Das Ende des Wachstums hatte die Hochschule Rhein-Waal (HSRW) schon selbst ausgerufen, doch wenn der Haushaltsentwurf der schwarz-grünen Koalition in Nordrhein-Westfalen Wirklichkeit werden sollte, dürfte dies für die 2009 gegründete Einrichtung mit Standorten in Kleve und Kamp-Lintfort noch einschneidendere Folgen haben. Die Mittel der Hochschule sollen um 1,5 Millionen Euro gekürzt werden.
Der Landtagsabgeordnete René Schneider (SPD, Kamp-Lintfort) schlug bereits Alarm: „Die geplanten Kürzungen der Landesregierung bei den Hochschulen sind falsch und schaden dem Hochschulstandort Kleve. Jede Kürzung im Bildungsbereich führt langfristig zu Einnahmeverlusten und gefährdet den Wirtschaft- und Industriestandort NRW. Wer an den Hochschulen spart, spart an der Zukunft“, so Schneider.
Die Hochschule räumt ein, schon jetzt einen „erheblichen Spardruck“ zu verspüren, der sich bereits kurzfristig auf den Haushalt der Hochschule auswirken werde. Hochschulpräsident Professor Oliver Locker-Grütjen: „Das Ministerium für Kulturwissenschaft hatte die Hochschulen bereits vor einiger Zeit darüber informiert, dass ab 2026 mit deutlichen Budgetkürzungen zu rechnen sei. Es zeichnet sich ab, dass die kommenden Jahre auch für die HSRW erhebliche Herausforderungen mit sich bringen werden.“
Die HSRW ist bereits in einen Prozess eingestiegen, in dem hochschulweite Einsparpotenziale eruiert und realisiert werden. Locker-Grütjen: „Dabei wird auch eine Reduzierung des Personals unumgänglich sein. Ziel ist es, möglichst wenige Reduzierungen von Stellen vornehmen zu müssen. Unumgängliche Stellenreduzierungen sollen so sozialverträglich wie möglich ausfallen und im wesentlichen durch Fluktuation beim Personal beziehungsweise den Eintritt von Personen in den Ruhestand erzielt werden.“ Die Nachbesetzung von Stellen müsse dann jeweils kritisch hinterfragt werden.
Ziel sei es, trotz angespannter Haushaltslage die Funktion-und Entwicklungsfähigkeit der Hochschule sicherzustellen. Locker-Grütjen: „Darüber hinaus müssen wir aber auch unserem Bildungsauftrag gerecht werden, der bei uns an der HSRW eine besondere Bedeutung mit Blick auf den Fachkräftebedarf hat. Hier stoßen wir bei zunehmend ‚knappen Kassen‘ an unsere unsere Grenzen. Bislang konnte die Hochschule immer auch auf die Unterstützung durch die Region (Wirtschaft, Gesellschaft und Politik bauen, so zum Beispiel kürzlich durch das Einwerben einer weiteren Stiftungsprofessur. In diesem Sinne werden wir alles tun, um die HSRW zukunftsfähig, innovativ und für die Region zu gestalten.“
In diesen Tagen beginnt an der Hochschule das neue Semester. 26 Bachelor- und elf Master-Studiengänge werden angeboten. Die Zahl der Studierenden liegt bei etwa 6200. Insgesamt gibt es an den beiden Standorten in Kleve und Kamp-Linfort 507 Vollzeitstellen.
Das Alleinstellungsmerkmal der HSRW ist die internationale Vielfalt unter den Studierenden. Der Anteil internationaler Studenten liegt bei 61 Prozent, die meisten Studiengänge selbst werden in englischer Sprache unterrichtet (75 Prozent). Doch die landläufige Meinung, dass die meisten Klever Studierenden nach dem Abschluss wieder ins Ausland abwandern, trifft nach Erkenntnissen der Hochschule nicht zu. Demnach verbleiben 14 Prozent der Absolventen in den Kreisen Kleve und Wesel, 60 Prozent finden einen Job in Nordrhein-Westfalen. „Jede Sparmaßnahme jetzt ist also eine Hypothek für den regionalen Arbeitsmarkt von morgen“, sagt Schneider.


Meines Erachtens muss (und kann) die Hochschule mehr als die oben genannten 1,5 Mio Euro p.a. einsparen. Denn im NRW-Haushalt 2026 sollen die gesamten Hochschulmittel um ca. 250 Mio Euro p.a. zurückgefahren werden. Irgendwie so ähnlich, wie es in der Industrie von Zeit zu Zeit mittels Rasenmäher-Sparprogrammen passiert, wenn zu viel „Fett“ angesetzt wurde (oder angesetzt worden zu sein scheint). Bei 40 bis 50 Hochschulen im Land (von denen manche größer und manche kleiner als die hiesige Hochschule mit ihren zwei Standorten sind), ist für die hiesige Hochschule eine Sparaufgabe von ca. 5 Mio Euro p.a. wahrscheinlicher. Die 1,5 Mio Euro p.a. sind daher wahrscheinlich die Summe, die nur am Standort Kamp-Lintfort eingespart werden muss. Für den Standort Kleve würde dann noch eine Einsparvorgabe von ca. 3,5 Mio p.a. verbleiben, was angesichts der Vorgabe vom Land realistitischer erscheint. Irgendwie wäre es ja auch eigenartig, wenn ein SPD-Landtagsabeordneter aus Kamp-Lintfort ausgerechnet nur für den Standort Kleve Alarm schlagen sollte. Denn dafür wären vielmehr die im (Alt-) Kreis Kleve ansässigen Landtagsabeordeneten zuständig. Einen der Landtagsabgeordneten aus dem Altkreis Kleve scheint jedoch ohnehin mehr der (nicht mehr zeitgemäße) Straßenbau als Bildung und die Mobilitätswende zu interessieren. Auf die Fahrräder und auf zum Protest!!!
PS:
Und RP & Co. auf zu besseren Recherchen!
Zwischen Auftragsvergabe und Auftragsabnahme bzw. Überprüfung der gelieferten Leistung/Ware (ggf. kontinuierlich) kann natürlich allerlei passieren.
Beim RE10 gibt es allerdings auch Faktoren, die nichts mit dem Betreiber (RBB) des RE10 zu tun haben. Vor allem die digitalisierten Stellwerke (DB Netz AG). Und das Wetter.
@4 Das ist der Idealfall eines Vergabeverfahrens. Beim RE10 kann man sehen, was passiert, wenn der Gewinner eines Vergabeverfahrens die Anforderungen nicht erfüllt. Nämlich nichts. Das nur am Rande.
Wenn öffentliche Stellen Geld ausgeben, gelten dafür strengere Regeln als in der Privatwirtschaft. Der Grund ist ja klar: Es geht um Steuergeld – und jeder eingesetzte Euro muss transparent und nachvollziehbar gemacht werden. Dafür gibt es Vorschriften, die eingehalten werden müssen.
Ohne diese Vorgaben würde schnell der Eindruck von Willkür oder Vetternwirtschaft entstehen – wenn es trotzdem solche Fälle gibt, ist es jedenfalls zu ahnden.
Unternehmen in der freien Wirtschaft haben es da einfacher. Sie können meist selbst entscheiden, mit wem sie zusammenarbeiten möchten, ohne ein aufwendiges Ausschreibungsverfahren durchlaufen zu müssen. Natürlich gibt es auch hier Compliance-Vorgaben. Aber diese sind u. a auch rechtlich anders ausgestaltet und oft weniger formalisiert als im öffentlichen Bereich.
Ein Beispiel aus der Praxis: Stellt sich eine Behörde die Frage, welche Softwarelösung sie einführen will, muss sie ein offizielles Ausschreibungsverfahren starten. Anbieter werden eingeladen, Angebote abgegeben, Kriterien festgelegt und dokumentiert – und am Ende muss nachvollziehbar sein, warum genau dieser Anbieter den Zuschlag erhalten hat. Einen direkteren oder einfacheren Weg darf die Behörde gar nicht wählen – und das ist auch richtig so.
Ein mittelständisches Unternehmen hingegen kann einfach entscheiden: „Wir nehmen Tool X, weil es uns gefällt und gut ins Budget passt.“ Es muss den Auswahlprozess nicht in einem öffentlichen Verfahren rechtfertigen – solange keine internen Compliance-Regeln verletzt werden.
Personal abbauen? Genau richtig!
Wer schonmal mit der Vergabe der Hochschule für Handwerks- und Dienstleistungen zu tun hatte, der dürfte bestätigen: hier wird richtig Geld verbrannt.
Wieviele Leute sich hier mit Kleinstigkeiten beschäftigen, wie ineffektiv dieses System ist, für eine Person aus der freien Wirtschaft schwer zu glauben, habe ich aber selbst erlebt.
Aus ner Minireparatur wird ein Staatsakt. Meine Erfahrung: in anderen behördenähnlichen Strukturen läuft es leider nicht anders.
Vielelleicht der erste Trippel-Schritt zum Bürokratieabbau, zur Digitalisierung, zum TUN statt (zer)reden? Schön wäre es aber ich glaube nicht, dass ich das noch erlebe.. eine Staatskrake die sich selber beschränkt… niemals. Eher wird Sch*lke Meister.
@1 Mitleser,
laut einem Professor an der HSRW haben inzwischen nicht wenige Studierende ihr Studium wieder, zumindestens in Kleve, an der HSRW abgebrochen weil sie die desolate Bahnverbindung des RE10 letztlich dazu gezwungen hat.
Es war diesen Studenten, die auswärts wohnen, teilweise über mehrere Semester nicht möglich gewesen mit dem RE10 rechtzeitig Vorlesungen oder Kursen in Kleve erreichen zu können.
Wenn man mit ausländische Studierende ins Gespräch kommt und über Probleme spricht, dann sind diese über die desolate Situation des ÖPNV hierzulande echt verwundert. Ja sie lachen uns aus, besonders hier am Niederrhein, da diese einen sehr viel zuverlässigeren ÖPNV aus ihren Ländern gewohnt sind. Selbst Indien hat besseren und zuverlässigeren ÖPNV in seinen Städten, als wir.
Hat es sich denn inzwischen geändert, dass Studierende in Kleve ihr Studium abbrechen oder mittendrin zu anderen Hochschulen wechseln? Oder gar nicht erst zum Abschluss kommen? Ich erinnere an Kleveblog „Hochschule Rhein-Waal – Bilanz des Scheiterns“ vom 24.06.2019