Die Immobiliengeschäfte der Volksbank Kleverland

Zentrale der Volksbank Kleverland am Spoykanal

Die Vertreter der Volksbank Kleverland beschlossen in ihrer Versammlung am 27. Juni 2018, die Satzung zu erweitern, und zwar in § 2, Abs. 2, Ziffer 2, in dem Zweck und Gegenstand des Unternehmens beschrieben werden. Der eingefügte Satz lautet: „Weiterer Gegenstand des Unternehmens ist […] der Erwerb, die Erschließung, die Errichtung, die Verwaltung, die Vermietung, die Verpachtung, die Veräußerung sowie die Vermittlung von Immobilien und grundstücksgleichen Rechten.“ Damit war der Grundstein für das Desaster gelegt, das der Bank derzeit vor einer staunenden Öffentlichkeit, die sich bislang nur auf bruchstückhafte Informationen berufen kann, um die Ohren fliegt.

Am 1. Oktober soll Vorstandschef Frank Ruffing von der eigens dafür einberufenen Vertreterversammlung abberufen werden, verbunden damit soll laut Tagesordnungspunkt 2 zudem die außerordentliche Kündigung des Dienstverhältnisses aus wichtigem Grund ausgesprochen werden, wie die Rheinische Post gestern ergänzend berichtete. Wer die Gepflogenheiten im Geschäftswesen kennt, weiß dass dies einer Höchststrafe gleichkommt. Passend dazu ist aus Kreisen der Bank zu hören, dass der vor dem Aus bestehende Bankchef den Vorwürfen bisher mit einer gewissen Chuzpe begegnet.

Im Zentrum der Auseinandersetzung stehen offenbar die Immobiliengeschäfte, die die Bank seit einiger Zeit getätigt hat. Bei diesen Geschäften an sich handelt es sich aber nicht um Alleingänge des Vorstandsvorsitzenden, sie sind vielmehr Teil einer Strategieänderung, die die Bank Anfang der 2020er-Jahre vorgenommen hat, um Ertragsausfälle im klassischen Bankengeschäft auszugleichen.

„Die Entscheidung [ins Immobiliengeschäft einzusteigen] erfolgte im Laufe des Jahres 2020“, so ein Sprecher der Bank. „Ihr gingen Strategieberatungen mit den Führungskräften der Bank voraus und sie erfolgte in Abstimmung mit dem Aufsichtsrat. Hintergrund war das Niedrigzinsumfeld, das Banken veranlasste, neue zinsunabhängige Ertragsquellen zu erschließen.“ Mit dieser Entscheidung war die Volksbank Kleverland damals nicht allein, wie der Sprecher betont. „Eine Geschäftspolitik, die mit Blick auf die damals herrschenden Zinsperspektiven in der Branche insgesamt – auch seitens der Wissenschaft und der Medien – als erforderlich erachtet wurde.“

Von da an ging die Volksbank Kleverland mit gefüllten Taschen auf Einkaufstour. In Kleve bekannt wurde der Kauf des Spoy-Centers, eines in die Jahre gekommenen Abschreibungsobjekts aus den achtziger Jahren des vergangenen Jahrtausends. Die Immobilie liegt am Spoykanal, direkt in der Nachbarschaft der Bankzentrale. Weniger bekannt war bisher, dass die Volksbank Kleverland auch die Büroimmobilie an der Siemensstraße erworben hat, in der die bekannte Anwaltskanzlei Strick ihren Sitz hat – auch dieses Gebäude ist nicht mehr ganz taufrisch.

Zu hören ist überdies von Baumärkten und Mietshäusern, doch im Einzelnen möchte sich die Bank dazu nicht äußern. Es gelte mit Blick auf die Mieter Vertraulichkeit zu wahren, so der Sprecher der Bank. Insgesamt sind es „rund 25 Immobilien“, so der Sprecher. „Es handelt sich um Wohnimmobilien, gemischtwirtschaftlich genutzt Immobilien und gewerbliche Immobilien, die sich fast ausnahmslos in Nordrhein-Westfalen befinden.“ Neben Kleve wird auch Düsseldorf als Standort von Immobilien gerüchteweise gehandelt, sowie sogar Berlin.

Dieses Immobiliengeschäft leistete einen „signifikanten Ergebnisbeitrag“ zum Jahresgewinn 2024, in der von der Bank selbst aber nicht näher beziffert wird. Auch über den Wert der Immobilien insgesamt schweigt sich die Bank aus, wegen einer „doppelten Abgrenzungsproblematik“, die zum einen den stichtagsbezogenen Bilanzwert, zum anderen die für die eigenen Zwecke genutzten Immobilien betrifft.

Doch die Fachleute des Branchendienstes Finanz-Szene hatten sich schon nach dem ersten Nachrichten aus Kleve die Bilanz des Bankhauses angeschaut. Sie schrieben, das üppige Immobilienportfolio der Bank 2021 aufgebaut wurde (also noch vor der Zinswende) – und dass der Sachanlagenbestand laut Bilanz verdreieinhalbfachte.

Daraus könnte man schließen, dass rund 30 Millionen Euro vorher an Sachanlagen vorhanden waren (also beispielsweise Filialen und die Bankzentrale am Opschlag) und relativ schnell weitere 80 Millionen hinzukamen. Sollten die Objekte der Volksbank Kleverland mithilfe von Maklern erworben worden sein (anderes wäre bei Geschäften in dieser Dimension unüblich), läge – auf Basis dieser Werte – der Anteil der Provisionen, die die Bank zu tragen hätte, bei rund drei Millionen Euro.

Das sind Beträge, die durchaus Begehrlichkeiten wecken können, doch zu Hinweisen auf mögliche Unregelmäßigkeiten bei den Zahlungen der Provisionen befragt, antwortete der Sprecher: „Derartige Fragen werden wir ausschließlich im Rahmen der anstehenden Vertreterversammlung beantworten.“ In 14 Tagen werden also zumindest die Vertreter der Anteilseigner mehr wissen – die Öffentlichkeit recht bald dann vermutlich auch.

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11 Kommentare

  1. 11

    @ 8 Mr. Tom )

    Wenn Sie genügend Eigenkapital haben, dürfen Sie gerne mit Immobilien spekulieren. Banken haben aber regelmässig nur sehr wenig Eigenkapital.

  2. 10

    Warum sollte ein Vorstandsvorsitzender solche Risiken für den vermeintlichen Vorteil der Bank eingehen?

  3. 9

    Es ist sogar noch schlimmer als angenommen. Die Banken sitzen im Allgemeinen auf 6x höheren unrealisierten Verlusten am Kapitalmarkt seit der Finanzkrise 2008. Gemessen an der inflationsbereinigten Performance ist der S&P 500 noch immer unter Wasser. Ich glaube die Bank Wollte mit diesen Geschäften die Bilanzen ausbessern, um bei der nächsten Krise auf dem Papier besser dazustehen als andere, auch wenn nur mit Schrottimmobilien, um dann dann Mithilfe der gemischten Immobilienanleihen neues Geld bereit zu haben um den Lokalen Markt leerzusaugen. Nur Spekulation, als Szenario jedoch denkbar.

  4. 8

    In Zeiten von Niedrigzinsen oder gar Negativzinsen in Immobilien zu investieren, anstatt Einlagen bei den Zetralbanken mit Strafen zu belasten, ist doch von der Grundidee erstmal nicht verwerflich.

    Inzwischen ziehen doch Hauspreise wieder an, somit können die Häuser doch bald mit einem Plus verkauf werden, warum die Panikmache zu den Kundengeldern und Einlagen…

    Ob der Vorstand mit Umschlägen unter dem Tisch hantiert hat wird sich zeigen, aber das kann doch das Grundvertrauen in die Mitarbeiterschaft (vom Schalter bis zum Kreditsachbearbeiter, alles Manschen aus und für die Region, mit Familien und Wurzeln hier im KLEVERland) nicht erschüttern!

    Der große Zampano ist zum 01.10. weg, die Wogen werden sich schnell glätten!!! Und/oder es kommt zu einer längst überfälligen Fusion mit der Volksbank Goch-Geldern.

    Keep cool Kundschaft, seid froh dass aufgeräumt wird und habt keine Angst vor der Zukunft!!!

  5. 7

    “ auch seitens der Wissenschaft und der Medien “

    Ach so, die Wissenschaft und die Medien sind jetzt schuld an dem Desaster. Ich hatte schon gedacht, der Ruffing wäre alles schuld gewesen.

  6. 6

    @4: Klein Neuschwanstein. Allein der Thronsaal im Erdgeschoss…. Hier wollte sich die Voba wohl ein Denkmal setzen. Fügt sich so gar nicht in die Umgebung ein.

  7. 5

    @2 Kunde der Bank

    Wer auch immer? Ich wüsste da noch eine Variante unter Einsatz eines Strohmannes, der sagen wir mal 2 Prozent behält und 5 Prozent an ein ihm genanntes Konto überweist.

    Das hat jetzt keinen Bezug zu Frank Ruffing. Da muss sich erstmal herausstellen, worum es geht.

  8. 2

    Zwei Beispiele für eine Kaufabwicklung.

    Eine seriöse Abwicklung:
    wenn ein Kaufinteressent einer Immobilie sich mit dem Makler einig ist über den Kaufpreis, Übergabe des Objektes und die Vermittlungsprovision. Dann sind alle Parteien rundum zufrieden wenn der entsprechende Kaufvertrag abgewickelt wird. So wird es in den aller meisten Fällen auch sein.

    Die unseriöse Abwicklung:
    sollte aber ein schwarzes Schaf unter den Beteiligten sein, hier kann vielleicht von einer Herde die Rede sein, kann ein Geschäft auch anders abgewickelt werden.
    Käufer der Immobilie bezahlt dem Makler nicht die geforderten 3 % Provision, sondern, sagen wir mal 10 %.
    Makler kassiert dann 10 % Provision und überweist 7% nach Erhalt der Provision an eine ihm zuvor genannte Firma oder Person die zu viel erhaltene Provision.
    Wer auch immer, verfügt dann über 7% Kapital. Finanziert mit der Bank des Erwerbers.
    Käufer und Makler müssen halt Vertrauen zu einander haben.
    Wer auch immer, verfügt dann über Kapital was er nun privat verwenden kann oder als Eigenkapital
    für den nächsten Immobilienerwerb nutzen kann. Nach Abzug der Steuern natürlich.

    Privat gemacht wäre das vielleicht noch in Ordnung da ja selbst finanziert.
    Aber als ……
    Das Leben könnte so einfach sein.
    Wenn halt nicht jemand genauer hinschaut.