Auf den ersten Blick mag man denken, dass da der Schwanz mit dem Hund wedelt, aber warum eigentlich nicht, wenn man was zu bieten hat?
Gleich an sechs Düsseldorfer U-Bahnhöfen werden die Passagiere auf insgesamt 33 großformatigen Werbescreens zwischen den Gleisen dazu animiert, Kleve einen Besuch abzustatten: „Komm nach Kleve!“ Der Klever an sich, einerseits von der Einzigartigkeit seines Gemeinwesens überzeugt, andererseits aber auch gerne am Nölen, dürfte hier sein Weltbild ins Wanken geraten sehen. Normalerweise fährt „er“ bzw „sie“ ja nach Düsseldorf, wegen der schicken Geschäfte und der Altstadt, also wegen Einkaufsmöglichkeiten und Nachtleben. Was aber sollte einen Menschen aus Düsseldorf bewegen, die 90 Kilometer rheinabwärts zu fahren und Kleve zu besuchen?
So einiges, findet das Team der Klever Wirtschaft, Tourismus und Marketing GmbH um Verena Rohde – und kam deshalb auf die kecke Idee, die Menschen in der Landeshauptstadt für ein „dagje uit“ in der Kreisstadt zu begeistern. Punkten kann Kleve mit einem tollen Wahrzeichen, mit viel Grün in gepflegten Parkanlagen, mit reichlich Kultur (Museum Kurhaus Kleve, B. C. Koekkoek Haus) und mit einer grundsätzlichen Gemütlichkeit und Entschleunigung, die das hektische Leben in einer Metropole seinen Einwohnern beständig vorenthält. Bezeichnenderweise ist in den zehn Sekunden langen Spots auch die Draisine zu sehen, deren Konzept so ziemlich genau das Gegenteil von dem ist, was der Düsseldorfer, der den Werbespot auf den Bildschirmen sieht, gerade zu nutzen im Begriff ist – eine laute, womöglich überfüllte, womöglich pflegebdürftige U-Bahn in einem dunklen Tunnel. Kleve kann da vielleicht nicht schneller, aber besser!
Die Kleve-Spots laufen noch bis zum 31. Mai in den Düsseldorfer Bahnhöfen. Der Betreiber schätzt, dass in der Zeit rund 300.000 sogenannte „Impressions“ generiert werden. Wenn nun einer von hundert dieser Kontakte tatsächlich auf die Idee käme, einen Abstecher nach Kleve zu unternehmen, wären das 3000 neue Besuche. Da ein solcher Besuch mitunter auch mit dem/der Liebsten unternommen wird oder sogar mit der ganzen Familie, könnte da schon etwas zusammenkommen. Wenn’s dann gefällt, kämen noch mögliche Wiederholungen sowie Mundpropaganda hinzu.
Einziger möglicher Schwachpunkt: das Risiko, mit dem RE 10 anzureisen. Das unendliche Drama um die notorisch unzuverlässige Bahnlinie hat sich zwar inzwischen stabilisiert, aber das fortwährende Negativimage könnte doch längerfristig abschreckend gewirkt haben. (Meine letzte Nutzung endete mit 21 Minuten Verspätung.) Andererseits auch da neuerdings ein Punkt auf der Habenseite: Die Fahrt mit den Dieselloks der Baureihe 218 – ein absolutes Highlight für Eisenbahnnostalgiker!
PS. Apropos Schwanz und Hund: Im 16. Jahrhundert gehörte Düsseldorf zum Herzogtum Jülich-Kleve-Berg und entwickelte sich in dieser Zeit von einer kleinen Siedlung („…dorf“) zu einer prächtigen Residenzstadt. Erst Wilhelm der Reiche baute Düsseldorf zur Hauptresidenz aus.


Eins muss man ja neidlos anerkennen und würdigen: Das Team der Klever Wirtschaft, Tourismus und Marketing GmbH um Verena Rohde lässt sich was einfallen und setzt es um.
Eine Stadtmarketings-Kampagne in der Landeshauptstadt für Kleve zu starten, um Tagesgäste zu akquirieren, finde ich gut.
Interessieren würde mich später die Response der Zielgruppe über:
die Impulskraft der Kampagne (Anreisemotivationen gecatcht?),
die Wahrnehmungen und den Zuspruch für die Kreisstadt.