Der Himmel ist so unglaublich blau, dass es – so glaube ich – an der Zeit ist, sich einmal eingehender dieser Farbe zu widmen, die in der klassischen Ikonographie die Farbe der Treue ist und die interessanterweise in der organischen Natur seltener anzutreffen ist als alles andere, bei einheimischen Vögeln beispielsweise nur im schwarzen Schwanzgefieder der Elstern, in denen sich das Sonnenlicht mitunter metallisch blau bricht (es mithin also ein optischer Effekt ist, man könnte die Feder nicht auspressen oder auskochen, um daraus einen blauen Farbstoff zu destillieren), und in der Blumenwelt in den bekannten Kornblumen, die allerdings nur noch selten anzutreffen sind, sodass das leuchtende Blau der Blüten, bestehend aus einem natürlichen Pigment, das primär durch den Anthocyan-Farbstoff Cyanin entsteht, der als stabiler Komplex mit Aluminium- und Eisen-Ionen gebunden wird, nicht mehr allzuoft unsere Herzen erfreut, in denen ja übrigens nicht blaues Blut umverteilt wird, sondern rotes, und selbst die Fraktion der blaublütigen Mitmenschen wird immer kleiner, wenngleich der für die Namensgebung, die der aus dem mittelalterlichen Spanien stammt (sangre azul), wo die Adligen im Gegensatz zu den im Freien arbeitenden Bauern ihre Haut vor der Sonne schützten, verantwortliche Effekt, immer noch existiert, denn durch deren extrem blasse Haut waren die blauen Venen deutlich sichtbar, was als Zeichen reinblütiger, westgotischer Abstammung galt, was aber eben darüber hinaus mit der Farbe Blau nur wenig zu tun hat, im Gegensatz zur oben beschriebenen Kornblume, deren Cyanin in der Lebensmittelindustrie und als natürlicher Farbstoff genutzt wird, und deren Blau außerdem auch in einem Schlager als Indikator für die Trunkenheit herhalten muss, was auch ein wenig verwundert – was hat 6495ED (so das Hexadezimaltriplet für Kornblumenblau) mit Alkoholkonsum zu tun? – und das außerdem vom niederländischen Maler Jan Vermeer gerne benutzt wurde (siehe Kopftuch des „Mädchens mit den Perlenohrringen“) und das sich zuguterletzt auch im angelassenen Stahl bei einer Temperatur von 300 Grad Celsius zeigt (was hat die Natur im Stahl zu suchen?), Fragen über Fragen also, und wir haben gerade erst angefangen, denn da fällt uns schon die bekannteste aller Hosen ein, die Blue Jeans, die nicht kornblumenblau eingefärbt ist, sondern mit Indigo, einem der ältesten und bekanntesten Pigmente, welches schon in prähistorischer Zeit zum Einfärben von Textilien verwendet und früher aus den Blättern des Färberwaids oder aus der Indigopflanze gewonnen wurde, ehe ab 1865 Adolf von Baeyer verschiedene Synthesewege für Indigo entwickelte (wofür er unter anderem 1905 den Nobelpreis erhielt) und das Indigoblau in die Hände des Kommerzes geriet, worüber man natürlich traurig sein kann, was wiederum im Englischen als blue bezeichnet wird, weil die Farbe spätestens ab dem 17. Jahrhundert mit Melancholie, Trübsinn oder Depression assoziiert wird, da Blau oft als kalte oder düstere Farbe empfunden wird (so habe ich es auch in der Grundschule bei Frau Heilen gelernt), was sogar einer ganzen Musikrichtung den Namen gegeben hat (Blues), doch bevor es hier angesichts des euphorisierenden Firmaments ins Depressive abrutscht, seien noch zwei leuchtende Beispiele für erfolgreiches Blau genannt, nämlich einerseits Les Bleus, wie das französische (Männer-)Fußballnationalteam bezeichnet wird, welches unter anderem zu Zeiten von Zinédine Zidane begeisternden Fußball spielte (und damals völlig zurecht 1998 Weltmeister und 2000 Europameister wurde) und der von IBM entwickelte Schachcomputer Deep Blue, der erstmals die Menschen in die Schranken verwies, in dem er in einem legendären Match Garri Kasparov besiegte (Kasparow wählte die Sizilianische Verteidigung, auf die das Schachprogramm mit der soliden Alapin-Variante antwortete), und die vielleicht stellvertretend für die gesamte Entwicklung stand, vor der wir heute mit der Künstlichen Intelligenz stehen, die vielleicht schon bald dazu führen wird, dass wir alle dauerhaft blau machen können (eine Redewendung, die übrigens vom „blauen Montag“ der Färbergesellen stammt), weil irgendwelche Agenten unsere Arbeit übernehmen, aber diesen Artikel habe ich noch selbst geschrieben, sodass es meine eigene Entscheidung war, das Hellblau, das in der Politik um sich greift, einfach mal wegzulassen.
Blau machen


Der Eichelhäher hat zum Teil auch blaues Gefieder
Endlich macht es wieder Spaß, joggen zu gehen und Rad zu fahren. Und Eis gibt es nun auch wieder! 🙂