Anleitung zum Glücklichsein: Klever entwickelt Happiness-App, sucht Tester

Manchmal reicht schon ein guter Kaffee zum Glücklichsein: Ilias Gahlings

Was braucht es zum Glücklichsein? Sind es die großen Dinge, Gesundheit, Geld, Liebe? Ohne Gesundheit ist alles nichts, aber wenn sie da ist, wird sie meistens als selbstverständlich hingenommen. Kein Geld ist ganz schlecht, aber ab einer gewissen Summe nimmt das Glück nicht mehr zu (sondern die Sorge, es zu verlieren). Und Liebe ist ein Kapitel für sich. Grob zusammengefasst, lässt sich also sagen, wer das Glück sucht, sollte sich anderswo umschauen.

Der Klever Ilias Gahlings hat sich mit Studien zu diesem Thema beschäftigt und ist zu Erkenntnis gekommen, dass viele kleine Aktionen in fünf zentralen Lebensbereichen entscheidend dazu beitragen können, sich selbst als glücklicheren Menschen zu empfinden – die Beziehung zu sich selbst, zu der Familie, zu Freunden, das Zugehen auf (noch) unbekannte Menschen (also gewissermaßen der Aufbau neuer Beziehungen) sowie die Verbindung zur Natur.

„Rund jeder sechste Mensch in Deutschland fühlt sich einsam“, weiß Gahlings. „Das sind ungefähr 14 Millionen Menschen, und ich denke das ist alarmierend.“ Und er hat sich zum Ziel gesetzt, etwas dagegen zu unternehmen – und zwar mit einer App, die gewissermaßen eine Anleitung zum Glücklichsein ist. happy:all wird die Anwendung heißen, die sich im Augenblick noch in der Entwicklungsphase befindet. Das Prinzip, so Gahlings: „Die Nutzer werden für kleine gute Taten im Alltag belohnt. Dafür bekommen sie Punkte, die dann beispielsweise bei Klever Einzelhändlern eingelöst werden können.“ Im Augenblick werden noch Testuser gesucht, die sich unter ilias@happy-all.de beim Entwickler melden können. Auf der Seite https://happy-all.de/ erfährt man mehr über das Projekt.

Die App ist organisiert in sogenannten „Challenges“, kleinen Herausforderungen also, die in den jeweiligen Bereichen ausgewählt und dann absolviert werden können. Ein Kompliment für den Partner, ein Waldspaziergang, eine Hilfe für einen unbekannten Menschen – solche (scheinbar) kleinen Aufgaben sollen dafür sorgen, dass der Nutzer sich jedes Mal ein klein wenig glücklicher fühlt.

Gahlings verweist auf eine Studie der Harvard-Universität, bei der Menschen aus privilegierten und prekären Verhältnissen über lange Jahre beobachtet wurden. Herauskam, dass diejenigen am glücklichsten waren, die die besten Beziehungen zu Familie und Freunde hatten. Gahlings: „In der App ist dies noch erweitert um die Beziehungen zu einem selbst, zu Fremden und zur Natur. Es ist Zeit, wieder mehr Menschlichkeit in unsere Gesellschaft zu bringen, aber auch Respekt und Empathie. Deswegen war uns auch das Thema Fremde sehr wichtig.“

Nun hat aber nahezu jeder Smartphone Nutzer das Gefühl, an sein Gerät gekettet zu sein und wünscht sich oft nichts mehr als ein digitales Detox. Ist noch eine App mehr da der richtige Weg? Gahlings: „Die Herausforderungen werden in der App angewählt – aber sie passieren dann in der realen Welt. Das ist uns wichtig.“

„Viele Menschen brauchen keine App, um glücklich zu sein – sie haben erfüllende Beziehungen und Nähe im Alltag“. ”, so Gahlings. „Aber es gibt auch sehr viele Menschen, die sich oft einsam fühlen. Die sich nach echter Verbindung sehnen, aber nicht wissen, wo sie anfangen sollen. Für sie soll happy:all da sein – als sanfte Einladung, wieder mehr Zwischenmenschliches in ihr Leben zu bringen. Schritt für Schritt.“

Auch Unternehmen sollen die App nutzen können, um die Zufriedenheit ihrer Mitarbeiter einerseits (anonym) zu messen und andererseits Aktivitäten zu befördern, die zur Steigerung des Wohlbefindens beitragen. Das ist nicht immer nur die Gehaltserhöhung. Als erstes Klever Unternehmen hat sich schon die Metzgerei Quartier bereit erklärt, die Anwendung zu testen.

Kacheln mit Belohnungen

Hat der Nutzer genug Punkte gesammelt, sollte er sich schon allein aufgrund der gemeisterten Herausforderungen besser fühlen, aber zusätzlich winkt dann noch eine Belohnung, zum Beispiel ein Freigetränk in einem Café. Auch da sieht Entwickler Gahlings eine Win-win-Situation: Der Nutzer kann eine neue Örtlichkeit entdecken, und vielleicht bleibt es auch nicht nur bei einem Kaffee, und vielleicht kommt er oder sie auch nicht alleine. Wer möchte, kann seine Punkte aber auch an eine lokale wohltätige Organisation spenden.

Gahlings, 41 Jahre alt, selbst lebt die Ideen, für die seine App steht. Er hat Medienwirtschaft in Köln studiert, im online Marketing gearbeitet und lange in den USA gelebt (mit einer Greencard). Dann erlitt sein Vater an seinem 70. Geburtstag einen Herzinfarkt, und Gahlings merkte für sich, wie diese Situation ihn belastete. Er fasste für sich den Entschluss, zurück nach Deutschland zu gehen und landete in Kleve – um, wenn alles glatt läuft, von Kleve aus die Welt ein wenig glücklicher zu machen.

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Kleiner Zufallsfund zum Thema:

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15 Kommentare

  1. 14

    @12. Anja

    Man kann sich natürlich auch selber zum Sklaven der Kontrollierbarkeit machen. Aber wenn’s glücklich macht, ganz „gläsern“ durch die Welt zu laufen ………. muss man halt für sich selbst entscheiden.

  2. 13

    Wenn die App dazu beiträgt, dass sich jemand besser fühlt, hat sie ihren Zweck schon erfüllt.

    Die größte Belohnung für eine positive Aktion ist aber wohl das damit einhergehende gute Gefühl…

    Ob mit oder ohne App, das muss jeder für sich entscheiden.

    Ich liebe ja meine Schrittzähler-App. Bewegung trägt auch nicht unwesentlich zum Glücksgefühl bei 😉

  3. 12

    Ich bin etwas irritiert während ich die Kommis hier lese.Es ist richtig das Glück für jeden anders interpretiert wird ,Glücklichsein ist ein Moment Niemand ist 24/7 glücklich.
    Geht es in der App darum das jeder der sie nutzt eben diesen 24/7 Anspruch hat,wünscht und schlussendlich erreicht? Das kann ich nicht glauben,eher meine ich das es dem Entwickler darum geht Menschen Wege zu zeigen etwas öfter zu lächeln, ein wenig mehr auf andere zuzugehen und generell offener für Neues zu sein. Schaffen kann man das in einer Gemeinschaft und ja auch mittels einer App,wo jeder für jeden offen ist,wo man sich freundlich,ehrlich und aufrichtig begegnet und unterstützt. So sind meine Gedanken zu dieser App,ich lasse mich darauf ein,nicht weil ich total unglücklich bin oder völlig vereinsamt mein Dasein friste, sondern weil ich glaube das sie helfen kann andere,neue Ansätze zu entdecken,Menschen zu treffen, die einen ähnlichen Lebensweg wie ich haben und trotzdem lachen können und nicht in einer unglücklichen Vergangenheit hängen geblieben sind.
    Und Punkte sammeln für Freundlichkeiten? Oh man ,ich hab schon Probleme regelmäßig meine Payback Karte an der Kasse zu zeigen, also seh ich alles was ich erreichen kann um Punkte zu erhalten als ein nettes Goodie an. Aber allein dafür würde ich die App tatsächlich nicht nutzen.

  4. 11

    Frage an der Baumarktkasse: „Sammeln Sie Punkte?“
    Antwort: „Nein, ich bin doch inkognito.“

  5. 10

    Also ! Ich z.B. habe Glück 🍀 😂 wenn meine 🧠 Kapriolen 🙄 nicht im Kle Blog ⤵🚽 landen. 😥 Ansonsten sollte sich glücklich schätzen wer sich am Morgen noch erinnert was er / sie am Abend vorher gegessen hat .😳 😎

  6. 8

    Sich selbst besch… trägt meiner bescheidenen Meinung nach bei vielen Menschen auch nicht unerheblich zum Glücklichsein bei.

  7. 7

    „Du, Schatz, toll siehst du heute wieder aus…“

    Und schnell die Punkte sichern… für das nächste Freigetränk.

    Wer braucht das und wer überprüft, ob überhaupt eine „gute Tat“ stattgefunden hat? Muss das vor Zeugen aus dem Einzelhandel geschehen?

    „Schatz, du wolltest doch schon seit langem wieder zu Galeria, ich begleite dich heute gerne…“

    (Ironie Off)

    Also, ich muss mir doch mal die Belohnungen ansehen…

  8. 6

    Jedes Handy hat diese App von Haus aus installiert unter dem Namen „Ausschaltknopf“.

  9. 5

    Meine nicht ganz ernst gemeinte Anmerkung:
    Ich kenne die Studie der HU nicht – welche Punkte werden denn dort als Faktoren für die Berechenbarkeit von Glücklichsein genannt?
    Also was sind zB “ die besten Beziehungen“ zu Freunden und Verwandten? Wenn ich mich nie streite? Oder wenn, dann richtig? Weil’s beim Treffen immer Kuchen gibt? Weil ich sie nur 1x im Monat sehe…?
    Das ist doch jeweils immer eine sehr individuelle Betrachtung, was ich als Glück empfinde.
    Also nach welchen Kriterien werden denn die Belohnungspunkte ausgesucht?
    Beispiel:
    Wenn ich zB keinen Partner habe, bekomme ich keine Punkte für’s „Loben“ – kann aber doch komplett glücklich alleine sein.
    Muss ich diese Punkte in anderen Kategorien „aufholen“?
    Ich könnte mir vorstellen, das der Eine oder Andere die App (zu) ernst nimmt und sich auf der Jagd nach den letzten Belohnungspunkten für unglücklich hält.
    Bin ich mit 36 Punkten unglücklicher als mit 41 Punkten?

  10. 4

    Gahlings: „Die Nutzer werden für kleine gute Taten im Alltag belohnt. Dafür bekommen sie Punkte, die dann beispielsweise bei Klever Einzelhändlern eingelöst werden können.“

    Für „kleine gute Taten“ (wofür gibt es besonders viele Punkte?) im Alltag mit Punkten belohnen lassen, die man im Klever Einzelhandel einlösen kann? Ich hab nicht mal eine Payback-Karte.

    Jetzt also Punkte für gute Taten? In China gibt es so etwas Ähnliches, aber nicht, damit die Leute glücklicher werden, sondern damit sie noch besser kontrolliert werden können. Die App von Ilias Gahlings hat also eine völlig andere Zielrichtung.

    Das, was wirklich glücklich macht, ist ja oft kostenlos oder preiswert. Ein freundlicher Mensch, der einem weiter hilft, anderen helfen oder zuhören, ein gutes Gespräch, das Lächeln eines noch fremden Menschen, ein Americano, Spaghetti mit Pesto, ein leichter Weißwein, das Meer (!), die Berge… Na ja, gut, ein leckeres Essen im Restaurant kann auch glücklich machen, und das ist bekanntlich schon mal teuer. Ein Gyros Pitta kann aber auch sehr zufrieden machen…

    Zeit zu haben macht mich schon mal per se glücklich. Da ich keine Langeweile kenne, gibt es so viele schöne und interessante Dinge zu tun, die glücklich machen. Oder vielleicht auch mal nur rumhängen.

    Glück ist der Teppich der Zufriedenheit und des Wohlbefindens, der uns im Alltag den Boden gibt für die Zuversicht, mit der wir abends einschlafen und morgens wieder aufwachen, bestenfalls. Oder so ähnlich.

    Ich muss nur die „tagesschau“ gucken, um mich daran zu erinnern, wie glücklich man sich hier schätzen kann, auch wenn es gerade aufgrund persönlicher Widrigkeiten nicht so erscheint bzw. durchdringt.

    Wie fühlt sich Glück an? Das ist individuell unterschiedlich. Bei mir ist es eine schöne Heiterkeit, Lachen von tief innen, und ja, manchmal ein deutliches Glücksgefühl. Auch Weinen kann glücklich machen, finde ich. Es kommt auf die Gründe an.

    Das Gefühl, mit sich und der Welt im Reinen zu sein, auch wenn nicht gerade alles optimal ist. Für wen ist es das schon. Auf optimale, womöglich noch dauerhaft optimale Zustände kann das Glücksgefühl nicht warten. Es bricht sich manchmal auch unerwartet Bahn. Dann sollte man es willkommen heißen und nicht angstvoll fragen, huch, wo kommt das her und wie lange dauert es.

    Mit Demut das Glück, in welcher Gestalt es auch kommt, annehmen. Und zum Glück anderer Menschen beitragen.

  11. 3

    Na, da bin ich aber zufrieden und glücklich, dass ich kein Smartphone, keine App und auch keine Belohnung brauche, um glücklich zu sein! 🙂

    Johann Wolfgang von Goethe

    „Das Göttliche“
    „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut!
    Denn das allein unterscheidet ihn von allen Wesen, die wir kennen.“

  12. 2

    Ich bin neugierig und bereit, diese App zu installieren und zu testen.Meine Hoffnung ist das alle die diese App nutzen ,bereichert und zufrieden daraus hervor gehen werden. Ich lasse mich drauf ein 😃

  13. 1

    Ich habe gelernt, glücklich für mich selber zu sein, und die eigene Zufriedenheit und das Glücklichsein, nicht von anderen Personen abhängig zu machen. Die Stärke kommt von innen, die Überzeugung trägt man nach außen aus. Wenn man sich selber lieben kann, ist das doch etwas großartiges, wie ich persönlich finde.