2004 führte der damalige Bürgermeister Theo Brauer mit dem ihm eigenen Sinn für Inszenierung den Umzug der Klever Schützenvereine zum Auftakt der Kirmes ein. Die Majestäten aller Vereine und deren Gefolge marschierten, untermalt von der Musik von Spielmannszügen, vom Markt Linde bis zum Kirmesplatz, eine Leistungsschau weiblicher Abendgarderobe und die perfekte Gelegenheit, für den Bürgermeister an der Spitze dieser erlesenen Schar von Untergebenen durch die Stadt zu marschieren, ganz ein pater civitas, und man konnte förmlich spüren, wie das Ego des Mannes mit jedem Schritt mehr über seine Konfektionsgröße hinauswuchs. Aber all das ist nun 21 Jahre her, nach Brauer marschierten Sonja Northing (Ende vergangenen Jahres verstorben) und danach nun schon einige Jährchen Wolfgang Gebing an der Spitze des Zuges, und seitdem ist eine zumindest für die Schützen betrübliche Konstante zu beobachten: Der Zug schrumpft und schrumpft und schrumpft. Ist das Pulver der Tradition feucht geworden?
21 Jahre nach der Begründung des Umzugs sind die Schützenvereine zwar noch da, aber die Spielmannszüge fehlen. Es gibt ein auf Facebook veröffentlichtes Video vom Auftakt des Zuges, das exakt fünf Minuten und 28 Sekunden dauert. Danach sind alle Gruppen an der Kamera vorbeimarschiert. Zu Brauers Zeiten dauerte der Zug gefühlt Stunden, und man konnte nie sicher sein, ob am Ende nicht noch eine Interkontinentalrakete durch die Stadt gezogen werden würde.
Wo aber sind die Spielmannzüge geblieben? Sie waren „nicht spielfähig“, hieß es. Das bedeutet: Da der Schützenumzug unmittelbar zum Ferienbeginn stattfand, waren offenbar schon so viele der Musikkapellen so ausgedünnt, dass an einen Auftritt nicht mehr zu denken war. Im vergangenen Jahr gab es noch drei Spielmannszüge, in diesem Jahr fehlte auch der aus Rindern, sodass nur noch die Musikgruppen der Freiwilligen Feuerwehren Kleve und Reichswalde genügend Instrumente auf die Beine zu bringen imstanden waren. Die mussten dafür ohne Pause spielen.
Die Wegstrecke wurde ebenfalls verkürzt. Weil die Parade zum Abschluss mangels Masse weggekürzt wurde, bogen die Vereine und die beiden Spielmannszüge von der Großen Straße kurzerhand gleich nach links in die Kavarinerstraße ab. Ursprünglich war ein Schlenker über Gasthausstraße und Opschlag vorgesehen. Dort warteten die Anhänger des Brauchtums vergebens auf den Zug.
Das alles aber wirft die bange Frage auf: Wird es den Schützenumzug in dieser Form im nächsten Jahr überhaupt noch geben? Immerhin liegt der Auftakt der nächsten Klever Kirmes am 11. Juli 2026 eine Woche vor dem Beginn der Sommerferien. Der letzte Hoffnungsfunke.


Noch ältere Zeiten, ohne Ton, aber mindestens ebenso gut.
https://www.youtube.com/watch?v=3bQQa_lDeSw
@Spoyboy:
Wahnsinn, schöner Umzug. Hat Theo Brauer auch verdient. Ein Bürgermeister, der noch für seine Bürger da war✌Respekt
DAS waren noch Zeiten !
🙂
https://www.youtube.com/watch?v=1DSXLp3V59k
Schon erstaunlich das das Schützen Brauchtum auf der „Gönne Kant“ sprich jenseits der Rheinbrücke ab Emmerich-augenscheinlich ganz anders gelebt wird. „Nachwuchsprobleme“ selbst auf den Dörfern scheint es rechtsrheinisch nur hin und wieder zu geben. Aber was machen die Schützenvereine dort anders? Gibt es andere Satzungen/ Regelungen innerhalb der Vereine? Jedenfalls wäre es schade um dieses Brauchtum.
@2
Aber nicht jeder trägt alle Orden, bei einigen wäre da von der Menge sonst ein Bandscheibenvorfall möglich. Ich hab früher auch immer nur die wichtigsten genommen.
Aber mit dem ganzen Vereinsgemeiere hab ich zum Glück nichts mehr zu tun
Ich oute mich hier mal als (ehemaliger) Schütze.
Im letzten Jahrtausend Mitglied der Jungschützenabteilung der St.Antonius Bruderschaft in Hau.
Grüne Uniformjacke, ein Orden – gewonnen bei einem Königsschießen, weil nach meinem Schuss dem Sperrholzvogel ein Flügel abfiel. Zufall. Oh Mann, war ich stolz! Enen Jong van et Därp het enen Orden gekreege in et groote Hau !
Eine kurze Bildanalyse.
Zu dem Schützenbruder ganz links im Bild: Oh Mann, wie kann man sich sooo gehen lassen. Im letzten Jahr muß das Bauchgeschwür ja mächtig gewachsen sein. Aber trotzdem ist es eine Frage der Ehre, nicht mit offener Jacke durch die Stadt zu marschiere. Hat er ja auch nicht getan. Lieber sich selber zum Aap gemaakt än den Beus vöör den Bukk tugeknöppt.
Rächts dornäwe den Börgermester. Der geht zwar im Gleichschritt wie alle anderen Figuren auch, hat aber das falsche Bein vorne. Ey Mann, wo hast du denn marschieren gelernt? Es heißt immer noch „Links zwo-drei-vier“ und nicht „Rechts zwo-drei-vier“.
https://www.youtube.com/watch?v=Ph-CA_tu5KA
Es sei ihm verziehen, genauso wie sein mißmutiger Blick in die Kamera. Man könnte schlechtere Dinge über einen Deutschen sagen, als „Mit dem können wir keinen Krieg gewinnen.“
Der Dritte in ersten Reihe ist wohl der Anführer des wilden Haufens. Erste Reihe, das sagt was aus! Und derart viele Orden kriegt man nur, wenn Mann sich in vielen Jahren Arbeit hochgesoffen hat. Also ein geselliger und harmloser Bruder. Gefährlich ist aber der Kollege auf der anderen Seite des Zivilisten. Mit nur so wenigen Orden schon trotzdem erste Reihe – das geht nur wenn man die Ellenbogen kräftig nutzt. Oder viel Geld mitbringt. Wahrscheinlich beides.
Hier hör ich mal auf.
Der Rest des Haufend verschwimmt in fotografischer Unschärfe und in der Bedeutungslosigkeit.
„am Ende nicht noch eine Interkontinentalrakete durch die Stadt gezogen werden würde.“ 🤣🤣🤣
Vielleicht reicht ja fürs Erste auch ein TAURUS-Nachbau, mit dem die Kräfte der Heimatverteidigung ein starkes Signal Richtung Osten senden könnten.😉