Mario Adorf, 1930-2026

Mario Adorf (2005, Foto: Von Michael Lucan - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=31486658)

Dass Mario Adorf gestern in seiner Pariser Wohnung im Alter von 95 Jahren verstorben ist, hat erst einmal gar nichts mit Kleve zu tun, außer dass er vielleicht irgendwann mal in frühen Jahren mit einem Theaterstück in Kleve gastiert haben könnte, Google fördert nichts zutage, abgesehen davon, dass der Schauspieler in der Krimiserie Rosa Roth einen Waffenhändler namens Willem van Kleve verkörperte, welcher Drehbuchautor sich auch immer das ausgedacht haben mag.

Was ich aber noch gut weiß, dass ich zwischen dem 22. September und 27. Oktober 1986 montags um 20:15 Uhr auf der Wohnzimmercouch des Elternhauses im Kieferneck gesessen habe, um alle sechs Staffeln der Fernsehserie Kir Royal zu schauen, die mir – der ich damals gerade als freier Mitarbeiter der Rheinischen Post in Kleve erste journalistische Gehversuche unternahm – Einblicke in die Welt des großen Journalismus zu vermitteln versprach.

Helmut Dietl und Patrick Süskind schrieben die Serie über das Leben des Münchner Klatschreporters Baby Schimmerlos, und der wird schon in der ersten Episode mit dem Klebstofffabrikanten Heinrich Haffenloher konfrontiert, der von Mario Adorf gespielt wird. Generaldirektor Haffenloher ist von seinem Unternehmerleben angeödet und möchte endlich in der Welt der Schönen und Reichen mitspielen, und dazu ist ihm jedes Mittel recht. Und so kommt es in der Serie zu einem Aufeinandertreffen zwischen Schimmerlos und Haffenloher, in der das Urdilemma des Journalismus in einem Satz zusammengefasst wird: „Ich scheiß dich zu mit meinem Geld“, von Mario Adorf wunderbar in rheinischem Singsang hingerotzt wie alles andere in diesem Dialog auch. Unnötig zu sagen, dass Schimmerlos schließlich auf Druck der Verlegerin nachgibt.

Alle Journalisten meines Jahrgangs (ca.) aber haben zumindest diesen Satz, aber wohl meistens auch den ganzen Dialog verinnerlicht. Man wollte besser sein, der Versuchung widerstehen. Oder eben nicht. Die Menschen waren verschieden. Hier jedenfalls für alle anderen der besagte Ausschnitt aus der Kir-Royal-Episode „Wer reinkommt, ist drin“:

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