Drogenküche in Muttis Keller

rd | 09. Oktober 2018, 14:01 | keine Kommentare
So, wie hier die Schwanenburg um 9:20 Uhr im Nebel verschwimmt, war auch dem Angeklagten beim Prozess in der Burg nicht mehr alles klar

Irgendwann ließ er sich in der Schule nicht mehr blicken. „Mit zwölf habe ich angefangen zu kiffen“, sagt er, „da hatte ich keinen Bock mehr auf Schule.“ Nach dem Haschisch kamen Amphetamine, und dann kam Kokain. „2017 war ich wieder auf Koks, ich habe so ein halbes bis ein Gramm pro Tag gebraucht, das Kokain war nämlich gut, da konntest du nicht mehr von [durch die Nase] ziehen.“

Der Mann, der diese Missbrauchskarriere gestand, saß gestern in Kleve im Landgericht in der Schwanenburg auf der Anklagebank: ein 28 Jahre alter Mann aus Goch. Neben ihm zwei männliche mutmaßliche Mittäter aus Kleve und Emmerich, 22 und 31 Jahre alt, sowie eine zweifache Mutter, 28 Jahre alt. Sie werden allesamt beschuldigt, im großen Stil mit Amphetaminen und Ecstasy Handel betrieben zu haben, wobei die Frau offenbar nur als Fahrerin tätig war. Sie sitzt als einzige nicht in Untersuchungshaft.

Theo M., der Hauptangeklagte, hatte in Absprache mit seinem Rechtsanwalt Dr. Karl Haas beschlossen, dass der beste Weg in diesem Prozess über ein umfassendes Geständnis führt. Er berichtete vor zahlreichen Zuschauern aus dem Freundes- und Verwandtenkreise, wie er in die Drogensucht abrutschte, wie er von Arbeitsstelle zu Arbeitsstelle wechselte, und wie er eine Therapie abbrach. „Ich würde gerne eine Therapie machen, um von den Drogen wieder wegzukommen“, beschloss M., der in Goch als zweitjüngstes von zehn Geschwistern aufwuchs, die Ausführungen zu seiner Biografie.

Jürgen Ruby, der Vorsitzende Richter der 1. großen Strafkammer, ergänzte diese Angaben durch einen Strafregisterauszug, der ab 2005 praktisch durchgängig im Jahrestakt eine oder mehrere Eintragungen wegen Betäubungsmitteldelikten, Diebstählen und Körperverletzungen enthielt. In den zwei Jahren, die in der Liste fehlten, war M. Jeweils die meiste Zeit inhaftiert.

Danach gewährte der Angeklagte Einblicke darin, wie das Drogengeschäft ablief. Das Amphetamin mischte er im Keller des Hauses seiner Mutter, wo er wohnte, zusammen. Dazu besorgte er sich als Grundstoff Amphetaminöl, das ihm Hintermänner bis an die Grenze an der Gaesdoncker Straße lieferten. Dort holte er die Substanz ab. Für die Zubereitung im Keller benötigte er dann unter anderem Methanol. Dieser Stoff war nicht so einfach zu beschaffen – außer im Internet, wo Batterien für Yachten angeboten werden, die die im Herstellungsprozess benötigte Zutat enthalten.

„Ich werde alles einräumen“, sagte er dem Gericht. Die genauen Mengen, die er zubereitete und verkaufte, wusste er allerdings nicht mehr. „Das kann ich nicht einschätzen, ich war selber voll auf Drogen und habe auch kein Notizbuch geführt.“

Seiner Schätzung nach handelte es sich um ca. zehn bis zwölf Kilogramm des Aufputschmittels und mehrere tausend Ecstasy-Tabletten. Als nach einem längeren Polizeieinsatz die Festnahme erfolgte, waren von den Beständen noch knapp zweieinhalb Kilogramm übrig.

Der Erlös, so M., sei „für Drogen drauf gegangen“. Ab und zu habe man sich auch mal etwas gegönnt. Beispielsweise habe er sich mit einigen Freunden für ein Wochenende einen Porsche geliehen.

Der Prozess wird am 17. Oktober um 10:00 Uhr mit der Vernehmung der ersten Zeugen fortgesetzt.

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