Die Todesanzeige, die kaum einer sehen durfte

rd | 17. Mai 2010, 18:28 | 3 Kommentare

Dass das National-Starch-Werk in Kleve nach dem Kauf durch den Düsseldorfer Henkel-Konzern Opfer raubtierkapitalistischer Umtriebe wurde, darüber wurde hier mehrfach berichtet. In diesen Tagen machen die letzten Leute dort das Licht aus, manche der Beschäftigten wechselten in der Zwischenzeit zu anderen Standorten (wo sie kopfschüttelnd den technologischen und sicherheitstechnischen Rückstand der Fertigungsanlagen gegenüber Kleve zur Kenntnis nehmen mussten), und der ehemalige Chef des Werks Kleve quittierte nach seinem Wechsel zum Werk in Porta Westfalica flugs den Dienst und heuerte bei der Konkurrenz an – aus der Sicht der Strategen des Henkel-Konzerns vermutlich alles nur betriebswirtschaftliche Kollateralschäden. Die Beschäftigten des Standorts Kleve wollten aber nicht sang- und klanglos von der Klever Bildfläche verschwinden, und so gestalteten sie diese Todesanzeige:

Nichtöffentliche Trauer

Nichtöffentliche Trauer

Das Inserat erschien Ende März in der NRZ unter der Rubrik “Sonstiges”. Aus dem Text: “Mitten aus dem Leben gerissen durch einen politischen Unternehmensentscheid… verstorben infolge der Übernahme durch die Henkel AG & Co. KGaA”. Interessant ist nun, dass eine andere Zeitung den Abdruck verweigerte, angeblich aus “Pietätsgründen”. Die Leser sollen ja nicht zu sehr aufgewühlt werden, da mag das Anzeigengeschäft noch so schlecht sein…

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  1. 3. Messerjocke

    Den Blick in die Welt kann man mit einer Zeitung versperren.

     
  2. 2. Marco Del Buon Tromboni

    Die Industriemanger sind sehr um Menschen besorgt.
    Menschen sind schliesslich Kosten!

     
  3. 1. Abbesteller

    Vom Pressehaus in Düsseldorf aus kann man bis nach Hassels und auf den dort vorhandenen roiesigen Werbe- und Anzeigenetat gucken. Die Kalkarer Strasse in Kleve sieht man jedoch nicht.

    Die Abonnements sollten im fernen Kleve und Umgebung jedoch einem privatwirtschaftlichem Kollateralschaden zum Ofer fallen.