RE-10-Fiasko eskaliert: Strafzahlungen und Vertragskündigung stehen im Raum

Kein Zug wird kommen (mit 41-prozentiger Wahrscheinlichkeit): Wartende am Klever Bahnhof (Archivbild)

Der RE 10, der die Städte Kleve und Düsseldorf im Halbstundentakt mit einer Fahrzeit von 99 Minuten verbinden soll, ist die Lachnummer einer Bahnverbindung schlechthin, sie zerstört Beziehungen, vernichtet Beschäftigungsverhältnisse und zwingt wartende Menschen auf Bahnsteigen in katatonische Zustände, und die Verantwortlichen schieben munter die Verantwortung hin und her, was auch möglich ist einem von der Politik geschaffenen Gewirr mit dem Regionalbahnunternehmen RheinRuhrBahn, einer 100 Prozent Tochter der Transdev GmbH, wenn man den Wikipedia-Beitrag zur Eigentümerstruktur liest, versteht man vor lauter Veolia, Connex, Transdev Group und Rhenus Veniro nur, dass das Hin- und Hergeschiebe dysfunktionaler Unternehmensteile die Methode der Verschleierung ist), der DB InfraGO AG (GO für gemeinwohlorientiert) als hundertprozentiges Tochterunternehmen der Deutschen Bahn (DB), das am 27. Dezember 2023 durch Umbenennung der DB Netz sowie Verschmelzung mit der DB Station&Service entstanden ist, sowie des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR, eine  ist eine Anstalt des öffentlichen Rechts mit Sitz in Essen), der für 1125 Verkehrslinien verantwortlich ist (darunter 20 Regional-Express-Linien). Der VRR ist so eine dieser Organisationen, bei der man gar nicht so genau weiß, was sie macht, und das ist auch durchaus gewollt, im Wikipedia-Artikel zum VRR steht beispielsweise keine einzige Finanzzahl, wenn man sich dann aber die Mühe macht, den Plan für 2026 im Internet zu suchen, kommt man aus dem Staunen kaum heraus: Offenbar wird sehr viel Geld dafür verbraucht, Ausreden zu produzieren. Das findet sich im Wirtschaftsplan 2026 unter dem Punkt 2.1 „Gutachten, Beratung, MaFo für externe Maßnahmen“. Dafür sollen in diesem Jahr 12,115 Millionen Euro aufgewendet werden, 2.2 „Marketing- und Werbeagenturen“ 1,271 Millionen Euro, 2.3 „Externe Kommunikationscenter/Support/Hosting“ 4,812 Millionen Euro, 2.4 „Sonstige Dienstleistungen“ 1,877 Millionen Euro, 3.2 „Druck- und Portokosten für Maßnahmen“ 1,697 Millionen Euro. Insgesamt sollen 64 Millionen Euro ausgegeben werden, 49 Millionen Euro kommen rein. Überflüssig zu sagen, dass keine Ausgaben für irgendwas erkennbar sind, die tatsächlich Menschen von A nach B bewegen.

Was aber heißt das nun, wenn der VRR „Strafzahlungen“ an die RheinRuhrBahn in hoher sechsstelliger Größenordnung verhängt, wie VRR-Chef Oliver Wittke im WDR verkündete (Bahnfrust im Niersexpress, WDR)? Es soll sich um 600.000 Euro handeln. Das bedeutet, dass ein Unternehmen, welches in diesem Jahr sage und schreibe 41 Prozent der RE-10-Züge ausfallen lässt, von seinem Umsatz in Höhe von rund 1,5 Milliarden Euro 0,004 Prozent abzwacken muss. Der Schmerz wird sich in Grenzen halten. Bekommt irgendein verzweifelter RE-10-Nutzer davon etwas zu sehen? Nein. (Vorschlag: Man könnte eine Lotterie ins Leben rufen und unter den Dauernutzern des RE 10 sechsmal hunderttausend Euro verlosen.)

Wenigstens etwas konsequenter ist ein aktueller Vorschlag der Grünen: den Vertrag mit der RRB zu kündigen (Text der Pressemitteilung unten). In Konsequenz führe dann keiner mehr auf der Strecke. Was aber ehrlicher ist, als den jämmerlichen Betrieb aufrechtzuerhalten. Es ist zwar eine Bankrotterklärung, aber es ist vielleicht immer noch besser so als dass sich Menschen mit Alibidienstleistungen schamlos bereichern. (Das beklagenswerte Personal der RheinRuhrBahn ist ausdrücklich nicht damit gemeint, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind selbst Opfer der skandalösen Zustände.)

Pressemitteilung der Grünen (Originaltext)

GRÜNE fordern Kündigung der RE10-Verträge: “Egal wie, aber mindestens der Stundentakt muss fahren”

Die Rhein-Ruhr-Bahn hatte in der Vergangenheit im Verkehrsausschuss des Kreistags mehrfach Besserung versprochen. Die grüne Kreistagsfraktion hatte zunächst Hoffnung in die neue Geschäftsführung gesteckt, aber verliert nach den anhaltenden Problemen der letzten fünf Wochen die Geduld und das Vertrauen.

Der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Kreistag Kleve David Krystof bewertet die Lage wie folgt: „Nach einem Brand an einem RE10 Fahrzeug am 12. Dezember 2025 wurden wenige Tage später sicherheitskritische Probleme an mehreren Fahrzeugen festgestellt. Zu diesem Zeitpunkt war klar, dass es für längere Zeit zu massiven Ausfällen kommen würde.“ Sein Vorwurf ist daher deutlich: „Über drei Wochen wurden die Probleme verschleiert und die Ausfälle immer nur für denselben Tag kommuniziert. Das ist nicht die ehrliche und transparente Kommunikation, die wir Fahrgäste verdient hätten.“

Wiederholte, monatelange Ausfälle und Probleme prägten die letzten Jahre auf der Bahnverbindung zwischen Kleve und Düsseldorf. Bei der Rhein-Ruhr-Bahn hat die mangelhafte Kommunikation dabei eine unrühmliche Tradition – und trotz wiederholter Zusagen ist für Fahrgäste keine Besserung erkennbar. Bereits Anfang 2025 gab es eine Abmahnung durch den VRR. 

Die Co-Vorsitzende Judith Erichlandwehr adressiert diesen: „Es ist überfällig, dass der VRR den Druck endlich erhöht und eine zweite Abmahnung ausgesprochen hat. Aber die Region braucht vor allem schnell konkrete Verbesserungen! Egal wie, aber mindestens der Stundentakt muss fahren. Der Vertrag mit der RRB gehört schnellstmöglich beendet und die Suche nach einem neuen Betreiber muss jetzt beginnen.”

Die GRÜNEN im Kreistag wollen nicht nur meckern, sondern haben auch konkrete Lösungsvorschläge: „Der Ersatzverkehr muss mit schnelleren Expressbussen verbessert werden, die U-Bahnlinie U76 zwischen Krefeld und Düsseldorf öfters fahren und der elektrifizierte Abschnitt der Strecke soll durch ein anderes Unternehmen übernommen werden”, führt Hans-Hermann Terkatz, Vorsitzender des Verkehrsausschusses, aus. „Ich erwarte, dass VRR und Rhein-Ruhr-Bahn uns im Ausschuss tragfähige Lösungen präsentieren.“

Im Zusammenhang mit den gehäuften Ausfällen kommt es laut Belegschaft in letzter Zeit zu deutlich mehr Beleidigungen und körperlichen Angriffen auf das Zugpersonal. David Krystof hat dazu eine klare Meinung: „Ich pendle selber regelmäßig mit dem RE10 zur Arbeit nach Düsseldorf und kann den Frust verstehen. Nichts rechtfertigt es aber, Mitarbeitende zu beleidigen, zu bespucken oder sogar Gegenstände auf sie zu werfen!”

Veröffentlicht am
Kategorisiert als Verkehr

Deine Meinung zählt:

10 Kommentare

  1. 10

    RE 10: Reicht Erstmal, Richtig Ekelig, Rumst Ewig, Ratten Etablissement, Riecht Etwas…

  2. 9

    Die Lösung liegt doch auf der (Ausl-)hand.
    Nederlandse spoorwegen ! Ob Bau, Straßenbau, oder halt Spurbau Holländer können das viele male besser !

  3. 8

    RE 10 – Linie der Ausreden

    Der RE 10 zwischen Kleve und Düsseldorf ist kein Zug mehr, sondern ein soziologisches Experiment: 41 % Ausfälle, geschlossene Toiletten, kaputte Türen, und offene Fahrgastrechtsanträge .

    Organisiert wird das Chaos von RheinRuhrBahn, DB InfraGO AG und dem VRR – ein Geflecht aus Unternehmen, das mehr Geld für Gutachten, Marketing und Porto ausgibt (insgesamt 64 Mio. €) als für funktionierende Züge. Strafzahlungen von 600.000 €? Symbolisch. Für die Pendler ändert sich nichts.

    Bitte ändert den Namen von RE10 in :

    Alternative Namensideen: „Linie der Ausreden“, „Gutachten-Express“, oder einfach „Fällt aus.“

    Grüße
    Benito

  4. 7

    Träger des VRR sind die Kommunen. Kann man sich ja denken, wieso der VRR gegründet wurde. Wahrscheinlich deswegen, damit möglichst viele Kommunalpolitiker sich noch einen Zusatzposten ergattern können.

  5. 6

    Beim Berechnen 1,5 Milliarden, 600000 Strafe und 0,004% war wohl wieder der Taschenrechner kaputt…

  6. 5

    Kann der Kreis Kleve doch sicher 4-5 ausrangierte Rangierlokomotiven kaufen, ein paar Triebfahrzeugführer einstellen, irgendwelche Wagen kaufen und dann selbst hin und herfahren…

  7. 4

    Kreis-, Land und Bundespolitiker, Deutsche Bahn, Scheidt-Bachmann und VRR haben jetzt endlich den Schuldigen für die Misere gefunden: Rhein Ruhr Bahn und Transdev.

    Wie abgrundtief verblödet muss man sein, um den Schwachsinn zu glauben ?

    Mittlerweile sind auf der Strecke Kleve – Krefeld ca. 120 Millionen Euro verbuddelt worden , vorwiegend durch Scheidt-Bachmann, mit dem Ergebnis, dass seit fast 4 Jahren nichts mehr
    richtig funktioniert.

    100 Millionen Euro ergibt bei einem Kalkulationszins von 4 Prozent 4 Millionen Euro an
    Zinskosten pro Jahr. Nimmt an für eine Stelle Personalkosten von 50.000 Euro pro Jahr an,
    sind das 80 Stellen. 80 Stellen Personal hätten man also an den Stellwerken einsparen müssen,
    um alleine die Zinskosten zu erwirtschaften. Es muss also allen beteiligten Planern von Anfang
    an klar gewesen , dass sich dieses Projekt so für den Steúerzahler nicht lohnen würde.

    Die Suche nach einem neuen Betreiber..
    Die deutsche Bahn selber will die Strecken nicht betreiben, weil zu unrentabel. Nordwestbahn ist
    mittlerweile ausgestiegen. National Express hat abgewunken….

  8. 1

    Wir als Fahrgäste fühlen uns nun besser, weil die Grünen uns die Grundlage zur Arbeit oder Schule zu gelangen, streichen möchten.