Der Milchschaum dröhnt: Bericht aus dem Kreistag

Klever Brückenbauer | 30. September 2016, 09:04 | 4 Kommentare
Guter Milchschaum ist auch im Kreistag erhältlich

Guter Milchschaum ist auch im Kreistag erhältlich

(Von unserem Kreiskorrespondenten) Die Sprache des „Kreis Klever Volkes“ bei der 14. Kreistagssitzung im Maywaldsaal der Kreisverwaltung Kleve ist: „Deutsch mit starkem niederländischen Akzent und niederländischer Satzstellung“.

Mit diesem charmantem Deutsch haben sich Bürgerinnen und Bürger aus dem Kreis Kleve in der Fragestunde „kritisch“ zu den „Entwurf des Regionalplans Düsseldorf“ und der möglichen Errichtung von Windrädern im Reichswald geäußert.

Die 50 Besucherstühle des Maywaldsaals waren komplett besetzt. Das kommt nicht so oft vor, und somit freute sich der Landrat ganz besonders und sprach vom „internationalem Publikum“. Vielleicht fühlte er sich in seine Studentenzeit in London zurückversetzt.

Auch die technischen Probleme mit der Mikrofonanlage gleich zu Beginn konnten ihn fast nicht aus der Ruhe bringen. Der Landrat: „Die Techniker gehen in die Tiefen der Technik und versuchen das zu sortieren.“ Und „dann machen wir erst mal eine Pause“. Und wirklich gut war dann: „Bin froh, dass es nicht an mir lag und sondern am Mikrofon“ (nachdem das Mikrofon erfolgreich ausgetauscht worden war).

Aber irgendwo zwischen Punkt 5 / Punkt 6 / Punkt 7 kam der Landrat immer wieder ins Stottern. Er schien unkonzentriert, verhaspelte sich und zog das Tempo an. Als im Punkt 8 („Nutzung von Räumlichkeiten in der Kreisverwaltung durch die Fraktionen für Pressekonferenzen Antrag der SPD-Kreistagsfraktion vom 04.07.2016“) Jürgen Franken noch einmal freundlich nachfragen wollte, würgte er den SPD-Mann komplett ab, überrannte íhn, schnitt ihn, gab ihm keinen Raum, seine Frage zu beenden. Da war er wieder, in Höchstform, so kenne wir ihn, schnell und konzentriert am Ball. Irgendwas von „Landes NRW“ und „es ist noch nicht einmal eine Abstimmung erforderlich“. Und weiter mit Punkt 9.

Zu diesem Zeitpunkt musste Wilfried Suerick schon den Kopf stützen. Er schaute an die Decke und schien ganz woanders zu sein. Vielleicht dachte er an seinen 80. Geburtstag. Bis dahin würde er noch so viele schöne Projekte für den Kreis Kleve realisieren können, jetzt wo sein Vertrag um ein Jahr verlängert worden ist. Ach, wenn die wüssten, ein Jahr, was ist schon ein Jahr. Ich brauche bestimmt noch mindestens sieben Jahre, bis ich die neue Rettungswache, die Turnhalle in Geldern und natürlich das Berufskolleg auf Vordermann gebracht habe. Das müsste doch der letzte Depp hier im Raum verstehen, dass das alles nicht in einem Jahr möglich ist. Mir macht es doch so viel Spaß hier.

Als dann wirklich der Punkt 16 „Regionalplan Düsseldorf
Stellungnahme des Kreises Kleve zum Entwurf“ auf der Tagesordnung anstand, erklärte der Landrat noch einmal klar und deutlich, dass er es ja verstehen könnte, dass der Tagesordnungspunkt mit starken Emotionen verbunden sein könnte, aber es den „Gästen“ nicht gestatte ist, zu klatschen bzw. Wortmeldungen zu dem Punkt zu äußern. Dies sei ausschließlich den Kreistagsmitgliedern vorbehalten. Das wirklich Witzige dabei war, das man sich als Gast ganz, ganz feste konzentrieren musste, um den Worten des Landrates für den weisen Ratschlag zu folgen, denn der wunderbare „Kaffeevollautomat“ lief zur Hochform auf: Mahlmaschine, grrrrr, Kompressor, der den Kaffee pumpt, drrrrr, Milchschäumer, pfpfpfpfpfpf… – eine kleine Schlage vor dem Vollautomaten bildete sich. Aber der Cappuccino riecht auch wirklich wunderbar.

Nachdem Kreistagsmitglied R. Klinkhammer (von Beruf Bauer) deutlich machte, dass er sich bei der Abstimmung enthalten würde, weil er fand, dass nicht nur das Land der Bauern immer weniger werden sollte, sondern auch der Wald kleiner werden könnte, wurde votiert. Das Ergebnis der Abstimmung war mehrheitlich für die ablehnende Stellungnahme der Verwaltung. Klar ist jetzt, dass man keine Windräder im Reichswald haben möchte.

 

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4 Kommentare - Sortierung: Neuester oben / Ältester oben
  1. 4. Brückenbauer

    35Tage nach der 17. Sitzung des Kreistages vom 23.3.2017 ist es dem interessierten Bürger immer noch nicht möglich auf der Homepage des Kreises Kleve nachzulesen, was in der Kreistagssitzung beschlossen worden ist.

    Ist das Transparenz im Informationszeitalter? Sind die Mitarbeiter der Verwaltung überlastet? Wird hier an Personal gespart? Oder gibt man hier dem Bürger keine Chance am Geschehen teilzunehmen?

    So bleibt es einem nur zu hoffen, dass es möglich ist die Niederschrift der 17. Sitzung vor der 18. Sitzung in wenigen Tagen lesen zu können!

     
  2. 3. laloba

    Klingt nicht gerade souverän. Aber das Wichtigste passt dann.

     
  3. 2. Messerjocke

    Ist das ein Fortsetzungsbericht für’s lange Wochenende, oder wozu dient der kolossale Cliffhanger am Ende?

     
  4. 1. otto

    Interessant diese Momentaufnahmen aus dem Kreistag; über den geschilderten Ablauf
    könnte ein spannender Roman geschrieben werden mit einigen schwarzen Punkten, um
    die Hauptakteure zu schwärzen.

    Nicht erwähnt wurde die die Verweigerung der Zustimmung zum Kranenburger Energieplan
    im Reichswald.

    Der Kreis hat damit noch rechtzeitig festgestellt, dass der Hehler genauso zu behandeln ist wie der
    Stehler. Der Kranenburger Energie-Initiator ist nach Prof. Lesch ein Dieb, der einen Teil der
    Natur stiehlt und einen nicht mehr -gut- zu machenden Schaden hinterlässt. Solche Personen
    sind anzuzeigen, damit sie zu einer empfindliche Strafe und Verlust der Ehrenrechte verurteilt werden können.