Rheinpegel: Es ist 5 nach 12!

rd | 30. Oktober 2018, 10:53 | 9 Kommentare
Muss der Fluss bald künstlich bewässert werden? Oder sollte man das Bett nicht einfach mit Beton auffüllen? Das Pegelhäuschen (Stromkilometer 851,9) weiß keine Antwort.

Der Pegelstand sinkt und sinkt und sinkt (aktuell 7 Zentimeter!), der Dieselpreis steigt und steigt und steigt (aktuell 1,47 Euro) – danke, Vater Rhein! Ein Bettnässer bist du jedenfalls nicht mehr, oder nur noch in sehr begrenztem Ausmaß. Die Schiffe werden immer kleiner. Wahrscheinlich ist es deutlich sinnvoller, dich einfach zuzubetonieren und in eine achtspurige Autobahn zu verwandeln. Solche Wasserzicken muss sich niemand gefallen lassen. Womöglich willst du am Ende noch einen Betriebsrat gründen und bessere Arbeitsbedingungen durchsetzen – obwohl du schon jetzt nur den ganzen Tag in deinem Bett liegst und dich langmachst. 

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  1. 9. Jens-Uwe Habedank

    Hallo Max,
    Das von dir geschilderte Szenario ist vielleicht gar keine Nachlässigkeit oder so?

    Ich erinner‘ mich noch gut an die Visionen eines Meisterbürgers á la „Stadt am Wasser“ aus 2009 ff – wer weiß ob wir Untertanen die seinerzeit richtig verstanden/ interpretiert haben!

     
  2. 8. Max Knippert

    Hallo Peter,

    dein Wissen zum Thema Wasser ist nach wie vor beeindruckend. Auf dieser Basis haben die Offenen Klever das Thema immer wieder versucht auf die Tagesordnung zu bringen. Hier nur ein Beispiel. https://www.offene-klever.de/index.php/aktuelles/hochwasser
    Das die OK dafür immer verlacht wurde, sei hier nur am Rande erwähnt.

    Wenn wir uns nur ganz grob vorstellen, welche Auswirkungen dies für Kleve hat, ist es absolut unverständlich und grob fahrlässig, das es keine ‚öffentlichen‘ Notfallpläne gibt. Die Hochschule stünde bis zu 3Meter unter Wasser, ob danach die HSRW an Ort und Stelle weiter macht wie bisher ist sicherlich fraglich. Das auch das Kurhaus, inklusive der nicht ins Obergeschoß zu rettenden Kunst, untergeht ist vielleicht nur ein Rand Thema aber bis die Feuchtigkeit aus den Mauern ist und wieder Leihgaben ins Haus kommen, dürfte viel Wasser den Rhein runter geflossen sein. Welche Schadstoffe sich dann auf den Äckern befinden, oder wieviel Tiere in den Ställen verenden bzw. welchen Aufwand es kostet tausende Rinder nach Materborn zu karren dürfte erheblich sein. Das dies alles ohne Strom passieren wird macht es auch nicht einfacher. Kurz um, hier schläft eine ganze Stadt, bzw. diejenigen die die Verantwortung tragen.

    Aber lasst uns erst einmal am Minoritenplatz eine jetzt schon nicht wirtschaftlich zu betreibende Tiefgarage bauen und weitere Firmen, Institutionen und Gebäude am Kanal ansiedeln. Man kann nur hoffen das dies keine Firmen sind die mit Giftstoffen wie z.B. Dioxinen in Zusammenhang stehen…

     
  3. 7. Peter Wanders

    @kleefse jong
    Ich halte die Überschwemmungskarten für zuverlässig.
    Sie geben aber nur die Überschwemmungshöhe für das Jahrtausendhochwasser von exakt 15.000 cbm/s an.
    Das Wasser steht dann exakt gleich mit der Oberkante der Deiche.
    Wenn dieser Abfluss wie bei den ersten Jahrtausendereignissen an Elbe, Oder und Donau 30 Prozent größer ausfällt sind dies ca 1,50 m mehr. 3.000 cbm/s entrechen am Niederrhein ca. 1,00 m. Tja und auch das wurde ja an den anderen Flüssen wenige Jahre später noch mal um einen halben Meter übertoffen.
    Achja, wie schon geschrieben, sind die Deiche am Niederrhein noch viel zu niedrig und es sollte eigentlich Aufgabe des Deichverbandes sein, ein Überschwemmungskarte auch für die aktuelle Deichhöhe zu machen.
    Interessant ist auch folgender link: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Hochwasser-Ereignissen
    In dieser Liste fehlt das Hochwasser von 1926, welches in Emmerich den höchsten bekannten Pegel von 9,85 lieferte.
    Die Hochwasser von 1993 und 1995 stehen in dieser Liste, waren statistisch aber eher 20-jährige Hochwasser.
    Der Pegel war 1995 mit 9,84 praktisch wie 1926, aber es war 1995 eine viel kleinere Abflussmenge.
    Denn in den 1960er Jahren wurde gegenüber von Emmerich der Polder Bylerward eingerichtet. Der ist im Landesentwicklungsplan 2016 deshalb auch als Notfallfläche für den Hochwasserschutz eingeplant.
    https://www.nrz.de/staedte/kleve-und-umland/und-wieder-bylerward-id11483379.html
    Das gleiche gilt auch für die Düffelt, wo es 2002 Gespräche der commissie noodoverloopgebieden mit den Bürgermeistern Jöken, Meisters und Landrat Spreen gab. Diese lehnten die Veröffentlichung eines grenzüberschreitenden Planes kategorisch ab. Diese Lösung war zuvor von Royal Haaskoning erabeitet worden, welche die Düffelt in 6 Varianten untersucht hatten. Die grenzüberschreitende Variante war die einzig Kosten-Nutzen-positive.
    Ich habe für den ehemaligen Marinetaucher, der 1995 die Sprengladungen an den Deich der Düffelt angebracht hat, Fenster geliefert, mein ehemaliger Nachbar in den Niederlanden hat nach 1953 die Katastrophenschutzpläne für Hochwasserereignisse entwickelt und niederländische Offiziere gehören ebenfalls zu meinen Kunden.
    Die Diskrepanz zu dem, was sie über die Rolle unseres Polders sagen, und dem, was deutsche Behörden und Politik hier schönreden, ist ungeheuerlich.
    Hier im Blog habe ich dazu viel geschrieben. Der Niederrheiner verbringt seine Zeit lieber im Tiefschlaf
    Motto: Nach mir die Sintflut.
    Lasst uns hoffen, dass der Rhein noch ein wenig Geduld mit uns hat.
    Nicht, dass er, wie bei einem Tsunami üblich, gerade ganz tief Luft holt.

    Das 1995er Hochwasser steht in o.g. Liste.
    Wenn man diesen Wikipedia-link öffnet, führt dieser ins Nichts.
    Diese Beiträge wurden in den vergangenen Jahren siebenmal gelöscht…
    Das ist gelinde gesagt sehr seltsam.

     
  4. 6. Martin Fingerhut

    @ 5. kleevse jong
    ### Demnach würde ja die Klever Unterstadt bei einer 3m hohen Flutungshöhe bis zur Ecke Kaufhof / Marktstraße dann unter Wasser stehen. ###
    ### Wie sehen das die Stadtoberen, gibt es dort Pläne für ein solches Szenario? ###

    Die Aussicht ist durchAus realistisch.
    Als am Ende des 2. WeltKrieges Deiche gesprengt wurden,
    um den VorMarsch der Alliierten aufzuhalten,
    stand das Wasser schon mal mindestens bis ans heutige RatHaus.

    Das dort im hochWasserSicheren(?) 3. Stock angesiedelte Bau- und PlanungsAmt
    plant gewohnt weitSichtig und baut deshalb vor.
    Baut nicht gegen HochWasser vor, sondern gegen RegressAnsprüche.
    z.B. findet sich im B-Plan, der gerade für den MinoritenPlatz entwickelt wird, der Hinweis :
    ### ### ###
    Das Bebauungsplangebiet liegt im potenziellen natürlichen Überschwemmungsgebiet des Rheins.
    Bauherren und Grundstückseigentümer werden darauf hingewiesen, dass über den vom Deichverband geschaffenen Hochwasserschutz hinaus, Maßnahmen gegen Hochwasser und Qualmwasser sowie gegen auftretende hohe Grundwasserstände in eigener Verantwortung zu treffen sind und die Stadt Kleve für eventuelle Schäden nicht haftbar gemacht werden kann. Die „Empfehlung [sic!] zur Hochwasservorsorge im natürlichen Überschwemmungsgebiet“ des zuständigen Deichverbands sind [sic!] zu beachten.
    ### ### ###

    Wie gründlich die StadtVerwaltung vorausPlant und vorBaut zeigt sich an einem anderen aktuellen B-Plan.
    Die selbe Passage wie gerade zitiert ziert auch den B-Plan für die GrünFläche an der BresserBergStraße.
    Hier, oberhalb des FriedHofs Merowinger Straße, in luftiger Höhe von zig Metern über NN
    warnt die Stadt Kleve ebenfalls vor Hoch- und QualmWasser etc. !
    Würden doch alle Verwaltungen den KlimaWandel so ernst nehmen wie das Klever ZuBau- und VerPlanungsAmt.

    Am BresserBerg gehen die amtlichen Warnungen sogar noch weiter als am MinoritenPlatz :
    ### ### ###
    Das Plangebiet liegt innerhalb der geschützten Gebiete am Rhein, die im Hochwasserfall bei einem Versagen von Hochwasserschutzanlagen von Überschwemmung betroffen sein können.
    ### ### ###

    Nicht nur das, sondern sogar :
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    Die überschwemmten und geschützten Gebiete am Rhein sind den Hochwassergefahren- und Hochwasserriskokarten Rhein dargestellt und unter http://www.flussgebiete.nrw.de veröffentlicht.
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    Die ***überschwemmten*** Gebiete.
    Liebe Leute am BresserBerg, schaut schnell mal ins Web !
    Vielleicht IST der FunkTurm längst schon überschwemmt
    – und Ihr habt nur noch nicht bemerkt, wie gründlch ersoffen Ihr seid !

    Ob jedoch die KönigsAllee und Merowinger Straße von nicht gar so rheinem Wasser überspült werden,
    ist für die NachVerdichtungsDichter “ nicht ganz so relevant “
    ( um eine Formulierung Herrn Rauer’s zu verwenden ).

    In einem engen Streifen oberhalb des FriedHofs
    sollen rund 40 WohnEinheiten entstehen,
    also wohl über 100 Menschen zusätzlich eingepfercht werden.
    Ob die Kanalisation all deren unRheines AbWasser verkraften kann,
    ist vorsichtshalber gar nicht erst geprüft worden.

    Im Zweifel werden alle Anlieger – neue wie alte – sich glücklich schätzen,
    für nur ein paar Tausender AnliegerBeiträge völlig neue Kanäle verlegt zu bekommen.
    Das VerkehrsKaos durch die ewigen BauStellen gibt’s dazu sogar gratis.
    Und bis dahin dürfen sie ihre Keller selber leerPumpen und den unRheinen reinGespülten Schlamm entsorgen.

     
  5. 5. kleevse jong

    @ Peter Wanders vielen Dank für die informativen Ausführungen.

    Nachfrage, sind die im Internet verfügbaren Überflutungskarten des Landes NRW mit den Überflutungshöhenangaben einigermaßen zuverlässig.

    Link: https://www.flussgebiete.nrw.de/system/files/atoms/files/2_rhein_a00_rk_nw_b019.pdf

    Demnach würde ja die Klever Unterstadt bei einer 3m hohen Flutungshöhe bis zur Ecke Kaufhof / Marktstraße dann unter Wasser stehen.
    Des Weiteren würde das ja auch im Umkehrschluss bedeuten, dass für Kleve Stadt und Umland dann der Strom ausfällt, da das Umspannwerk in Kellen an der Emmericher Straße angesiedelt ist und ebenfalls überflutet würde.
    So wäre Kleve letztlich über Wochen oder Monate bis zur Wiederherstellung der abgesoffenen Infrastruktur dann ohne Strom.
    Wie sehen das die Stadtoberen, gibt es dort Pläne für ein solches Szenario?

     
  6. 4. Peter Wanders

    Keine Sorge, das nächste Hochwasser kommt bestimmt.
    Der Sommer zeigt 2018, dass sich bestimmte Wetterlagen, wie von den Klimaforschern vorhergesagt, aufgrund des Klimawandels hartnäckig festsetzen.
    Genauso gut können sich auch ausgesprochene Tiefdruckwetterlagen ebenso über Westeuropa verhalten.
    In den vergangenen 2 Jahrzehnten kam es mehrfach zu Vb-Wetterlagen, die an Oder zu 2 Jahrtausendhochwassern führten, an der Elbe gab es ebenfalls 2 Jahrtausendhochwasser und auch an der Donau gab es 2 Jahrtausendhochwasser.
    Die Hydrologen hatten zuvor so ein Jahrtausendhochwasser von der Größe definiert mit einer Mindestabflussmenge für so ein Ereignis.
    Die Natur produzierte dann bei allen 3 Flüssen beim ersten Ereignis 30 Prozent mehr als die Jahrtausenddefinition und beim zweiten Ereignis stiegen diese Flüsse nochmal um einen halben Meter höher.
    Professor Latif beschrieb schon vor 15 Jahren die Häufung solcher Ereignisse in Europa.
    Er beschrieb, dass 19 der 20 größten Flüsse Europas in den vergangenen 20 Jahren ihren absolut größten Höchststand erreicht hatten. Dies waren alles sogenannte Jahrtausendereignisse und die Häufung ist genauso eindeutig wie die Indizien für den Klimawandel.
    Lesenswert: https://de.wikipedia.org/wiki/Hochwasser_in_Mitteleuropa_2013
    Der einzige große europäische Fluss, der noch kein solches Ereignis produziert hat, ist der Rhein.
    Ein Jahrtausendhochwasser am Rhein ist definiert mit 15.000 cbm/s Abfluss hier am Niederrhein. Das ist mehr als das Dreifache von dem, was an der Elbe 2013 Dresden getroffen hat!
    Unsere Deiche sind aber auf zig Kilometern nicht auf Höhe dieses Bemessungshochwassers. Dies weiß man seit 1970. Sie werden nur im Schneckentempo saniert und einige Deichverbände, u.a. Xanten-Kleve, sind nach 48 Jahren nicht mal vollständig der Höhe des Bemessungshochwassers von 1970.
    Diese Schwachstellen werden nach Vorhersagen niederländischer Behörden überflutet bei 12.500 bis 13.000 cbm/s.
    Die Niederländer fürchten insbesondere für das Ijsseldelta schwerste Folgen.
    Kleve, Kalkar und Kranenburg stehen dann auch unter Wasser. Dafür braucht es hier am Niederrhein bei weitem kein Jahrtausendereignis.

     
  7. 3. rd

    @Star Machen wir uns nichts vor: Der Rhein ist ein träger Sack. Wahrscheinlich müssen schon bald auf der achtspurigen Autobahn Lastwagen mit Wasser gefüllte Container aus den Alpen herbringen, um den Fluss zu simulieren.

     
  8. 2. Star

    Der Rhein kann wohl nichts für das ganze Desaster. Während wir uns alle an dem schönen warmen Wetter erfreut haben, zeigt der Rhein uns doch die Auswirkungen der Klimaveränderungen. Und er sieht eher danach aus als ob er leidet, nicht dass er plötzlich revolutionär würde! Schade, dass er sich nicht rächen kann an all denjenigen, die ihn mal überlaufen, mal verdursten lassen!

     
  9. 1. VaniLLaTaRex

    Oh mein Gott.