Das Klever Traditionsunternehmen Büro Derksen verändert sein Geschäftsmodell: Der stationäre Handel mit Stiften und Papier wird Mitte des Jahres aufgegeben und online fortgeführt – die Beratung zur Büroeinrichtung bleibt.
Diese Schließung betrifft einmal nicht die Innenstadt, darf aber sehr wohl als Einschnitt bezeichnet werden, denn die Anfänge von Bürobedarf Derksen liegen in der Klever Innenstadt, wo Heinrich und Margret Derksen 1960 einen Handel für Schreibwaren und Bürobedarf gründeten, wobei auf einem frühen Firmenschild noch der Zusatz „vorm. Emil Labs“ zu finden ist, und selbst zu frühen Derksen-Zeiten ging der Stift und Papier begehrende Klever zu „Papa Labs“, wie das Geschäft allgemein bezeichnet wurde.
Fünf Jahre nach der Gründung erweiterte sich das ursprünglich an der Hagschen Straße gelegene Geschäft bis zur Stechbahn, bis es auch dort zu eng wurde, insbesondere weil Derksen in diesen Jahren noch die stürmische Entwicklung mitmachte, die sich aus der Elektrifizierung der Schreibstuben ergab – mit Kopierern, elektrischen Schreibmaschinen und Kassen. So zog das Unternehmen schon 1980 in die Daimlerstraße, eingangs des Industriegebiets und nahe bei den Geschäftskunden. Auch in der neuen Halle hielt Derksen – neben der Büroeinrichtung – das klassische Sortiment des schreibenden Büromitarbeiters vor: Stifte, Papier, Scheren, Kleber. Doch damit ist Ende Juni nach 66 Jahren Schluss: Der stationäre Handel mit diesen Artikeln wird abgewickelt.
„Der Schritt ist uns sehr schwer gefallen“, sagt Geschäftsführerin Elisabeth Derksen-Hübner. „Aber wir haben keinen Nachfolger gefunden.“ Die drei Töchter sind beruflich anders unterwegs und leben mit ihren Familien nicht in Kleve, und auch keiner der noch sieben Mitarbeiter und auch kein Mitbewerber wollte das Geschäft übernehmen. Zu Hochzeiten waren es einmal 40 Mitarbeiter, davon zwölf Techniker, aber zu diesen Zeiten hatte Derksen auch die Vertretung für Canon-Kopierer, die damals noch in jedem Büro standen und immer mal wieder gewartet werden mussten („Papierstau“).
Doch nicht nur die Nachfolge-Situation hat Elisabeth Derksen zu diesem Schritt bewogen, auch die nächste Welle der Technisierung des Schriftverkehrs in den Unternehmen – die Digitalisierung. „Wo kein Papier mehr ist, ist auch kein Locher, keine Schere und auch kein Kleber mehr“, sagt Derksen.
Gleichwohl bleibt Derksen den (Geschäfts-)Kunden als Lieferant erhalten – allerdings über den Online-Zusammenschluss bueroboss.de/derksen. Vom eigenen Zentrallager in Northeim aus werden künftig die Artikel versandt, der Einkauf läuft über den Einkaufsverband Soennecken, in dem Derksen Mitglied ist. Von Northeim aus werden auch die Produkte geliefert, die Elisabeth Derksen-Hübner als „Arbeitstageverbesserer“ bezeichnet – Produkte aus den Bereichen Catering (Obstkörbe, Kekse o. Ä.), Hygiene und Arbeitssicherheit. Das Geschäft mit diesen Produkten ist nicht digitalisierbar und hat bei Derksen beträchtliche Ausmaße angenommem. 2024 wurden allein 150.000 Liter Milch in die deutschen Büros geliefert.
Die Beratung über Telefon, via Mail oder im Netz bleibt. Und auch das beratungsintensive Geschäft mit den Büromöbeln und der Einrichtung von Arbeitsplätzen wird Derksen auch nach 66 Jahren noch fortführen. In diesem Bereich verfügt Derksen über eine außergewöhnliche Expertise, was insbesondere die Vorschriften angeht, die die Arbeitsstättenverordnung bei der Büroeinrichtung verlangt, und was die Ergonomie betrifft.
Verena Rohde, die Geschäftsführerin der Klever Wirtschaft, Tourismus und Marketing GmbH, freut sich, dass diese Kenntnisse auch weiterhin den Büroarbeiterinnen und Büroarbeitern in Kleve und Umgebung zugute kommen werden. „Gut, dass es weiterhin Beratung gibt – Service, das macht auch den Handel aus. Und es ist auch gut, dass das Geschäft mit dem Bürobedarf online weitergeführt wird.“
„Auch wenn sich unter Geschäftsmodell wandelt“, so Elisabeth Derksen-Hübner, „wir sind und bleiben ihr verlässlicher Ansprechpartner für eine optimale Büroversorgung in Kleve und darüber hinaus.“


Einfach Schade
Auch wenn ich nicht an Unmengen dort gekauft habe, so war ich doch mehrfach im Jahr dort vor Ort.
So konnte man im Geschäft jeden Edding oder Bleistift in die Hand nehmen und sich entscheiden ob dieser denn auch der Richtige ist? Aber auch natürlich alle anderen Artikel!
Das geht in einem Online Handel natürlich nicht und wird mir fehlen zumal es Geschäfte dieser Art in Kleve eh nicht mehr gibt! Manchmal ging auch ein Artikel mit den man so eigentlich nicht auf dem Schirm hatte. Ist zu hoffen dass das Online Geschäft laufen wird und die Kundschaft nicht zu anderen (billigeren) Bürobedarfen wechselt, wenn man von Büromöbeln mal absieht!?
Einfach nur schade!