Hochschule eröffnet „Bibliothek der Dinge“

Bibliothek der Dinge (Bild: ChatGPT)

Ist das schon Kommunismus, zumindest der Anfang davon?

Auf jeden Fall handelt es sich um eine gute Idee, mit der die Bibliothek der Hochschule Rhein-Waal (HSRW) gleich zu Jahresbeginn die Welt zu einem Ort macht, die ein bisschen besser geworden ist. Einerseits ist die Ausleihe von „Medien“ in dieser Einrichtung immer virtueller geworden, andererseits: Kann nicht auch ein Hammer ein Medium sein?

Jedenfalls teilte die HSRW Anfang der Woche mit, dass sie ihr Angebot um eine sogenannte „Bibliothek der Dinge“ erweitert, die von nun an den Nutzern die Möglichkeit bietet, auch ihren Freizeit- oder Heimwerkerbedarf leihweise zu regeln. Damit können die Studentinnen und Studenten unnütze Ausgabe vermeiden. Zum Beispiel: Wenn ein Hammer zum Aufhängen eines Bildes benötigt wird, muss dieser nicht eigens im Baumarkt gekauft werden. Statt dessen reicht der Gang zu Bibliothek, es darf halt nur kein anderer gerade den Hammer schon ausgeliehen haben. (Die Pressemitteilung der Hochschule schweigt sich darüber aus, ob es möglich ist, die Ausleihe eines Hammers wie die eines Buches zu verlängern, aber da wird sich im Alltag sicherlich eine Best Praxis herausbilden.)

Weitere Einsatzmöglichkeit: Individuelle Fitness. Der Vorsatz, vor der Vorlesung noch ein wenig mit dem Springseil zu trainieren, muss nicht mehr daran scheitern, dass der Weg zu Intersport zu weit ist – derlei Gegenstände können ab sofort auch in der Bibliothek ausgeliehen werden. Auf dem Pressefoto sind außerdem Frisbeescheiben und Skateboards zu sehen, da scheinen die Bedürfnisse der jungen Studierenden schon sehr gut abgebildet worden zu sein. Noch nicht entdeckt (und offenbar auch noch nicht im Programm, Betonung auf noch) sind Haushaltsgeräte wie Schneebesen, Wasserkocher und Siebträgerkaffeemaschinen, die dazu beitragen können, dass Neuankömmlinge in Kleve gleich einen adäquaten Lebensstandard aufbauen können ohne sich finanziell zu ruinieren.

Interessanterweise ist das Leihgeschäft an sich ja ziemlich aus der Mode gekommen, abgesehen von Autos, Parkettschleifmaschinen und Filmen auf Amazon Prime. Dabei hatte der Klever Unternehmer Philipp Weykamp vor zwei Jahren bei der Auswahl der Preisträger des Nachhaltigkeitswettbewerbs „Klever Birne“ eine verblüffend ähnliche Idee vorgestellt, bei der sich Nachbarschaften selten genutzte Gerätschaften wie zum Beispiel eine Heckenschere teilen sollten, damit nicht „Jedermann sein eigner Fußball“, um es mit dem Titel einer 1919 einmalig erschienenen und dann verbotenen dadaistischen Satirezeitschrift auszudrücken, zugedacht werden muss. Interessanterweise schrieb Raoul Hausmann dazu 1919: „Die kommunistische Bewegung ist beinahe ganz eingedämmt, da jeder Deutsche mit der Herausgabe seiner eigenen Zeitung beschäftigt ist. Lebensmittel unnütz, alle schlucken Druckerschwärze.“

Dieser nunmehr konsumistisch geprägte Hyperindividualismus, der schon damals befürchtet wurde, könnte nun also ausgehend von der Bibliothek der HSRW erstmals vernünftigerweise ein wenig eingehegt werden.

Hier der guten Vollständigkeit halber dann auch noch der Text der HSRW-Pressemitteilung im Wortlaut:

Bibliotheken bieten schon lange die Möglichkeit, Medien zu leihen statt zu kaufen und tragen somit zu einer gemeinsamen, nachhaltigen Nutzung bei. Im Sinne einer ‚teilenden Gesellschaft‘ wurde dieser Ansatz nun weitergedacht: Mit der ‚Bibliothek der Dinge‘ bietet die Bibliothek der Hochschule Rhein-Waal ab Januar 2026 Gegenstände zur Ausleihe an.

Mit jeder Ausleihe einen Beitrag zu einem ressourcenschonenden und umweltbewussten Konsumverhalten leisten – das bietet die Bibliothek der Hochschule Rhein-Waal ihren Nutzer*innen in Kleve ab dem 5. Januar und in Kamp-Lintfort ab dem 26. Januar 2026 mit der ‚Bibliothek der Dinge‘. Zur Auswahl stehen Werkzeugkoffer, Outdoor-Spiele und Sportzubehör, die kostenlos mit einem Bibliotheksausweis ausgeliehen werden können. Vom Balance-Board zum Tischtennis-Set – die Bibliothek bietet Dinge an, die vielleicht nur selten im Alltag gebraucht werden, in der Anschaffung zu teuer sind oder die man einfach gern einmal austesten möchte. So kann vermieden werden, dass Gegenstände für den eigenen Haushalt angeschafft werden, die ungenutzt liegen bleiben.

Die Auswahl der Dinge orientiert sich in erster Linie an der Hauptzielgruppe der Studierenden, die zuvor an einer gemeinsamen Umfrage der Bibliothek und des AStA der Hochschule teilgenommen haben und somit mitbestimmen konnten, welche Gegenstände für die ‚Bibliothek der Dinge‘ angeschafft werden. Aber auch Bürger*innen ab 16 Jahre können sich bei Interesse einen kostenlosen Bibliotheksausweis ausstellen lassen und – neben Büchern – Gegenstände ausleihen. Gestöbert werden kann im Online-Katalog der Bibliothek oder vor Ort am Regal in der Nähe der Information. Die Objekte können für 14 Tage an der Information der Bibliothek ausgeliehen werden.

Mitte Dezember kamen die Projektbeteiligten der jeweiligen Standorte und weitere Interessierte in der Bibliothek zusammen, um die kommende Eröffnung zu feiern. Bibliotheksleiter Jonas Lamik und Projektkoordinatorin Maike Schön nutzten außerdem die Gelegenheit, um sich bei den finanziellen Unterstützern des Projekts, der Stadt Kleve und dem Förderverein Campus Camp-Lintfort, zu bedanken.


Verschiedene Dinge: Maren Gerle (Mitarbeiterin Bibliothek), Maike Schön (Projektkoordinatorin Bibliothek), Christoph Bors (Klimaschutzmanager Stadt Kleve), Larissa Bertram (Mitarbeiterin Bibliothek), Jonas Lamik (Leiter Bibliothek), Dirk Posdena (Leiter Fachbereich Klimaschutz, Umwelt und Nachhaltigkeit der Stadt Kleve) und Christian Bomblat (Technischer Dezernent Stadt Kleve) 

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7 Kommentare

  1. 7

    Drei (hochbezahlte) Mitarbeiter der Stadt Kleve beim Fototermin. Haben die wirklich nichts Besseres zu tun 😒?

  2. 4

    Kleiner Hinweis darauf, dass auch die Stadtbücherei Kleve eine Bibliothek der Dinge hat.

    @1 die von der Hochschule verwendete Software ist auch an anderen wissenschaftlichen Bibliotheken im Einsatz. Ich nehme an, dass Anpassungen für einzelne Bibliotheken nicht möglich sind und die Hochschule daher auf Monografie ausgewichen ist.

  3. 3

    „Kann nicht auch ein Hammer ein Medium sein?“ Zitat von @rd
    Und ob, natürlich kann er das —> (KLICK) https://www.youtube.com/watch?v=dCWCo4S1-to

    Irgendwann wird das Museum natürlich den Themenkreis seiner Exponate einschränken müssen, um nicht durch pfiffige Klever Spender zum Schrottplatz zu werden.

    Themenvorschläge dazu:
    Handwerkzeuge. Ein Hammer (siehe Video oben) ist da schon mal ein guter Anfang.
    Sportgeräte und andere Nischenprodukte. Da bin ich dann raus.
    Outdoor und Survivalgadets. Beispiele: Flaschenöffner, Kaffekocher auf Gaskartusche, Tarp…
    Museum der nutzlosen Dinge. Zum Beispiel Flaschenöffner, Kupfercents….
    Museum der verschwundenen Dinge. Musikkassette, TV Testbild, Kupferpfennige….

  4. 2

    Mit dem Verleihen von Tischtennisschlägern hat man im Rathaus jetzt tatsächlich doch noch ein Betätigungsfeld für Blommi gefunden.

  5. 1

    Schöner Ansatz, auch wenn die Auswahl mit 26 Treffern noch etwas übersichtlich ist, aber das ist ja erst der Anfang. Die meisten Teile sind schon ausgeliehen.

    Etwas irritierend ist die durchgängige Bezeichnung Medientyp=Monographie. Das ließe sich vielleicht noch ein passenderer Begriff finden. Aber das muss als Kategorie natürlich erstmal angelegt werden.