner Lieblingstätigkeit, wenn andere reden.