Kleve, 7:19 Uhr

Wahrzeichen, von Schäfchenwolken gerahmt (Foto: Fred Krusch)
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    Man muss den Blick einfach genießen, den Fred Krusch heute Morgen für uns mit seiner Kamera eingefangen hat: Der Schwanenturm, unser aller stolzes Wahrzeichen. Malerisch eingerahmt von feinsten, watteweichen Schäfchenwolken. Schöner Himmel, eitel Sonnenschein. In Kleve ist die Welt, zumindest optisch, mal wieder in bester Ordnung.

    Doch wer bei diesem Anblick ins Träumen gerät, dem sei ein kurzer Blick über den Tellerrand (oder besser: über die Grenzen des Kreises hinaus) ans Herz gelegt. Denn während wir uns am Niederrhein noch im göttlichen Schönwetter sonnen, zieht andernorts bereits ein handfestes haushaltspolitisches Donnerwetter auf. Die Rede ist von Neuss.

    Dort fliegt den Verantwortlichen in Politik und Verwaltung gerade ein Projekt um die Ohren, das eigentlich als „Grünes Herz“ der Stadt gefeiert werden sollte: das Gelände der Landesgartenschau (LAGA Neuss 2026). Am kommenden Sonntag schließen sich dort die Tore. Und erst jetzt, auf den allerletzten Drücker, legte die Stadt ein Nachnutzungskonzept vor. Das Ergebnis ist ein finanzieller Tiefschlag für die Steuerzahler.

    Statt der ursprünglich bei der Bewerbung im Jahr 2021 einkalkulierten 380.000 Euro pro Jahr für die Pflege, schlägt die Realität nun mit satten zwei Millionen Euro jährlich zu Buche! Allein 1,5 Millionen Euro fließen in die reine Grünpflege, gefolgt von Unmengen an Geld für Sicherheit und Technik. Und das in einer Stadt, die ohnehin tief in den Miesen steckt und bereits überlegt, die örtliche Eishalle zu schließen, um mickrige 750.000 Euro einzusparen. Man hat sich jahrelang etwas vorgemacht und die Augen vor den Folgekosten verschlossen.

    Was hat das mit Kleve zu tun?

    Auch in Kleve erfreuen wir uns an schönen Parks, Grünanlagen und ambitionierten städtischen Projekten wie die LAGA Kleve 2029. Doch das Beispiel Neuss zeigt schmerzhaft, was passiert, wenn man sich vor einem klaren Blick drückt und die Folgekosten von Prestigeprojekten erst dann berechnet, wenn der schöne Schein verflogen ist.

    Die Schäfchenwolken über dem Schwanenturm sind flüchtig. Damit aus dem Klever Schönwetter kein bitteres Donnerwetter wie in Neuss wird, sollte die Klever Politik verdammt gut aufpassen, dass bei uns von Anfang an mit ehrlichen Zahlen gerechnet wird. Sonst wachen wir irgendwann auf, die Sonne ist weg, und wir stehen im finanziellen Starkregen. Ich schreibe dies alles, weil ich mich auf die LAGA Kleve freue.