Neuer Versuch, vielleicht klappt’s diesmal: Staatsanwaltschaft wird saniert

Staatsanwaltschaft Kleve (Ringstraße)

Drei Jahre ist es mittlerweile her, dass die Staatsanwaltschaft Kleve monatelang eingerüstet war, weil das in die Jahre gekommene Gebäude an der Ringstraße „energetisch saniert“ werden sollte. Doch dann erhob der Denkmalschutz – für die Projektverantwortlichen vom Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB NRW) offenbar unerwartet – seine Hand und stoppte die Planungen. Das Gerüst musste wieder demontiert werden, die Planungen mussten revidiert werden. Der Fall machte Schlagzeilen, weil offensichtlich Steuergelder verschwendet worden waren. Wie hoch der Schaden tatsächlich war, dazu schwiegen sich die Verantwortlichen des BLB NRW beharrlich aus.

Nun aber meldet der landeseigene Betrieb, dass ein neuer Versuch unternommen wird, den knapp 90 Jahre alten Backsteinbau zu sanieren. Ziel sei es, das denkmalgeschützte Gebäude energetisch zu modernisieren und zeitgleich die historisch geprägte Liegenschaft zu erhalten. Im Frühjahr 2026 soll die erweiterte energetische Sanierung der Staatsanwaltschaft Kleve beginnen.

Das Projekt stehe in den Startlöchern, heißt es. Mit einer Bündelung von klimafreundlichen Maßnahmen wird das Gebäude für die langfristige Nutzung durch die Justiz in Kleve vorbereitet. Neben Arbeiten an der Fassade und den Fenstern wird auch das Dach neu eingedeckt und mit einer leistungsstarken Photovoltaik-Anlage ausgestattet. Die Maßnahmen sind bereits länger in der Planung, mussten aufgrund der Unterschutzstellung des Gebäudes durch die Bezirksregierung Düsseldorf im Jahr 2023 jedoch denkmalfachlich geprüft und weiterentwickelt werden.

Gebäude erhält Einblasdämmung

Um das Gebäude langfristig zu isolieren und den Wärmeverlust zu minimieren, werden die oberste Geschossebene sowie die Kellerdecke gedämmt. Zusätzlich erhält das Gebäude eine Einblasdämmung, bei der lose Dämmstoffe in Hohlräume der Fassade eingebracht werden, sowie eine Fugensanierung, bei der undichte oder beschädigte Fugen erneuert und abgedichtet werden. Ergänzt werden die Arbeiten an der Außenhülle durch die Erneuerung der Außentüren, mit Ausnahme des denkmalprägenden Eingangsportals, welches seinen historischen Charme vollumfänglich behält. Neben der Fassadensanierung werden die Fenster in den ersten beiden Geschossen sowie im Keller ausgetauscht. Um Wärmeverlust zu vermeiden, werden hier dreifachverglaste Fenster verwendet, die durch Sprossen, Mittelholm, Zierleisten und Mittelstein den denkmalgeschützten Fenstern optisch sehr ähneln. In der obersten Etage befinden sich Kastenfenster. Die Rahmen und Flügel dieser werden in enger Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde restauriert. Zusätzlich werden die Glasscheiben der inneren Kastenfenster durch ein Spezial-Isolierglas ausgetauscht und erhalten eine neue Dichtung.

„Für diese historische Liegenschaft erreichen wir den Energiestandard 100 und damit ein Energieniveau, welches über den üblichen Standards im Denkmalschutz liegt. Mit den energetischen Maßnahmen, die wir in enger Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde umsetzen, machen wir auch erhaltenswerte Bestandsgebäude klimafreundlich und zukunftsfähig“, betont Till Neschen, Leitung der Niederlassung Duisburg.

Treppenhaus mit Geschichte

Durch diese Maßnahmen sollen sowohl die energetischen Ansprüche erfüllt als auch das Erscheinungsbild sowie wichtige bauzeitliche Elemente des historischen Gebäudes erhalten bleiben. Dazu zählt ein Teil der technisch eindrucksvollen Kastenfenster, mit denen bereits zur damaligen Bauzeit (1937) Energieeinsparungen erzielt wurden. Kastenfenster bestehen aus zwei Fensterebenen mit einem Luftzwischenraum, der wie eine zusätzliche Dämmung wirkt und dadurch Wärmeverluste reduziert. Die Sanierung im Denkmalschutz erfordert eine enge Absprache mit allen Beteiligten, darunter die Bezirksregierung Düsseldorf, der Landschaftsverband Rheinland und die Staatsanwaltschaft als Nutzerin. 

Ein weiterer energetischer Beitrag wird durch eine Wärmepumpen-Anlage erbracht, welche das denkmalgeschützte Gebäude mit Wärme versorgt. Zusätzlich wird das Dach gedämmt und neu eingedeckt. Um trotz Photovoltaik-Anlage nicht einzukrachen, wird es ergänzend verstärkt.

Staatsanwälte im Home Office

Das Gebäude aus dem Jahr 1937 wurde 2023 unter Denkmalschutz gestellt, worauf die bereits in Planung befindlichen Maßnahmen an die neuen Anforderungen angepasst werden mussten. Da die Planungen des BLB NRW den Erhalt des Erscheinungsbilds bereits weitreichend berücksichtigt hatten, konnten die erforderlich gewordenen Abstimmungen mit dem Denkmalschutz von beiden Seiten konstruktiv bis zur Genehmigungsreife geführt werden. Als besonders anspruchsvoll erweist sich die Sanierung im laufenden Betrieb. Dies erfordert von den Beschäftigten ein hohes Maß an Flexibilität durch temporäre Raumwechsel oder Arbeiten aus dem Homeoffice. Durch stetige Abstimmungen mit der Staatsanwaltschaft wird der BLB NRW die Arbeiten nutzerfreundlich gestalten, sodass der Dienstbetrieb aufrechterhalten bleibt. Verbrecher können sich also nicht im Vertrauen auf eine lahmgelegte Verfolgungsbehörde das Ausmaß ihres Treibens verstärken. Gesetzesbrecher müssen weiterhin mit Ermittlungen rechnen.

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