Der Messias kam um 9 Uhr

rd | 28. Juni 2007, 13:15 | keine Kommentare

Zwei Tage vom Internet abgeschnitten. Irgendwie der übliche Telekomwahnsinn mit fortwährenden Demütigungen durch Computersprachmenüs (“Hm, Sie möchten also eine Beschwerde aufgeben…”) und Warteschleifenswing. In der größten Verzweiflung ein Gang zum Telekomladen. Ein freundlicher Mitarbeiter nimmt sich der Sache an – und schreibt mir die Handynummer eines Technikers auf die Bestätigung des Auftrags, der wegen irgendwelcher unvorhergesehenen Hardwarekonflikte zum Destaster geführt hatte. Ein Techniker! Und dann gleich die Handynummer!!

Fröhlich verließ ich das Ladenlokal, und als nach der vereinbarten Stunde immer noch keine Besserung eingetreten war, wählte ich die Handynummer des Technikers. Leider teilte er mir allerdings mit, dass der Änderungsauftrag, der den alten Zustand wiederherstelle, schon “im System” sei, und wenn er nun versuche, in diesen Prozess per Hand einzugreifen, dies zu noch größerer Verwirrung führe. Bis Mitternacht sei die Umstellung erfolgt, eine Zeit die ich nutzte, um Rasen zu mähen, zu staubsaugen, zu spülen. Um Mitternacht hatte ich dann auch Schreibtisch und Desktop aufgeräumt. Und nichts tat sich. Leichte Wut – und der feste Vorsatz, morgen den Techniker zu quälen.

Aber dann! Am nächsten Morgen um 9 Uhr, noch bevor ich zum Telefon greifen konnte, klingelt es an der Haustür. Ein freundlicher, bärtiger Mann in Motorraduniform stellt sich vor: “Guten Tag, ich bin XY, der Techniker von der Telekom. Ich habe heute morgen gesehen, dass Ihr Internet immer noch nicht geht, deshalb habe ich Ihnen jetzt die Hardware mitgebracht, mit der es auf jeden Fall läuft.” Ich bitte den guten Mann in die Wohnung, erfahre so nebenbei, dass dies eigentlich sein freier Tag sei, lasse ihn fünf Minuten stöpseln – und alles läuft wieder.

Beschwingt ging ich in den Tag, mit dem Gefühl, Zeuge einer messianischen Erscheinung gewesen zu sein – und mit der Erkenntnis, dass solche Leute für den Laden mehr wert sind als alle gelackten Werbekampagnen mit zwangsentspannten Menschen in schicken Wohnungen mit dunklen Hölzern und cremefarbenen Sitzlandschaften. Die Handynummer gebe ich nie wieder her.

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