Beuys & Geurts: Zum röhrenden Hirschen

rd | 02. Februar 2011, 18:56 | 13 Kommentare

Werden demnächst in Moyland mehr röhrende Hirsche und üppig dekolletierte Zigeunerinnen und weniger von diesem komplizierten Beuyssachen gezeigt? Könnte sein, angesichts der dadaesken Szenen, die sich auf der Jahrespressekonferenz der Stiftung Museum Schloss Moyland abgespielt haben. Hans Geurts, Vorsitzender des Fördervereins Schloss Moyland, legte im Restaurant Alte Post einen Auftritt hin, der am ehesten damit zu vergleichen ist, dass der Vorsitzende des Schalke-Fan-Clubs öffentlich erklärt, er sei in Wahrheit für Dortmund.

Geurts, mit schwarzem Rollkragenpullover unterm braunen Sakko sehr feuilletonkompatibel gekleidet, hatte sich vor der versammelten Kulturpresse schon in Rage geredet, als er noch einmal so richtig ausholte und der Museumsleitung unter Dr. Bettina Paust einen verbalen Tiefschlag verpasste, indem er rundheraus eingestand, »dass die seit Jahren vergeblich versuchen, mich an Beuys ranzuführen. Van Gogh – das ist für mich Kunst.«

Zum röhrenden Hirschen (Foto: Kurier am Sonntag)

Zuvor hatte er bereits das Konzept der Museumschefin, das Schloss zu dem Zentrum der Beuys-Foschung zu machen, in Bausch und Bogen verdammt. Denn Beuys sei Kassengift, weshalb er vorschlug, auch Künstler aus der Region auszustellen: »Auch wenn das die Museumsleitung nicht so gerne hört: Man sollte diese typisch niederrheinischen Künstler nicht von Moyland fernhalten.« Olaf Plotke vom Kurier am Sonntag, der da war, berichtet in seinem Blog: »Nein, das hörte Dr. Paust wirklich nicht gern. Denn Moyland will ein Museum von Weltrang sein und kein Ort, an dem Hobby-Künstler ihre Aquarellversuche präsentieren.«

Erzürnt verließen Paust und Verwaltungschef Look den Saal. Auf dem Weg heraus konnte man hören, wie es zischelte. »Der soll ruhig so weitermachen!«

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13 Kommentare - Sortierung: Neuester oben / Ältester oben
  1. 13. Fotograf

    das ist Kunst….hört selbst…Beuys spricht Jaja und nene

     
  2. 12. Ahnungsloser

    Mal ehrlich, das Thema ist doch genauso bekloppt wie der 1. FC Kleve.

    Einige gelangweilte vermeintliche Lokalgrößen wollen sich profilieren.
    Ob Kunst oder nicht. Eine Badewanne mit eingeschmiertem Fett ist einfach nur ekelhaft.
    500 Bleistiftzeichnungen mit dem selben Blödsinn nur aus anderer Perspektive auch.

    Schloss Moyland ist eigentlich nur Weihnachtsmarkt, für den niemand eine Beuys-Ausstellung braucht. Glühwein statt Fett-Ecke ist durchaus vernünftig und kostet den Steuerzahler, der ohnehin schon jeden Blödsinn bezahlen muss eindeutig weniger.
    Sinnvoll wäre es, wenn die Witwe die ohnehin eher provokativen als nachvollziehbaren Meisterwerke mit nach Düsseldorf nähme. Dann muß auch niemand mehr eine Dr. Bettina bezahlen, deren Fokus in der Ablösung der “Moyländer Hängung” ist.

    Klar hat Kleve eigentlich nur Theo und Mom zu bieten, aber deshalb besteht kein Bedarf, den Schlagabtausch eitler Kulturschaffender zu ermöglichen, für deren Kulturverständnis sich ohnehin keine nennenswerte Anzahl Menschen interessiert.
    Beim 1. FC Kleve wurde gefragt, in welchem Verhältnis die Förderung zur Besucherzahl bei Heimspielen steht.
    Was Moyland und Kurhaus angeht, ist eine ähnliche Fragestellung sicher statthaft. Und da muss man dann den Kreis erweitern: Besucher im Verhältnis zu Deutschland. So bedeutend sollen ja die Exponate sein. Eine weihnachtsmarktbereinigte Betrachtung ist im übrigen icht statthaft.

    Aber egal. Vielleicht hätte man das Geld ja dafür verwenden können, die B9 zügig zu sanieren, damit die Einbahnstrasse nicht notwendig wäre.
    Aber auf der anderen Seite ist die Fahrtrichtung Düsseldorf nur erschwert einzuschlagen.
    Verhindert das den Abtransport des Beuys-Werks in Richtung Landeshauptstatt oder Verbrennungsanlage Asdonkshof ?

    Bis dann in der Fett-Ecke

     
  3. 11. Meiner Einer

    Das derzeitige Theater in Moyland ist m.E. ist Possenspiel verletzter Eitelkeiten.

    Auch wenn mir die Person HG befremdlich ist, so hat er doch in der Kernfrage recht. Die Daseinsberechtigung eines Museum Schloss Moyland muss bei einem derartigen (Steuer-)Finanzierungsvolumen in Verbindung mit der geradezu lachhaften Besucherzahl (87.000, davon 50.000 Weihnachtsmarkt)schon hinterfragt werden.

    Über die Kunst eines Jupp Beuys lässt sich streiten, mir liegt sie nicht. Zum Schauen mal nicht schlecht, aber nach der achten Wand “Braunkreuz aus Papier” ist es dann irgendwann gut. Aber das soll ja besser werden.

    Den größten Fehler, den die Verantwortlichen in Moyland m.E. machen können, ist die Arroganz, sich über Kritiker hinwegzusetzen und stur den für sie vermeintlich richtigen Weg zu gehen. In Zeiten, in denen öffentliche Schwimmbäder, Zuschüsse zu Sportvereinen, Kleinkunstbühnen ständig diskutiert werden, sollte die Führung eines von Steuergeldern absolut abhängigen Museums mal vom hohen Ross absteigen.

     
  4. 10. Insider

    Über Kunst lässt sich mindestens genauso gut streiten wie über Fußball. War es nun ein absichtliches Handspiel? Hätte der Schiri Elfmeter pfeifen müssen?
    Mein Gott, unterschiedliche Ansichten über die Kunst machen sie doch gerade interessant.

    Im Kurhaus z.B. wird hochrangige Kunst ausgestellt, die aus allen Teilen des Landes honoriert und gelobt wird. Und wieviele “Klever Bürger” waren jemals im Museum? So ist das nunmal mit der Kultur. Der eine kann was damit anfangen und der andere eben nicht. Das ist doch auch sonst überall im Leben so. Und WAS gehängt/gestellt wird kann der Steuerzahler eh nicht entscheiden, nur zahlen MUSS er!

     
  5. 9. willi winzig

    Moyland und Kurhaus beides Geldverbrennungsanlagen höchster Güte, aber kaum jemand will den Rauch sehen, geschweige denn dafür bezahlen. Der blöde Steuerzahler der ist allerdings immer dick dabei……

     
  6. 8. dingdung

    Gehöret habe ich, daß unserem ehrwürdigen Sonnenkönig der Wandschmuck eines seiner Schlösser (namentlich das chateau Moyland) auf das äußerste mißfallen soll. Grund der königlichen Erzürnung ist das Werk eines gewissen Joseph B. welches auf völliges Unverständnis seiner Majestät trifft und fürwahr schon an Majestätsbeleidigung grenzen soll.
    Um dieses Geschwür unverzüglich auszumerzen wies der König seine Schergen an diese Objekte der Ärgernis schnellstens zu entfernen.
    Besagte Schergen wollten das Oeuvre des Joseph B. gerade in den Gräften des
    chateaus versenken, da erreichte eine Depesche aus einem Dorf an der Düssel das königliche Anwesen. Darin ersuchte die Witwe des Joseph B. den König seine Meinung zu überdenken und ihr das Werk ihres Gatten zukommen zu lassen.
    Der König, welcher gerade ein vorzügliches Mahl auf Kosten seiner Untertanen (des Steuerzahlers) zu sich nahm, antwortete, zwischen zwei ausgedehnten Rülpsern ” Alors, c’est bien!”
    Sogleich zitierte er einen königlichen Schreiberling herbei , welcher umgehend ein Dekret aufzusetzen hatte, in dem es nur ihm, dem König, zustand zu entscheiden was Kunst sei oder nicht. (O-Ton. …darüber müssen wir hier nicht diskutieren…)
    Am gleichen Tag noch verließ das Werk des Joseph B. das königliche Anwesen und nahm seinen Weg zu besagtem Dorf an der Düssel.
    Die Bewohner jenes Dorfes waren beim Eintreffen des Konvoluts auf das Äußerste entzückt, wußten sie doch welchen ungeheuren Schatz sie jetzt ihr eigen nennen durften. Trotz all der Freude hatten viele dennoch die Befürchtung dem König könne irgendwann doch ein Licht aufgehen.
    Mitnichten muß ich hier bemerken: Wenn man schon Sonnenkönig ist – warum sollte dann einem noch ein Licht aufgehen?

    Nachtrag:
    den Aussagen der vereidigten höfischen Wahrsagerin, welche aus verständlichen Gründen längst das Land verlassen hat um eventuellen Repressalien zu entgehen, ( vierteilen, teeren, strecken etc.) war zu entnehmen, daß in naher Zukunft das Werk des Joseph B. in Düsseldorf über die Maßen geachtet werden wird.
    In Moyland hingegen ist das ganze Jahr über Weihnachtsmarkt!

     
  7. 7. Sansibar

    Dito…ganz unrecht hat er nicht. Ein so “tolles Museum” wie ein Schloß, bräuchte auch mal was anderes, als Jahr aus und Jahr ein, die immer gleiche Ausstellung, des Joseph Beuys. Ich mag Beuys, seine Zeichnungen und einiges mehr…aber alles ist in meinen Augen auch nicht unbedingt Kunst.
    Bei mir zuhause hängt auch eine Filtertüte, ein Teebeutel…aber keiner finde dieses schick!:-))

     
  8. 6. Messerjocke

    Auf die alten Tage kann man den Hans doch noch richtig lieb gewinnen.

    Mindestens zwei Drittel der Ausstellung im Schloss ist -und ich drücke mich jetzt wg. der empfindsamen Gemüter milde aus- trivialer Sekundärrohstoff, mit dem man lediglich die unerträgliche Gestaltung des Innenbereichs maskiert. Hier dient nicht der Raum einer Darstellung sondern dieser Schrott dem Raum- nur leider abträglich.

    Die Summe in dem Zusammenspiel ist ein Nichts, das es eigentlich gar nicht gibt, wenn man der Physik glauben schenken darf. Das wiederum ist doch Kunst- kostspielig allerdings.

     
  9. 5. van Meegen

    Geurts liegt sicher nicht falsch indem er fordert, dass auch heimische, typisch niederrheinische Künstler die Möglichkeit erhalten sollten ihre Kunst im Museum zu präsentieren. Nur die Art und Weise wie er dies jetzt tat, ist total daneben.

     
  10. 4. Killerplautze

    Eine absolut geniale Meinung findet sich in den Kommentaren im KAS wieder, Zitat:

    “Vielleicht sollte er (HG) außerdem mal das eine oder andere professionelle Beratungsgespräch darüber suchen, warum er Menschen immer wieder entwerten, bloßstellen und beleidigen muß. Herr G. scheint tiefgehende Probleme mit seinem Selbstverständnis, sich und andren Menschen zu haben. Massenkompatible Kunst, das hatten wir schon mal, hieß nur anders.
    Herr G. sollte bedenken, daß es genau diese Kunstauffassung war, die z.B. van Gogh in den Suicid trieben.”

    http://www.kurier-am-sonntag.de/cms/notizblog/3027-wie-hans-geurts-museumsdirektorin-dr-bettina-paust-oeffentlich-abwatschte.html#comment-41

    Ich glaubs nicht.

     
  11. 3. Der Laie

    In Zeiten leerer Gemeindekassen,darf man auch einer Frau Dr.
    Paust vor Augen führen, das bedrucktes Papier in Form von Geldscheinen kein selbstständig nachwachsender Rohstoff ist,
    sondern durch lukrative Ausstellungen verdient werden muß.

    Wer freiwillig auf Einnahmen durch Eintrittsgelder von ~ 300.000 € verzichten kann,benötigt doch sicherlich auch keine Unterstützung aus der Gemeindekasse mehr?

    Ist das jetzt das erste Signal an die Familie van der Grinten
    sich in Kranenburg nach einer leeren Scheune umzusehen?
    Denn das die Erben von Josef Beuys die Ausstellungsstücke käuflich erwerben wollen, kann ich mir nicht vorstellen.

    Über Umgang und Stil eines HG läßt sich trefflich streiten,
    in der Sache hat er m.M. nach Recht,der Umstand Bilder von links nach rechts oder von oben nach unten zu hängen machen aus einem Museum noch keinen Selbstläufer.

    Nur mit wechselnden Ausstellungen verschiedener Künstler generiert man wiederkehrende Besucher.

     
  12. 2. Gallus

    Typisch der abgehobene Hans Geurts. Aber eines steht fest – er ist auf dem Foto unerhört gealtert.

     
  13. 1. MalWasSag

    Hallo Onkel Hans, dafür bekommst du von mir ein großes Lob. Die ersten Werke von Beuys waren ja noch gut. Aber die Menschen verachtende Kunst, die er nachher produzierte muß man sich nicht wirklich antun. Da gibt es bestimmt genug schöne Werke anderer Künstler.