Als die Sparkasse Rhein-Maas zur Feier ihres 200-jährigen Bestehens Ende vergangenen Jahres ihre letzten vier Vorstandsvorsitzenden für eine Gesprächsrunde zusammenholte, war auf dem Foto mehr als ein halbes Jahrhundert Bankgeschichte versammelt, wobei einer der vier Männer mehr Jahre auf sich vereinen konnte als die anderen drei zusammen. Das aber war Peter Theissen, der die Bank 29 Jahre lang – von 1973 bis 2002 – führte und der am vergangenen Freitag im Alter von 89 Jahren verstorben ist.
Wer so lange „ganz oben“ arbeitet, der prägt eine Ära – und andersherum muss man natürlich auch sagen, dass es eine andere Ära war, in der Manager über Jahrzehnte mit ruhiger Hand die Geschicke eines Unternehmens bestimmen konnten.
Auf jeden Fall aber ist die Zeit in der Sparkasse unter Peter Theissen eine gewesen, in deren Anfängen Bargeld noch das Geschäft regierte und in der der Kugelschreiber noch das wichtigste Arbeitsgerät war. Als Theissen 2002 in den Ruhestand verabschiedet wurde, brandete die Digitalisierung erst so richtig auf. Im ersten Drittel der Amtszeit von Peter Theissen, 1982, bekam das Geldinstitut, damals noch Sparkasse Kleve, den ersten Geldautomaten. Für Überweisungen gingen die Kunden noch wie selbstverständlich zum Bankschalter.
Peter Theissen war ein Kind der Spyckstraße, und, abgesehen von den Jahren des Gymnasiums, des Studiums und der Anfänge des Berufslebens, ist er seiner Heimatstadt immer treu geblieben. Geboren wurde er als Sohn des Kaufmanns Hermann Theissen und seiner Frau Erna. Die ersten Schuljahre absolvierte er gleich vor der Haustüre in der Spyckschule, sein Abitur machte er am Collegium Augustinianum Gaesdonck. Danach ging es für ihn zum Studium nach Bonn, wo er seine spätere Frau Edith kennenlernte. Das Paar heiratete am 21.Oktober 1966.
Seine berufliche Laufbahn begann bei der Kreissparkasse in Düsseldorf, bevor ihn 1972 seine Heimatstadt zurückrief. Am 1. Januar 1973 wurde Peter Theissen Vorstand der Sparkasse Kleve. Wer ihn kannte, erlebte ihn als weltoffenen und toleranten Menschen, der nach dem Motto „Leben und leben lassen“ handelte. Er gab keine Anweisungen, sondern Ratschläge und akzeptierte jeden und was jeder für sich selbst für richtig hielt – damals keineswegs selbstverständlich am konservativ geprägten Niederrhein. Diese Einstellung prägte auch sein Wirken an der Spitze seiner Bank – er ließ seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter viel Handlungsspielraum, er war in der Lage zu delegieren und hatte das Rückgrat, sich in Zweifel auch hinter Entscheidungen seiner Untergebenen zu stellen.
Aber Peter Theissen war nicht nur der erste Mann in seiner Bank: In den Jahren seiner Laufbahn webte er ein weitreichendes Netz mit Beziehungen in alle Richtungen: Er mischte beim hiesigen Fußball mit und war federführend bei der Fusion seines Vereins VfB Kleve mit dem SC Kleve zum 1. FC Kleve. Er war im Landgolfclub Moyland aktiv, er gehörte zur Führung des Heimat- und Verkehrsvereins (heute: Klevischer Verein); der Karnevalsverein Schwanenfunker verlieh ihm die Ehrenmütze, er förderte den von Pastor Leinung ins Leben gerufenen Verein Klosterpforte – und bis zuletzt unterstützte er seine Studentenverbindung Ripuaria Bonn und seine alte Schule auf der Gaesdonck.
Seine Urlaube verbrachte Peter Theissen entweder auf Sylt, am Timmendorfer Strand oder am Tegernsee, aber in seiner Freizeit reichte es ihm mitunter auch schon, einfach in die Unterstadt zu gehen und im Gasthaus Früh eines seiner geliebten Gläser Kölsch zu trinken und dabei über alles mögliche zu reden und insbesondere über Fußball, was schon mal erforderlich ist, wenn man leidgeprüfter Anhänger des FC Schalke 04 ist.
Seinen letzten öffentlichen Auftritt hatte Peter Theissen, als die Sparkasse im Juni vergangenen Jahres im Museum Kurhaus mit vielen Gästen ihr 200-jähriges Bestehen feierte. Schon da stand es um seine Gesundheit nicht zum Besten, doch es war ihm vergönnt, noch am vergangenen Mittwoch die Diamantene Hochzeit mit seiner Frau Edith zu feiern.
Am Freitag ist Peter Theissen nach einem erfüllten Leben friedlich entschlafen. Er hinterlässt seine Frau und seine zwei Söhne Oliver und Christian.

